Donnerstag , 1. Dezember 2022
Anzeige
Verdi-Kundgebung
Rund 120 Beschäftigte der Sozial- und Erziehungsberufe aus Stadt und Landkreis Lüneburg sowie aus dem Landkreis Harburg, dem Heidekreis und der Stadt Uelzen waren zur Kundgebung auf den Marktplatz gekommen. (Foto: t&w)

Kita & Co. im Warnstreik: Massagen reichen nicht aus

Mit einem Warnstreik, von dem auch Lüneburger Kitas betroffen waren, und einer Kundgebung auf dem Lüneburger Marktplatz machte die Gewerkschaft Verdi deutlich, was von der "Verschleppungstaktik" der kommunalen Arbeitgeber zu halten ist. Die waren bei der zweiten Runde der Tarifverhandlungen für Beschäftigte der Sozial- und Erziehungsberufe auf keine Forderung eingegangen.

Lüneburg. Mit Plakaten, Verdi-Fahnen und Rasseln zogen rund 120 Beschäftigte der Sozial- und Erziehungsberufe durch die Lüneburger Innenstadt und machten lautstark deutlich, was sie von dem Verhalten der kommunalen Arbeitgeber bei der zweiten Runde der Tarifverhandlungen halten, nämlich nichts. Bei der Kundgebung auf dem Lüneburger Marktplatz bezeichnete Andrea Wemheuer vom Verdi-Landesbezirk Niedersachsen/Bremen das Agieren der Vereinigung der kommunalen Arbeigeberverbände als Verschleppungstaktik.

Situation in den vergangenen zwei Jahren verschärft

Warnstreiks und Kundgebungen fanden am Dienstag fast zeitgleich auch in Bremen, Hameln und Hildesheim statt, am Mittwoch laufen sie in Braunschweig und Stade. Die Forderungen der Gewerkschaft stehen seit Beginn der Tarifverhandlungen fest: Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel sowie eine finanzielle Aufwertung der Arbeit.

Schlechte Bezahlung, Überlastung und Dauerstress gehörten nicht erst seit der Pandemie zum Arbeitsalltag der Beschäftigten in Kitas, Ganztagsschulen, in der sozialen Arbeit und der Behindertenhilfe, machte Wemheuer deutlich. In den vergangenen zwei Jahren habe sich die Situation noch verschärft, und mit Blick auf die Flüchtlinge aus der Ukraine "werdet Ihr Euch wieder vielen Aufgaben stellen und diese meistern".

Entlastungstage und bessere Bezahlung gefordert

Neben einer besseren Bezahlung hatte Verdi bei der zweiten Verhandlungsrunde in Potsdam konkrete Vorschläge für eine verbindliche Festlegung von Vor- und Nachbereitungszeiten sowie Entlastungstage auf den Tisch gebracht. Der VKA lehnte diese ab. Allenfalls hätten die Arbeitgeber angekündigt, man könne darüber nachdenken, ob nicht zum Gesundheitsschutz Massagen in der Mittagspause angeboten werden könnten, berichtete Wemheuer. Buh-Rufe von den Protestierenden auf dem Lüneburger Marktplatz.

Die strukturellen Probleme bei der Arbeit löse dieser wohl kaum ernst gemeinte Vorschlag nicht, macht die Gewerkschaftsseite deutlich. Wirkliche Antworten auf schlechte Arbeitsbedingungen, Mangel an Fachkräften sowie einen respektvollen Umgang mit den Beschäftigten bleibe der VKA schuldig.

Bis zur dritten Verhandlungsrunde am 16./17. Mai gelte es weiter "starke Zeichen" zu setzen. Das unterstrich auch Matthias Richter-Steinke, Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Region Nord-Ost-Niedersachsen. "Wir werden Euer Thema bei der Kundgebung am 1. Mai auf die Bühne bringen."

Arbeitgeber hoffen auf Streikverzicht bis Mitte Mai

Karin Welge, Präsidentin und Verhandlungsführerin des VKA, hatte nach der zweiten Runde gesagt: "Erwartungsgemäß können wir nach der zweiten Verhandlungsrunde noch kein Tarifergebnis vorlegen – dafür sind die Forderungen zu umfangreich und komplex. Die kommunalen Arbeitgeber haben deutlich gezeigt, an welchen Stellen ein Entgegenkommen möglich ist. Dabei bleibt es aber bei der Prämisse, dass grundsätzlich nur gestiegene Anforderungen auch eine Aufwertung für die Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst mit sich bringen können.“

Ziel sei im dritten Termin die Tarifeinigung. "Wir appellieren an die Gewerkschaften, bis dahin auf Streiks zu verzichten, um weitere Belastungen aller Beteiligten zu vermeiden.“

Von Antje Schäfer

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.