Samstag , 3. Dezember 2022
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Stau in Lüneburg
Hohes Verkehrsaufkommen zum Feierabend auf dem Stadtring. (Foto: t&w)

Staus in Lüneburg – hausgemacht?

Wie viel Anteil wir selbst an den Staus auf unseren Straßen haben, erklären die Experten der Verkehrswacht im nächsten Teil unserer Serie "Verkehrswerkstatt". Sie erwähnen dazu aber auch, wie wir Staus reduzieren können.

Lüneburg. Feierabend und täglich die gleiche Leier: Nervige Staus auf Lüneburgs Straßen, vor allem auf dem Stadtring im Bereich Reichenbachstraße/Am Schifferwall und der Schießgrabenstraße samt den dort einmündenden Straßen sowie vor dem Krankenhauskreisel aus Richtung Bögelstraße/Am Weißen Turm. Teilweise auch auf der Hamburger Straße und auf anderen Strecken.

16-17 Uhr werden montags bis donnerstags die Spitzenbelastungen erreicht, freitags schon etwas früher. In den Morgenstunden verteilen sich die Berufsverkehre auf einen längeren Zeitraum, was die Situation etwas entzerrt. Trotzdem schwillt manchem die berühmte Zornesader wegen der verlorenen Zeit an. Aber sind wir teilweise nicht mitschuldig an diesem Dilemma?

Die Ampelkreuzungen auf dem Stadtring

Bei hohem Verkehrsdruck kommen auch die bestens programmierten Lichtsignalanlagen sowie der daran gekoppelte Verkehrsleitrechner an ihre Grenzen. Pro Fahrstreifen und Kreuzung kann eben nur eine bestimmte Kraftfahrzeugmenge durchfahren. Außerdem sind die Nutzungsansprüche vielfältig. Das beginnt schon beim Kfz-Verkehr mit PKW, LKW, Bussen, Krafträdern, beizeiten auch mal ein Traktor oder ein Wohnmobil. Unterschiedliche Geschwindigkeiten haben auch Radfahrer und Fußgänger vom sportlich Eilenden bis zu Kindern und Personen mit Rollatoren oder gar Rollstuhl.

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Allen soll die Signalisierung gerecht werden, indem pro Ampelphasenumlauf möglichst viele über die Kreuzung gebracht werden. Dass dies beim Kfz-Verkehr nicht immer klappt, liegt zuvorderst an seinem hohen Flächenbedarf. Geringer ist der Platzbedarf, pro Person gerechnet, beim ÖPNV und sowieso bei Fußgängern und Radlern. Diese können sich zudem an Ampeln nebeneinander aufstellen und pulkartig die Kreuzung überqueren.

Etwas höheres Reaktionstempo gefragt

Hinzu kommen die Räumphasen, während derer alle Ampeln für wenige Sekunden auf Rot stehen. Diese Zeiten sind gleichwohl nötig, damit z. B. wartende Linksabbieger die Kreuzung verlassen oder Fußgänger und Radfahrer die Fahrbahnüberquerung sicher beenden können. Anders in der Anfahrtphase, fast jedes Mal kommt es nach dem Umschalten auf Grün zu größeren Lücken in der Fahrzeugschlange, weil die Fahrer später als möglich losfahren.

Käme während eines Standardumlaufs von 90 Sekunden pro Fahrtrichtung auch nur ein PKW mehr „über die Ampel“, würden die zusätzlich passierenden Fahrzeuge in einer Stunde eine Länge von mindestens 250 Metern ausmachen. Mit etwas mehr Aufmerksamkeit und Reaktionstempo ließe sich bereits ein Gutteil der Staulänge vermeiden!

Der Kreisel vor dem Krankenhaus

Auch bei den Kreisverkehren ist zu beobachten, dass es bei der Einfahrt in den Kreisel immer wieder zu Verzögerungen kommt und unnötig große Lücken im Verkehrsfluss entstehen. Hinzu kommt, dass ca. 10 Prozent aller Fahrzeuge, die den Kreisel befahren, vor der Ausfahrt nicht blinken, weitere blinken einfach zu spät, was zu Missverständnissen und Verzögerungen bei den Einfahrwilligen führt, weil diese nicht wissen, ob das betreffende Fahrzeug den Kreisel vor ihnen verlässt oder weiter befährt.

Speziell beim „Krankenhauskreisel“ ist zudem die Zahl von Fußgängern und Radlern groß, was sich auch in den hohen Unfallzahlen niederschlägt. Bei weiterem Verkehrswachstum stellt sich die Frage, ob dieser Kreisel zukunftsfähig ist. Schon heute reicht die Fahrzeugschlange teilweise bis zum VfL-Platz am Sültenweg zurück.

Die Autobahnen - Stau aus dem Nichts

Die Osterferien stehen bevor. Das bedeutet leider Hochsaison für Staus auf den Autobahnen. Aber auch außerhalb der Urlaubszeiten sind Staumeldungen längst Tagesroutine. Das Navi bringt nur selten Linderung, denn Ausweichrouten sind länger, teilweise mit Ampeln besetzt sowie tempobeschränkt, und da viele die gleiche Idee haben, geht es auch auf der Umleitungsstrecke nur zäh voran.

Klar ist die Ursache bei einem Verkehrsunfall: Entweder kommt es zur Vollsperrung, dann geht gar nichts mehr. Oder aber die Zahl der Fahrstreifen wird – wie bei Baustellen auch – reduziert, schlimmstenfalls von mehreren auf nur noch eine. Erstaunlich ist jedoch, dass auf diese Weise nur ca. ein Drittel der Staus verursacht werden. Zwei Drittel dagegen entstehen quasi aus dem Nichts. Sie werden auch Geister- oder Phantomstaus genannt.

Das Paradebeispiel dazu: Unfall mit Stau in der einen Richtung und in der Gegenrichtung ebenfalls, obwohl es hier gar kein Hindernis gibt. Wie kommt es dazu? Bei dichtem Verkehr genügen bereits häufige Spurwechsel oder ein einzelnes unverhältnismäßiges Bremsen. Hohe Geschwindigkeitsunterschiede begünstigen die Staubildung ebenfalls. So können Kettenreaktionen ausgelöst werden, das nachfolgende und weitere Fahrzeuge müssen abbremsen, dies immer stärker, bis das erste Fahrzeug steht und der Grundstein für einen neuen Stau gelegt ist.

Fehlerhaftes Verhalten bleibt unbemerkt

Fatalerweise bekommen die Stauverursacher zu ihrem fehlerhaften Verhalten keine Rückmeldung. Sie befinden sich an der Spitze der Fahrzeugschlange, bemerken nicht, was mehrere Fahrzeuge hinter ihnen geschieht und kommen völlig ungeschoren bzw. unbetroffen vom Stau davon. Leider gilt dies auch für Unfallgaffer, den oftmals Schuldigen an der Stauentstehung. Was tun? Natürlich ist bei Unübersichtlichkeit Vorsicht geboten. Doch wenn möglich, sollte die Geschwindigkeit vorsichtig auf 80-85 km/h gesenkt werden.

Dadurch passen die PKW ihre Geschwindigkeit der des Schwerlastverkehrs an, was dazu führt, dass der Verkehr homogen läuft und die höchstmögliche Verkehrsmenge auf der Autobahn bewältigt werden kann. Auf Landstraßen liegt diese Geschwindigkeit übrigens bei ca. 60 km/h, innerhalb geschlossener Ortschaften bei ca. 40 km/h. Und eines noch: Am Stauende werden immer wieder schwere Auffahrunfälle verursacht. Schon deswegen ist jeder vermiedene Stau ein Gewinn!

So können Sie helfen, Staus zu vermeiden: Beim Anfahren an Ampeln: Große Lücken vermeiden. Bei Ausfahrt aus dem Kreisel: Rechtzeitig den Blinker setzen. Bei hohem Verkehrsaufkommen auf der Autobahn: Bremsvorgänge sowie Überholvorgänge minimieren, in den Verkehrsfluss einpassen, nach Möglichkeit konstant ca. 80-85 km/h fahren. Öfter mit Bahn, Bus oder Rad fahren.

Von Peter Pez und Michael Zidorn

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