Montag , 5. Dezember 2022
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Das Klimakollektiv Lüneburg organisierte die Aktion, bei der sich zwei Aktivisten von der Autobahnbrücke abseilten. (Foto: be)

Mit Video: Aktivisten seilen sich von Autobahnbrücke ab

Zwei Aktivisten baumelten am Sonntagvormittag von der Autobahnbrücke Hamburger Straße, um gegen die A39 und für eine "soziale und klimagerechte Mobilitätswende" zu protestieren. In der Zeit war die Autobahn in dem Bereich gesperrt.

Lüneburg. Für eine "soziale und klimagerechte Mobilitätswende" und gegen den geplanten Ausbau der A39 protestierten am Sonntagvormittag zwischen 11 und 12 Uhr knapp 30 Aktivistinnen und Aktivisten des "Klimakollektivs Lüneburg" auf der Autobahnbrücke der Hamburger Straße. Zwei von ihnen seilten sich von der Balustrade der Brücke ab und schwebten mit einem Banner über der A39.

"Wir machen die Aktion genau hier, weil wir an dem Ort, wo die Autobahn weitergebaut werden soll, dagegen protestieren wollen", erklärte Theresa Berghof, Sprecherin des Klimakollektivs. "Wir wünschen uns, dass der ÖPNV ausgebaut wird, dass es mehr Radwege gibt, breitere Fußwege, dass auch behinderte Menschen besser von A nach B kommen", führte sie das Anliegen der Aktivisten weiter aus. "Das wird nicht mit einer neuen Autobahn passieren", ist sie sich sicher.

Aktivisten hingen halbe Stunde von der Brücke

Gegen kurz nach 11 Uhr begannen zwei Aktivisten, darunter die für ihre Kletteraktionen bekannte Lüneburgerin Cécile Lecomte, sich von der Brücke abzuseilen. "Sie werden sich über die Balustrade herablassen und das Banner, das in der Zeit noch aufgerollt ist, ablassen, sobald sie sich sicher fühlen und alles gesichert ist", kündigte Berghof zuvor an. "Dann werden sie dort für eine halbe Stunde lang hängen und das Banner mit ihren Körpern straff halten. Ansonsten würde das durch den Wind hin- und herschlackern."

Dass die Wahl auf diese Art des Protestes fiel, war kein Zufall. "Es ist eine spektakuläre Art, um auf unser Anliegen aufmerksam zu machen", verdeutlichte Berghof. "Wir machen diese Abseilaktion aber auch, um gegen die Kriminalisierung von solchen Aktionen zu protestieren." In den vergangenen Jahren seien Abseilaktionen auf Autobahnen kriminalisiert worden, bundesweit würden Aktivisten das nun ändern wollen.

"Absolutes Novum, dass auf Autobahn demonstriert wird"

Polizeisprecher Kai Richter sagte: "Es ist ein absolutes Novum, dass auf der Autobahn demonstriert wird. Seit 1994 gibt es ein Versammlungsverbot im Bereich von Bundesautobahnen, das wurde aber im vergangenen Jahr aufgehoben", erklärte er. Bezüglich der Kletteraktion sagte Berghof: "Dieses Jahr wurden schon mehrere Abseilaktionen angemeldet und auch durchgeführt, zum Beispiel in Künzell bei Fulda gegen die A7 oder auch in Frankfurt gegen die dortige Autobahn."

Dass diese Demonstration in Lüneburg so stattfinden konnte, zeige, "wie versammlungsfreundlich die Hansestadt ist", betonte Richter. Möglich war das allerdings nur durch den gemeinsamen Einsatz von rund 20 Polizisten sowie zusätzlich etwa 20 Mitarbeitern der Autobahnmeisterei und der Stadt.

Für Autofahrer hatte der Protest am Sonntag zu "nicht unerheblichen Verkehrsstörungen" geführt. Die Autobahnausfahrt Lüneburg-Nord sowie die Brücke und die Autobahn selbst wurden für etwa drei Stunden gesperrt. Gerade in Richtung Bardowick staute sich der Verkehr auf der eingerichteten Umleitung. "Wenn wir die Strecke wieder freigeben, wird sich das aber schnell auflösen", versicherte Richter.

Von Lilly von Consbruch

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