Montag , 5. Dezember 2022
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Steckdose
Storm ist ohnehin schon teuer - ein Unternehmen fällt seit Jahren aber negativ auf. (Foto: pixabay)

Zahlreiche Beschwerden über primastrom und voxenergie

Wenn der Abschlag in die Höhe schnellt: Ein Energieversorger ist immer wieder ein Fall für die Verbraucherzentrale in Lüneburg.

Lüneburg. Horrende Abschläge, Preiserhöhungen und untergeschobene Verträge – bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen, die in Lüneburg mit einem Büro an der Schröderstraße vertreten ist, häufen sich Beschwerden zur primaholding GmbH mit den Vertriebsmarken primastrom und voxenergie. Täglich melden sich Verbraucher, da sie nicht wissen, wie sie auf Schreiben der Energieversorger reagieren sollen. Manche seien verzweifelt, weil sie plötzlich monatlich 500 Euro zahlen sollen. Die Verbraucherzentrale bietet Betroffenen Informationen und Musterbriefe an.

Musterbrief für Widerspruch im Internet

„Wir können die Anfragen kaum noch bewältigen“, erklärt Tiana Schönbohm, Energie-Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale. Kunden sollen plötzlich deutlich höhere Abschläge zahlen. Andere werden über den Wechsel des Energieversorgers informiert, obwohl sie diesen gar nicht veranlasst haben.

Wer über einen angeblich geschlossenen Energieliefervertrag mit der primastrom GmbH oder voxenergie GmbH informiert wird, sollte einen Nachweis über den Vertragsschluss fordern und vorsorglich widersprechen. Hierfür kann ein kostenloser Musterbrief genutzt werden, zu finden unter www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/primastrom-und-voxenergie im Internet. Seit Ende Juli 2021 müssen Energielieferverträge in Textform geschlossen werden. Ein Vertragsschluss nur am Telefon wäre also nicht wirksam. Außerdem sollte der aktuelle Vertragspartner informiert werden, dass ein Anbieterwechsel nicht veranlasst wurde.

Sonderkündigungsrecht bei Erhöhung der Preise

Und Abschläge während der laufenden Abrechnungsperiode zu erhöhen, sei nur mit Zustimmung der Kunden möglich. „Steigende Energiepreise ändern daran nichts“, erklärt Schönbohm. Auch eine Preiserhöhung wegen gestiegener Beschaffungskosten sei in laufenden Verträgen nicht ohne Weiteres möglich. Betroffene sollten dem widersprechen und Beschwerde bei der Bundesnetzagentur als zuständiger Aufsichtsbehörde einreichen.

Gut zu wissen: Wird eine Erhöhung der Preise angekündigt, besteht immer ein Sonderkündigungsrecht. „Betroffene sollten überlegen, ob sie diese Möglichkeit nutzen und sich einen neuen Vertragspartner suchen“, rät die Rechtsexpertin. Wer kurzfristig keinen neuen Versorger findet, wird automatisch in die Grundversorgung des lokalen Energielieferanten aufgenommen.

Die primaholding GmbH falle seit Jahren negativ auf, insbesondere durch untergeschobene Verträge, unrechtmäßige Preis- und Abschlagserhöhungen sowie unrechtmäßig beendete Verträge. „Es ist an der Zeit, dass sich die Bundesnetzagentur einschaltet“, fordert deshalb Tiana Schönbohm. lz

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