Donnerstag , 1. Dezember 2022
Anzeige
Immer mehr Menschen greifen zu Nahrungsergänzungsmitteln. Die Verbraucherzentralen fordern Überprüfung der Präparate. (Foto: Adobe Stock)

Fehlende Kontrolle von Nahrungsergänzungsmitteln

Eine Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentralen kam zu dem Ergebnis, dass immer mehr Menschen regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen. Das Problem: Diese Präparate werden nicht kontrolliert und bergen so zum Teil gesundheitliche Risiken. 

Lüneburg. Immer mehr Menschen schlucken regelmäßig Vitamine, Mineralstoffe und andere Präparate. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentralen. Das Problem: Nahrungsergänzungsmittel werden von Überwachungsbehörden nicht kontrolliert, bevor sie auf den Markt kommen, bergen aber zum Teil gesundheitliche Risiken.

Mehr als 250 auffällige Produkte haben die Verbraucherzentralen seit 2017 den Behörden gemeldet und größtenteils unter www.Klartext-Nahrungsergaenzung.de veröffentlicht. Anlässlich des fünfjährigen Bestehens des Internetportals wurden hierzulande Erwachsene zu ihrem Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln befragt.

"Erschreckende" Entwicklung

Fast die Hälfte der Befragten hat demnach innerhalb der vergangenen sechs Monate ein oder mehrere Nahrungsergänzungsmittel gekauft. 2016 war es ein gutes Drittel. „Diese Entwicklung ist erschreckend“, findet Anneke von Reeken, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen, die in Lüneburg mit einem Büro an der Schröderstraße vertreten ist.

Sie erklärt: „Viele Verbraucher glauben an die Werbeversprechen. Sie möchten sich etwas Gutes tun. Tatsächlich kosten Pillen und Pulver meist nicht nur viel Geld und sind überflüssig – einige sind sogar gesundheitsgefährdend.“ Darum fordert die Verbraucherzentrale Niedersachsen gemeinsam mit weiteren Verbraucherzentralen von der Politik, den Milliardenmarkt mit Nahrungsergänzungsmitteln dringend zu regulieren und Verbraucher so vor gesundheitlichen Risiken zu schützen.

Ruf nach einer Positivliste

Denn obwohl einige dieser Mittel hoch dosiert ernste Nebenwirkungen haben können, finde eine systematische behördliche Überprüfung der Produkte vor Markteinführung noch immer nicht statt. „Hier muss sich dringend etwas ändern“, mahnt von Reeken an. Laut der Ernährungsexpertin seien verbindliche Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Lebensmitteln erforderlich.

Auch brauche es eine Positivliste, die klarstellt, welche Stoffe in Nahrungsergänzungsmitteln genutzt werden dürfen – zum Beispiel für Stoffe wie „Botanicals“ (Pflanzen-, Algen-, Pilz- und Flechtenextrakte). Zudem müsse das Vorsorgeprinzip konsequent gelten: Unternehmen sollten vor Markteintritt nachweisen müssen, dass ihre Produkte unbedenklich sind. Produkte, die dies nicht leisten, dürften aus ihrer Sicht erst gar nicht auf den Markt kommen.

Über 250 Produkte gemeldet

Seit dem Start des Portals www.Klartext-Nahrungsergaenzung.de vor fünf Jahren haben die Experten aufgrund von Verbraucheranfragen und -beschwerden mehr als 250 Produkte an die Überwachungsbehörden gemeldet. Zudem wurden 20 juristische Verfahren eingeleitet und mehr als 2600 Verbraucheranfragen beantwortet.

Krebserregend oder gefährliche Wechselwirkungen

Besonders häufig warnten die Verbraucherzentralen vor krebserregendem Ethylenoxid in pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln, vor unzulässigen Arzneisubstanzen, Salmonellen und zu hohen Dosierungen einzelner Inhaltsstoffe, zum Beispiel zu viel Curcumin und Piperin in Kurkuma-Produkten. Diese könnten potenziell leberschädigend wirken.

Weitere Beispiele: Die Einnahme von Beta-Carotin könne bei Rauchern die Entstehung von Lungenkrebs begünstigen, Präparate mit Goji-Beeren könnten gefährliche Wechselwirkungen mit Medikamenten wie Blutverdünnern auslösen.

Weitere Infos zur Umfrage, ein Faktenblatt sowie eine Stellungnahme der Verbraucherzentralen und des Verbraucherzentrale Bundesverbands gibt es im Internet. lz

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.