Donnerstag , 1. Dezember 2022
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Immer stilvoll zum Treffen der Oldies: Dieter Haedke hat mit seinem 1935er Opel P4 Ellringen angesteuert. Das Fahrzeug gehört zweifellos zu den Hinguckern. (Foto: t&w)
Immer stilvoll zum Treffen der Oldies: Dieter Haedke hat mit seinem 1935er Opel P4 Ellringen angesteuert. Das Fahrzeug gehört zweifellos zu den Hinguckern. (Foto: t&w)

Mit Fotogalerie: Oldtimer-Treffen in Ellringen

Altes Blech kann faszinieren. Das Oldtimer-Treffen in Ellringen ist stets ein Beweis dafür. Mehr als 1000 alte Schätzchen lockten jetzt mehr als 10.000 Besuche an. Und die bekamen eine Menge nostalgischer Leckerbissen auf vier oder zwei Rädern geboten.

Ellringen. Sophia (11) und Felix (9) lugen hinter den Isettas hervor. Die legendären Kabinenroller aus den frühen 1960er-Jahren sind quietschbunt und witzig anzusehen. Felix kann sich schon für die kleinen Mini-Autos erwärmen. Aber ganz hoch im Kurs steht bei ihm „alles, was groß und laut ist“, verrät Papa Thomas Fetzer. „Wir gehen deshalb nachher auch noch zu den Treckern. Doch Autos interessieren uns am meisten: Die Technik von damals, die historische Entwicklung – da bin vor allem ich ein Fan von“, sagt der Erbstorfer. Er ist schon jahrelang beim Oldtimer-Treffen in Ellringen mit von der Partie. Genau wie sein Nachwuchs, den er einst mit dem Kinderwagen über das Gelände schob. „Ich habe früher bei der Organisation mitgeholfen“, sagt er. „Das ist hier auch immer ein großes Wiedersehen mit Bekannten.“

So ging es wohl vielen bei der 36. Ausgabe des Kult-Meetings mit Teilemarkt am Sonntag auf den riesigen Freiflächen am Wiechelner Weg. Die zweijährige Corona-Zwangspause hatte offensichtlich ein besonderes Bedürfnis erzeugt, nun erst recht zur Groß-Veranstaltung aufzubrechen: Schon in den frühen Morgenstunden war auf den Zufahrten kein Durchkommen mehr. Trecker, Motorräder, Lkws, Autos in allen Variationen – die 120 Helfer hatten alle Hände voll zu tun, den Ansturm zu bändigen. Torsten Schenzel, künftiger Ortsbrandmeister der Feuerwehren der Samtgemeinde Dahlenburg und Sprecher der Veranstalter, räumte ein, dass mehr Oldtimer als erwartet auf das Gelände rollten: „Ich schätze, es sind jetzt schon 1000“, sagte er zur Mittagszeit. Erwartet wurden 800. Dazu kamen noch mehr als 10.000 Besucher im Verlauf des Tages. „Dennoch können wir zufriedener nicht sein“, ergänzte Schenzel, auch wenn die Stellplätze knapp würden. Bei so schönem Wetter und ohne Corona-Beschränkungen sei alles perfekt.

Männerüberschuss auf dem Gelände

Roswitha und Detlef Sehlke aus Boitzenburg kamen auch wieder gern. Motorrad-Liebhaber Detlef fährt selbst eine „Simson AWO Sport“ und nahm sich Zeit, eine „AJS“ zu bestaunen. Das Motorad ist benannt nach dem Hersteller Albert John 29Stevens. „Die ist hergestellt in England, wohl in den 1920er-Jahren“, schätzte Sehlke. Auch seine Ehefrau Roswitha hält viel von solchen „Schätzchen“: „Ich bin früher eine kleine Suzuki gefahren“, sagte sie, während sie von ihrem Mann ein Foto vor der „AJS“ schoss. Sie fühle sich daher ganz und gar nicht „mitgeschleppt“, wie so manche Frauen auf dem Gelände. Ein „Männerüberschuss“ unter den Besuchern war indes nicht wegzudiskutieren.

Dennoch hatten sich die Veranstalter alle Mühe gegeben, das Treffen familiengerecht zu gestalten. Es gab zum Beispiel eine Hüpfburg für die kleinen Besucher und ausgiebiges Catering lokaler Betriebe: Vom Eis über Kuchen und Würstchen bis hin zum Fischbrötchen sowie ein reichliches Angebot an Getränken war alles zu haben.

Als Hochzeitsauto nur für Freunde

Darüber hinaus boten manche Oldtimer-Besitzer ihre eigene Show. Erwin Carstens beispielsweise reiste mit goldener Pickelhaube in einem Ford Model T Speedster aus dem Jahr 1915 an – ein ehemaliges Feuerwehrauto aus dem US-amerikanischen New Jersey. Carstens zeigte den Gästen sogar, wie das Zweikreisbremssystem mit Handgas, Handzündung und drei Pedalen funktioniert. Und wie man das Auto ankurbeln muss, damit es startet: „Immer vorher die Handbremse ziehen, sonst fährt es los, und man wird überfahren“, mahnte der Hamburger Bauunternehmer im Ruhestand.

Dieter Haedke aus Egestorf hingegen präsentierte seinen Opel P4 aus dem Jahr 1935 stilecht mit schwarzem Zylinder auf dem Kopf und im Geh-Rock gekleidet. Eine grüne Fliege passend zur Auto-Farbe hatte er sich zudem um den Hals drapiert. „Machen Sie auch Hochzeitstouren?“, wollte sogleich ein Passant wissen. „Ja“, antwortete Haedke, „aber nur für Freunde und Bekannte.“

Von Kerstin Völling

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