Sonntag , 4. Dezember 2022
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Der Verkehrssektor ist eines der beiden größten Probleme auf dem Weg zur Klimaneutralität des Landkreises. (Foto: phs)

Beim Klimaschutz ist in Lüneburg noch viel Luft nach oben

Der Landkreis Lüneburg will bis 2030 klimaneutral werden. Ein Ziel, das noch in weiter Ferne liegt. Das zeigt die Energiebilanz für die Jahre 2017 bis 2019.

Lüneburg. Private Haushalte und der Straßenverkehr sind die Achillesferse bei dem Bemühen, den Klimaschutz im Landkreis Lüneburg voranzubringen. Beide Sektoren blasen die meisten schädlichen Treibhausgase in die Luft, verbrauchen die meiste Energie. So stellt sich die CO2-Bilanz für die Jahre 2017 bis 2019 im Landkreis dar, die dieser hat erstellen lassen.

Problem motorisierter Individualverkehr

Die Ergebnisse für die Sektoren Privathaushalte, Industrie, Gewerbe, Dienstleistungen, Verkehr und kommunale Einrichtungen stellte Ingenieurin Silke Strüber dem zuständigen Ausschuss für Klimaneutralität 2030 vor. Ihr Fazit: „Es gibt noch viel zu tun – besonders im Bereich Verkehr.“ Immerhin liege der Kreis hierbei über dem Bundesdurchschnitt, was sich auch am Pro-Kopf-Ausstoß von 7,5 Tonnen CO2 (2017) und 8 Tonnen (2019) manifestiere, der ebenfalls über dem Bundesschnitt liege. Grund sei dafür vor allem der Verkehrssektor, besonders groß sei der Anteil des motorisierten Individualverkehrs an diesem mit 66 Prozent.

So seien 2019 insgesamt 1.388 Kilotonnen (1 Kilotonne sind 1000 Tonnen) Kohlendioxid im Landkreis Lüneburg ausgestoßen worden. Der Anteil der privaten Haushalte machte dabei 33 Prozent aus, der des Verkehrs 31 Prozent. „Die Entwicklung zwischen 2017 und 2019 weist einen Rückgang der Emissionen um 6 Prozent aus. Die höchste Einsparung gab es im Industrie- und Gewerbesektor mit insgesamt rund 19 Prozent, die geringste im Verkehrssektor mit einem Prozent.“ Das nächst größte Einsparpotenzial habe mit 14 Prozent bei den kommunalen Gebäuden gelegen.

Rückgang an Emissionen ist bislang zu gering

„Die Reduktion um 6 Prozent in drei Jahren reicht nicht aus. Damit kann der Landkreis 2030 nicht klimaneutral werden“, betonte Silke Strüber. Die Kreistagsabgeordnete Lea Findeis (Bündnis 90/Die Grünen) ergänzte, es müssten jährlich 12 Prozent sein.

Die Gutachterin hatte aber auch eine gute Nachricht im Gepäck: Der Landkreis Lüneburg erzeugt bilanziell mehr grünen Strom, als hier verbraucht wird. „2019 beträgt der Deckungsgrad der Stromerzeugung in EEG-Anlagen ungefähr 117 Prozent“, sagte sie. Den größten Anteil daran mache der Windstrom aus, aber auch Biogas- und Fotovoltaik-Anlagen tragen zur Produktion von Ökostrom bei. „Einen deutlichen Sprung gab es von 2017 auf 2018. Das ist auf den Ausbau der Windkraft zurückzuführen. Das ist erfreulich.“

Wärme vor allem durch Erdgas

Bei der Wärmeerzeugung in privaten Haushalten dominiert der Verbrauch von Erdgas (66 Prozent aller Haushalte) und Heizöl (19 Prozent). „Dieser hohe Anteil ist im ländlichen Bereich nicht untypisch. Daran muss trotzdem dringend gearbeitet werden, weil Gas und Heizöl keine Zukunft mehr haben.“ Potenziale sieht Silke Strüber unter anderem in der Erdwärme und Solarthermie. „Da ist noch sehr viel Luft nach oben.“

Sie räumte aber auch ein, dass Veränderungen insgesamt schwierig seien, es sich um theoretische Berechnungen handele. Maßnahmen aber wirtschaftlich und technisch oft schwer umsetzbar seien. „Theoretisch geht es immer.“ In der Praxis fehlten aber unter andrem Energieberater für die Immobilienbesitzer, zudem Handwerker und Material für Sanierungen und Neubauten. „Das ist alles nicht ganz einfach.“

Von Stefan Bohlmann

Kriterien für die Bilanzierung

„Die Datenlage ist sehr umfangreich“, verdeutlichte Silke Strüber. So greife sie auf den einheitlichen Standard zur Berechnung kommunaler Treibhausgasemissionen zurück, wende diese „Bilanzierungs-Systematik Kommunal“ (BISKO) an. Darin seien unter anderem Kriterien für die Bilanzierung festgelegt, beispielsweise Methodik, Vergleichbarkeit der Bilanzen, Transparenz. „Die Bilanzierung erfolgt im webbasierten Tool, dem Klimaschutz-Planer des Klima-Bündnis.“

Betrachtet und zugeordnet werden alle anfallenden Verbräuche auf Ebene der Endenergie – Energie, die etwa am Hauszähler gemessen wird. Die sogenannte graue Energie, die zum Beispiel in Produkten steckt, und solche, die außerhalb der Kommunengrenzen konsumiert wird, wie Hotelaufenthalt und Flugreisen, wird nicht bilanziert.

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