Sonntag , 4. Dezember 2022
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Oldtimertreff Ellringen
Fast wie in alten Zeiten: Zum Ellringer Oldtimer-Treffen waren 12.000 Besucher gekommen. (Foto: t&w)

Corona ist noch nicht überall vergessen

Die Veranstaltungskalender sind wieder voll, die Pandemie scheint in den Köpfen vieler Bürger nur noch eine Nebenrolle zu spielen. Doch das Gesundheitsamt ist nach wie vor im Krisenmodus. Der Landkreis rät Bürgern, in Innenräumen und bei Veranstaltungen Masken zu tragen.

Lüneburg. Der erste, „echte“ Frühling seit Beginn der Pandemie hat die Maskenpflicht und viele andere Einschränkungen größtenteils beendet. Es liegt Alltag in der Luft, Alltag wie in der Vor-Corona-Zeit – sichtbar auch an den gut gefüllten Veranstaltungskalendern in Stadt und Landkreis Lüneburg.

Osterfeuer geben einen Vorgeschmack

„Vorbote“ waren die Osterfeuer. Wie sehr die Menschen in der Region das Ende der Corona-Beschränkungen herbeisehnten, wurde am Osterwochenende sichtbar. Hunderte Menschen drängten sich, ohne Maske, an jedem Osterfeuer in Stadt- und Landkreis. In Reppenstedt erreichten die Freiwillige Feuerwehr schon vorab zahlreiche Anrufe, ob denn dieses Mal nach zwei Jahren Quarantäne endlich wieder ein Osterfeuer angezündet würde.

Als die Flammen schließlich loderten, standen oder saßen überall kleine Grüppchen von Menschen, die bei Bratwurst und Bier angeregt klönten. 1500 Besucher waren es im Laufe des Ostersonnabends in Reppenstedt. Ähnlich voll war es an den anderen Osterfeuern. Das Comeback der Osterfeuer stimmte die Lüneburger friedlich. Die Polizei musste bei keiner Feier angreifen.

Kaum jemand trägt Maske in Ellringen

Friedlich war es auch in Ellringen am vergangenen Wochenende. Ulrich Schulz vom Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Ellringen als Veranstalter des Oldtimer-Treffens im Ort blickt mit einem guten Gefühl auf die Veranstaltung zurück, die nach zwei Jahren Corona-Pause erstmals wieder stattfand. „Es war nicht wie vor Corona, es war schöner als vor der Pandemie“, sagt er. „Die Leute kamen mit einem Lächeln hierher und sind mit noch größerer Freude nach Hause gefahren.“

Rund 12.000 Zuschauer hätten insgesamt an der zehnstündigen Veranstaltung teilgenommen. „Masken wurden nur vereinzelt getragen“, berichtet er und ergänzt, dass es sich um eine reine Outdoor-Veranstaltung mit ständig wehendem Wind gehandelt habe. „Ich mache mir daher keine großen Sorgen, dass etwas passiert ist und bin überzeugt, dass alles gut gelaufen ist.“ Zumal, so hat er beobachtet, die Menschen sich mit Distanz begegnet seien, nicht eng an eng beieinander gestanden hätten – selbst in den zahlreichen Klön-Runden vor den Verzehrbuden nicht. „Tatsächlich haben die Besucher auf den Abstand geachtet und Körperkontakt vermieden. Es gab kein Gedränge wie früher.“

Sehnsucht nach Freiheit zu spüren

Dass es richtig war, das Ellringer Oldtimer-Treffen genau jetzt wieder aufleben zu lassen, daran hat Schulz keine Zweifel. „Ganz klar war zu sehen, dass sich die Menschen nach Freiheit gesehnt haben und diese bei der Veranstaltung regelrecht genossen haben.“ Man habe gespürt, dass ihnen in den vergangenen Monaten genau dies gefehlt habe. Die Leute hätten sich viel zu erzählen gehabt, in fröhlicher Atmosphäre über die historischen Fahrzeuge gefachsimpelt. „Die Oldtimer-Fans wollten in Ellringen dabei sein, deshalb hatten wir mehr als 1000 Fahrzeuge bei dem Treffen.“ Sein Fazit: „Es fühlt sich gut an.“

Auch wenn die Zahl der Veranstaltungen wieder zunimmt und vieles auf ein normales Leben zuzulaufen scheint, befindet sich das Gesundheitsamt des Landkreises Lüneburg weiterhin im Krisenmodus. Seit dem Ende der Osterfeiertage haben sich in Stadt und Landkreis Lüneburg bis Dienstag mehr als 2800 Menschen laut Statistik neu mit Corona infiziert. Und obwohl sich die tägliche Zahl der gemeldeten Neuinfektionen ohnehin auf relativ hohem Niveau eingependelt hat, geht die Kreisverwaltung sogar von einer noch höheren Dunkelziffer aus.

Gesundheitsamt geht von hoher Dunkelziffer aus

„Wir beobachten die Coronalage weiter kritisch“, sagt auf LZ-Nachfrage Kreissprecherin Katrin Holzmann. Denn: „Mit Sorge stellen wir fest, dass es für Patienten immer schwieriger wird, einen PCR-Test zu erhalten. Daher vermuten wir, dass die Fallzahlen deutlich höher sind als die uns gemeldeten Zahlen. Wir können derzeit nicht einschätzen, wie sich etwa die Aufhebung der Masken- und Testpflicht an den Schulen auswirken wird.“ Angesichts der aktuellen Entwicklung rät das Gesundheitsamt, in bestimmten Situationen weiterhin einen Mundnasenschutz zu tragen. Holzmann sagt: „Unsere Empfehlung: Wer sich selber schützen möchte, sollte freiwillig weiterhin eine Maske tragen, insbesondere in Innenräumen und bei Veranstaltungen mit vielen Menschen.“

Viele Lüneburger halten sich ohnehin daran. Das ist auch in Supermärkten zu beobachten: die große Mehrheit der Kunden trägt Maske.

Von Stefan Bohlmann, Dennis Thomas und Joachim Zießler

Landkreis wartet auf neue Verordnung

Wegen der anhaltend hohen Fallzahlen ist das Gesundheitsamt bereits seit Ende Januar auf die aktive Mithilfe von positiv Getesteten angewiesen. Dazu sagt Kreissprecherin Katrin Holzmann: „Wer mit dem Coronavirus infiziert ist, muss sich selbst bei uns über einen Online-Fragebogen melden und seine Kontakte informieren.“ Trotz dieser Entlastung des Gesundheitsamtes bei der Kontaktnachverfolgung sind rund 35 Mitarbeiter hauptsächlich mit Aufgaben rund um die Corona-Pandemie befasst, heißt es.

Allein zehn Personen betreuen das Bürgertelefon (04131/261000), an das sich täglich rund 200 Menschen wenden. Aber: „Was die Rechtslage angeht, gibt es weiter viele Fragezeichen. So gilt die niedersächsische Absonderungsverordnung nur bis zum 30. April. Noch ist unklar, was ab 1. Mai gilt. Zudem wird Ende der Woche eine neue Corona-Verordnung des Landes erwartet.

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