Dienstag , 6. Dezember 2022
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Laura Stephan gestaltet farbenprächtige Blumen an der Lärmschutzwand zum Ilmenaugarten.
Laura Stephan gestaltet farbenprächtige Blumen an der Lärmschutzwand zum Ilmenaugarten. (Foto: t&w)

Galerie aus der Spraydose im Ilmenaugarten

An einer 118 Meter langen Lärmschutzwand im Ilmenaugarten dürfen sich seit dem Wochenende 17 Graffiti-Künstler austoben. Gesprayt werden Kunstwerke, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem Klimawandel auseinandersetzen.

Lüneburg. 17 Graffiti-Künstlerinnen und -Künstler dürfen sich seit dem Wochenende offiziell an einer 118 Meter langen Lärmschutzwand austoben, die an der Straße von der Friedrich-Ebert-Brücke zum Wohngebiet Ilmenaugarten führt.

Gesprayt werden Kunstwerke, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem Klimawandel auseinandersetzen. Die Idee dafür haben Kristin Jordan vom Lüneburger Klimaentscheid und der Lüneburger Sprayer Claas Hoffmann entwickelt. Unterstützt wird das Projekt von der Stadt Lüneburg.

Das Stadtbild mitgestalten

Jordan sagt: „Der Klimawandel ist mit so vielen negativen Narrativen behaftet. Dem wollen wir mit dem Projekt etwas entgegensetzen und den Lüneburger etwas Hoffnung schenken und Mut machen.“ Denn in jeder Krise stecke auch immer eine Chance. Diese Botschaft verarbeiten die Künstler auf unterschiedliche Weise, teilweise mit Bitterkeit, oder auch mit einer gehörigen Portion Sarkasmus, wenn beispielsweise der Klimawandel in einem Bild für Lüneburg karibisches Strandgefühl verspricht.

Die wohl freundlichste Interpretation liefert die 16-jährige Laura Stephan, die auf mehreren Metern großformatige Blumen und Schmetterlinge auf die Lärmschutzwand bringt. Sie findet es „cool, einen Teil des Stadtbilds mitgestalten zu dürfen“. Zumal große, öffentliche Flächen, die offiziell zum Sprayen freigegeben werden, immer noch relativ rar sind. Sie teilt die Hoffnung mit den Initiatoren, dass die neuen Kunstwerke auf der zuvor beschmierten Wand von längerer Dauer sein werden.

Mitte Mai ist die Galerie fertiggestellt

Konkret mit dem Klimawandel in Lüneburg setzt sich Claas Hoffmann in seinem Werk auseinander: Der Lüneburger Bahnhof ist von grüner Vegetation weitgehend eingedeckt, an der Gestaltung der Seilbahn über Lösegraben und Ilmenau arbeitet Hoffmann noch. Einige Meter weiter zur Brücke hin schaut Sprayer „Jason One“ etwas kritisch auf sein begonnenes Werk: Ein weinendes Mädchen ist zu sehen und eine zerstörte Landschaft. „Es geht um den Lithiumabbau“, erklärt er, „ich entwickele das Bild nach und nach.“

Laut Hoffmann dürfte es noch bis Mitte Mai dauern bis die öffentliche Galerie auf den rund 150 Quadratmetern Lärmschutzwand fertiggestellt ist. Die Materialkosten von rund 1000 Euro teilen sich indes Klimaentscheid und die Stadt Lüneburg. „Wir unterstützen seit längerem moderne Kunst im öffentlichen Raum“, sagte im Vorfeld Uta Hesebeck, Leiterin des Bereichs Straßenbau und Verkehr. „Das tun wir umso lieber, wenn es nicht nur optisch, sondern auch inhaltlich ein Gewinn für die Stadt ist.“

Von Dennis Thomas

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