Sonntag , 4. Dezember 2022
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Modellprojekt
Julia Tiernan, Karsten Halbensleben, Martina Harbsmeier und Carsten Janßen (von links) stellten das Modellprojekt vor. (Foto: t&w)

Soziale Dorfentwicklung in der Samtgemeinde Ostheide

Die „soziale Dorfentwicklung“ versucht, die Lebensqualität in kleinen Gemeinden zu fördern. Ein Modellvorhaben läuft in der Samtgemeinde Ostheide.

Thomasburg. Verfall verhindern, Lebensqualität steigern, Landflucht vermeiden: Seit Jahrzehnten versuchen Bund und Länder, mit staatlich geförderten Programmen die baulichen, verkehrstechnischen und kulturellen Verhältnisse in den Dörfern zu verbessern. Mit durchwachsenem Erfolg. Ein neuer Ansatz soll nun helfen, die Bemühungen erlebbarer zu machen, den Gestaltungswillen der Betroffenen zu unterstützen, kurz: die Menschen konkret miteinzubeziehen. Eine Reihe von Orten in der Samtgemeinde Ostheide sind nun Teil eines Modellvorhabens geworden.

„Soziale Dorfentwicklung“ heißt das Konzept, das die Netzwerke und Beziehungssysteme der Bewohner in den Fokus rückt, deren Potenzial für die Entwicklung der Gemeinschaft vor Ort und damit auch die Chancen für den Fortbestand des Lebensraumes untersucht. „Dabei werden in einer ersten Phase, also noch vor der eigentlichen Dorfentwicklungsplanung, kleinteilige Projekte entwickelt und umgesetzt, die auf die eigenen Fähigkeiten zurückgreifen und damit das Miteinander der Gesellschaft stärken sollen“, erklärt Julia Tiernan vom Planungsbüro Platt in Lüneburg, die das Vorhaben begleitet.

Ein wichtiger Perspektivwechsel

Nachhilfeangebote oder Dorftreffpunkte, Mitfahrerkonzepte oder lokale Grundversorgung: Viele nicht-investive und niederschwellige Bedürfnisse können mit Eigenmitteln befriedigt werden – wenn sie denn analysiert und kommuniziert werden. „Und genau darum geht es“, erklärt die Planerin, „denn wichtig ist ein Perspektivwechsel, ein Umdenken von der immer noch vielfach vorherrschenden Gewährleistung der Förderung für bauliche Maßnahmen hin zu einer Unterstützung sozialräumlicher Entwicklungsprozesse.“

Nach einem Zeitraum von rund zwei Jahren soll auf Basis der bis dahin entstandenen Ergebnisse der Prozess der Dorfentwicklungsplanung mit der Erarbeitung auch investiver Vorhaben und damit Phase II einsetzen. Bis dahin müssen die Menschen in den Dörfern beweisen, ob sie ihre Kräfte aktivieren können. Und daran wird in Bavendorf, Radenbeck, Wennekath, Wiecheln, Gifkendorf, Rohstorf, Volkstorf, Vastorf und Thomasburg, die Teil des Modellvorhabens sind, seit 2019 intensiv gearbeitet. „Corona hat den Prozess stark in die Länge gezogen“, sagt Julia Tiernan, „dennoch wurde vieles schon erreicht.“

Dorfmoderatoren wurden ausgebildet

So konnten zahlreiche Dorfmoderatoren gefunden und ausgebildet werden, die als Ansprechpartner vor Ort die Ideen lenken und die Menschen zusammenbringen. Arbeitsgemeinschaften wurden gebildet, verschiedenste Vorhaben entwickelt. „Letztlich ist aber viel Zeit vergangen, Zeit, in der sich die Gesellschaft wieder ein Stück weiterentwickelt hat“, sagt die Planerin, startet deshalb mit einem weiteren Bürgerdialog: Ab 3. Mai, bis 17. Mai können alle Bewohner der betroffenen Gemeinden an einer Online-Befragung teilnehmen. „Festgestellt werden soll damit, was gut läuft und was nicht, wo Handlungsbedarf ist oder weitere Anregungen bestehen.“

Auch diese Ergebnisse sollen an einem Informationsabend vorgestellt werden, der für Freitag, 20. Mai, vorgesehen ist. „Dabei wollen wir alle bereits erarbeiteten Vorschläge, ergänzt durch die Ergebnisse der Online-Befragung, betrachten und analysieren“, erläutert Julia Tiernan, „zudem können die Bürgerinnen und Bürger Kontakte knüpfen, um ihre Anliegen mit Leben zu füllen.“

Dörferfest am 21. Mai in Bavendorf

Am Sonnabend, 21. Mai, soll dann in der Schützenhalle in Bavendorf ein Dörferfest gefeiert werden, Teil dessen wird auch ein Jugendworkshop sein, der zwischen 10 und 11.45 Uhr im Sportsvereinsheim in Vastorf stattfindet. „Hierfür erhält der Nachwuchs zeitnah eine Einladung.“

Erleben – Erhalten – Erneuern: Unter diesem Motto soll die „soziale Dorfentwicklung“ in der Region Thomasburg-Vastorf weiter mit Leben gefüllt werden, „und dafür wünschen wir uns die Beteiligung möglichste vieler Menschen“, sagt die Planerin. Denn nur durch die Teilhabe aller Generationen, Nationalitäten und Geschlechter könne die Lebensqualität in den ländlichen Räumen gesichert werden.

Von Ute Lühr

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