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An der Hindenburgstraße sollen die 19 südlichen Parkplätze entfallen.
An der Hindenburgstraße sollen die 19 südlichen Parkplätze entfallen. Dafür soll der Radfahrstreifen in der Bastionsstraße an die Reichenbach-Kreuzung durch einen Schutzstreifen oder Radfahrstreifen angeschlossen werden. Innenstadtverbände kritisieren diese Pläne. (Foto: t&w)

Innenstadtwirtschaft kritisiert geplanten Parkplatz-Abbau

Mehrere Wirtschaftsverbände der Lüneburger Innenstadt begehren gegen die Pläne der Verwaltung auf, 125 Parkplätze im Innenstadtbereich zu streichen. Doch der Verwaltungsausschuss hat dem Vorhaben am Donnerstagabend zugestimmt.

Lüneburg. Im Zuge der "Neuaufteilung des Verkehrsraums" möchte die Stadt insgesamt 125 Stellplätze im Stadtgebiet zugunsten von Radfahrern und Fußgängern streichen. Diesen Plänen hat der Mobilitätsausschuss bereits Ende März zugestimmt, nun hat am Donnerstagabend auch der Verwaltungssausschuss der Hansestadt diesen Beschluss gefasst. Gegen die Pläne begehren nun mehrere Lüneburger Wirtschaftsvereinigungen auf: Sie fordern eine nachhaltige Belebung der Innenstadt – unter anderem durch eine gute Erreichbarkeit.

Gute Erreichbarkeit wichtiger Baustein

"Neben neuen Veranstaltungsformaten, Familienfreundlichkeit und einem attraktiven Branchenmix ist eine gute Erreichbarkeit für alle Kunden ein zentraler Baustein", heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung des DEHOGA-Bezirksverbands Lüneburg, des Handelsverbands Harz-Heide e.V., der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW), des Lüneburger Citymanagement e.V. (LCM) und des Vereins der Lüneburger Gastronomen, die die Pläne der Stadt deshalb ablehnen.

Mobilitätsplan soll abgewartet werden

Die Verbände kritisieren vor allem, dass die Stadt "den zweiten Schritt vor dem ersten" gehe, verdeutlicht Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer der IHKLW. Denn das Parkraumbewirtschaftungskonzept der Stadt wird derzeit noch erarbeitet, die Ergebnisse werden für den Sommer 2022 erwartet. "Bevor der eigene Mobilitätsplan Zahlen und Daten als Grundlage liefern kann, sollen bereits Fakten geschaffen werden. Das ist planlos, schadet der Innenstadt und ist daher nicht nachhaltig“, ärgert sich Zeinert.

Eine jüngst gemeinsam durchgeführte Umfrage unter der Lüneburger Innenstadtwirtschaft habe die Bedeutung des Autos als Verkehrsmittel deutlich aufgezeigt: Für 94 Prozent der Betriebe ist die Erreichbarkeit des Standorts demnach wichtig bis sehr wichtig für den Geschäftserfolg, 73 Prozent der Innenstadtkunden kommen laut Umfrage mit dem Auto.

Umfrage ergab: Auto ist wichtigstes Verkehrsmittel

"Das Auto ist damit mit großem Abstand das wichtigste Verkehrsmittel", betonen die Vereine. 74 Prozent des Umsatzes der Lüneburger Innenstadt seien auf Kunden aus dem Umland oder auf Touristen zurückzuführen. Heiko Meyer, erster Vorsitzender des LCM, sagt dazu: „Unsere Innenstadt lebt vor allem vom Umland und von den Touristen. Wenn wir diesen Kunden den Weg in die Innenstadt erschweren, wandern diese in den Online-Handel ab. Allein von den Lüneburgern kann unsere Innenstadt niemals leben." Deshalb müssten die Kunden von außerhalb und deren Mobilitätsverhalten mitgedacht werden.

Negative Auswirkungen durch Wegfall befürchtet

Die Umfrage habe zudem ergeben, dass 80 Prozent der befragten Betriebe negative Auswirkungen durch den geplanten Abbau von innenstadtnahen Parkplätzen befürchten. LCM-Vorstandsmitglied Cornelius Schnabel betont: „Wir brauchen innenstadtnahe Parkplätze und gerade für ältere oder eingeschränkte Personen auch in Zukunft Parkmöglichkeiten im Innenstadtkern." Das Kurzzeitparken bleibe wichtig, auch in der unmittelbaren Innenstadt. "Das Gleiche gilt im Übrigen auch für Ladezonen für den Handel, Hotellerie und Gastronomie.“

Gastronomie kann keine weiteren Einschränkungen gebrauchen

Denn auch die Lüneburger Gastronomie blickt mit Sorge auf die Pläne der Verwaltung. Der Geschäftsführer des DEHOGA-Bezirksverband Lüneburg und des Handelsverbands Harz-Heide e.V., Heinz-Georg Frieling, betont: „Zwei Jahre Corona-Pandemie haben der Innenstadt spürbar zugesetzt. Einzelhandel und Gastronomie leiden bis heute unter Einschränkungen." Die Umsatzzahlen im Handel seien derzeit schlecht, es gebe keine Planungssicherheit, weil die Kunden sich aus Angst vor der nächsten Heiz- und Stromrechnung mit Einkäufen zurückhielten. "Weitere Einschränkungen kann die Innenstadt derzeit nun wirklich nicht gebrauchen."

Wegfall der Parkplätze muss andernorts aufgefangen werden

Für die Wirtschaftsvereinigungen ist deshalb klar: "Wer Parkplätze an zentraler Stelle reduziert, muss anderswo innenstadtnah neue Parkmöglichkeiten schaffen." Als Beispiele für eine Aufstockung nennen sie den Parkplatz am Behördenzentrum, die Sülzwiesen oder die bestehenden Parkhäuser. Außerdem könnten kleine elektrische Shuttles Kunden in kurzen Abständen von den Parkflächen in die Innenstadt bringen oder auf einer Ringbuslinie durch die Innenstadt fahren, schlägt Jörg Laser, Vorsitzender des Vereins der Lüneburger Gastronomen, vor. "Und warum probieren wir solche Ansätze nicht einfach einmal aus, bevor finale Entscheidungen getroffen werden?" lz

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