Sonntag , 4. Dezember 2022
Anzeige
Hakan Özden und Lorenz Tödter
Maurer-Azubis Hakan Özden (links, 21) und Lorenz Tödter (18) am schallreduzierten Sägeblatt zum Steineschneiden. Der Lärm dort ist immer noch hoch: 92,9 Dezibel. (Foto: t&w)

Lärm: Ab wann wird’s für die Ohren kritisch?

Nicht nur der klassische Presslufthammer geht auf die Gesundheit der Ohren, auch ein Tag im Kindergarten oder eine Fahrt im Cabriolet kann schon zu laut sein. Vor allem auf Baustellen wird Lärm über Jahre oft zur reellen Gefahr. Wie viel Dezibel etwa ein Sägeblatt zum Steineschneiden hat, haben Maurer-Azubis mit einem Messgerät überprüft.

Lüneburg. Wer in seinem Alltag oft und lange Lärm ausgesetzt ist, kann davon irreparable Hörschäden davontragen. Dass man sich dagegen frühzeitig schützen muss, haben sich Azubis im Nachgang zum Internationalen Tag gegen Lärm (am 27. April) von Vertretern der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) erzählen lassen. "Im Grunde sollte man auf der Baustelle fast immer den Ohrenschutz tragen", sagt Maurer-Azubi Lorenz Tödter. "Auch beim Hämmern."

Aber für fünf Nägel würde man eben nicht immer losgehen und die Ohrenschützer holen. Den Vertretern der BG Bau geht es aber auch eher um eine generelle Sensibilisierung für das Thema. "Lärm ist ja etwas Subjektives", sagt Messingenieur Sascha Mucha von der BG Bau. Fest steht jedoch: Ab einer Lautstärke von 80 Dezibel müssen Arbeitgeber Ohrenschützer zur Verfügung stellen, ab 85 Dezibel sollten diese auch getragen werden. Richtig kritisch wird es für die Ohren bei einer Lautstärke von 120 Dezibel. "Und wer acht Stunden am Tag bei 85 Dezibel arbeitet, bräuchte danach eigentlich eine Ruhephase", sagt Sascha Mucha.

Lärmschäden kosten BG Bau jährlich rund 18 Millionen Euro

Die Freizeit gestaltet sich bei vielen jedoch nicht immer leise. Radio voll aufgedreht, mit offenem Verdeck durch den Stadtverkehr gefahren... "Oder im Club. Da ist es natürlich auch laut", sagt Maurer-Azubi Hakan Özden. Und Lorenz Tödter ergänzt, er würde als Jäger auch beim Schießen nicht immer darauf achten können, dass die Ohren bedeckt sind. Dabei würde der Schutz gegen Lärm der Baubranche helfen. Denn, so die BG Bau: "2021 war Lärmschwerhörigkeit mit 2882 Fällen die Berufskrankheit mit den meisten Verdachtsanzeigen innerhalb der Bauwirtschaft und den baunahen Dienstleistungen. Rund 18 Millionen Euro jährlich gab die IG Bau in den letzten fünf Jahren für Heilbehandlungen, Rehabilitation und Renten aus."

Leisere Maschinen können helfen

Neben den Ohrenschützern hilft der Baubranche – und der Gesundheit der Mitarbeiter – aber auch die Entwicklung von leiseren Maschinen. Im Technologiezentrum der Handwerkskammer können die angehenden Maurer an einem schallreduzierten Sägeblatt zum Steineschneiden arbeiten. Dort müssen die Ohren zwar immer noch geschützt werden, aber das bearbeitete Metall schafft es, gut zehn Dezibel leiser zu sein – und das ist auch gut für die Umgebung.

Von Laura Treffenfeld 

Grafik Lärm
Grafik: sas

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.