Samstag , 3. Dezember 2022
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Dirk Ahrens, auch bekannt als Queen Mum, und Stefan Mensch von der Gruppe Queer Lüneburg. Der Schoko-Birnen-Kuchen wird neben anderen am 17. Mai, dem internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie, auf dem Marktplatz verteilt. (Foto: lat)
Dirk Ahrens, auch bekannt als Queen Mum, und Stefan Mensch von der Gruppe Queer Lüneburg. Der Schoko-Birnen-Kuchen wird neben anderen am 17. Mai, dem internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie, auf dem Marktplatz verteilt. (Foto: lat)

IDAHOBIT: Lüneburg in Regenbogenfarben

Zum ersten Mal überhaupt wird am Lüneburger Rathaus die Regenbogenflagge gehisst. Es ist ein Zeichen zum internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT). Dirk Ahrens, auch bekannt als Queen Mum, erzählt, warum dieser Tag auch 2022 noch wichtig ist.

Lüneburg. Am 17. Mai ist der internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie – kurz IDAHOBIT. Auch Lüneburg feiert offiziell mit – und hisst zum ersten Mal die Regenbogenflagge. Das hat es zuvor nicht gegeben. "Die Flagge mussten wir erst anschaffen", sagt Karin Fischer, Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt. Mit der Flagge und einem Grußwort von Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch wolle die Stadt auf diese Weise ihre Solidarität bekunden sowie ihren Respekt für Toleranz und Vielfalt ausdrücken.

Auch Dirk Ahrens und Stefan Mensch von der Gruppe Queer Lüneburg, die auch die Wahl zum Schwulen Heidekönig veranstaltet, halten die Präsenz der Stadt für ein wichtiges Zeichen. Denn auch im Jahre 2022 gebe es noch Ablehnung, Ängste und Diskriminierung. "Erst vor ein paar Wochen habe ich so etwas im Alltag erlebt", erzählt Stefan Mensch. "Da war ich am Stint – im Drag-Outfit unterwegs – als mir ein paar Männer an den Haaren zogen und fragten: Bist du eigentlich eine Transe oder ein Mann? Und da denke ich mir, warum muss ich mich dazu erklären? Da sollte man auch im betrunkenen Zustand sensibler sein."

"Da sind immer noch Leute, die Ängste und Vorurteile haben"

Auch Dirk Ahrens hält den Tag für wichtig. "Am besten wäre es natürlich, wenn wir den gar nicht mehr bräuchten, wenn es kein Thema mehr wäre. Aber die Selbstmordrate unter queeren Jugendlichen ist immer noch deutlich höher als bei anderen." Zwar sei Lüneburg im Schnitt ein tolerante Stadt - und auch für Schwule und Lesben habe sich generell viel getan - "aber schaut man auf Transmenschen, stehen die eigentlich noch dort, wo wir vor 20 Jahren gestanden haben", sagt Ahrens. Viele würden nicht akzeptiert werden, hätten Nachteile im Alltag oder bekämen Hasskommentare. Auch Stefan Mensch sagt: "Da sind immer noch Leute, die Ängste und Vorurteile haben. `Die fasst mich sicher an´ oder `Der will etwas Sexuelles von mir´. Manche werden wir wohl nicht mehr erreichen. Die junge Generation wächst immerhin schon anders auf." Und dass unterschiedliche Menschen sichtbar sind, sei besonders bei jungen Menschen wichtig. "Da tut auch der Schlau e.V. viel für die Aufklärung, sagt Dirk Ahrens.

Dass manche Leute durch Bezeichnungen wie IDAHOBIT oder LGBTQ abgeschreckt sein könnten, dass sie die Sprache als zu technisch oder kompliziert empfinden könnten, kann er übrigens nachvollziehen. "Ganz ehrlich, bei all den Begriffen und Sexualitäten komme auch ich nicht mehr ganz hinterher." Aber darum gehe es auch nicht. Sondern darum, Missstände aufzuzeigen und Vielfalt sichtbar zu machen. "Ich möchte einfach mein authentisches Ich leben so wie jeder", sagt Stefan Mensch. Und Dirk Ahrens fügt hinzu: "Aber wer eine Frage hat, kann gerne fragen. Wir stehen ganz in der Nähe der Tourist-Info und locken die Leute mit Kaffee und Kuchen." Der Erlös werde an Menschen aus der queere Szene in der Ukraine gespendet.

Von Laura Treffenfeld

Info

Der internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT) ist seit dem 17. Mai 1990 ein weltweiter Aktionstag. Seitdem hat die WHO Homosexualität von ihrer Liste der psychischen Krankheiten gestrichen. Erst seit 2022 wird Transidentität jedoch nicht mehr als Störungsbild diagnostiziert. Weltweit demonstrieren Menschen gegen Diskriminierung und für Akzeptanz. Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch wird am 17. Mai 2022 um 9 Uhr die Regenbogenfahne am Rathaus hissen und ein Grußwort zur Lüneburger LGBTQI* Community sprechen. Im Anschluss stehen verschiedene Organisationen an Infoständen auf dem Marktplatz, nahe der Tourist-Info, für Gespräche bereit. Aktiv Beteiligte: Checkpoint Queer, Schlau e.V., Queer in Lüneburg, „der schwule Heidekönig“, die evangelische Jugend, die sich für Vielfalt in der Kirche einsetzt, die queere Schüler*innen-AG des Johanneum, das QuARG-Referat des AsTA der Leuphana, die Queer-Beauftragten der Polizei sowie weitere queer-feministische Gruppen.

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