Sonntag , 4. Dezember 2022
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Dr. Henning Beck sowie die Sparkassenvorstände Torsten Schrell (l.) und Janina Rieke.
Dr. Henning Beck sowie die Sparkassenvorstände Torsten Schrell (l.) und Janina Rieke. (Foto: t&w)

Was künstliche Intelligenz alles nicht kann

Nach mehr als einem Jahr ohne größere Veranstaltungen hat die Sparkasse jetzt zum nachträglichen Jahresauftakt rund 300 Gäste begrüßen können. Zu Gast im Castanea-Forum war der Neurowissenschaftler Dr. Henning Beck.  Er referierte über die „Biologie der Geistesblitze“.

Adendorf. Das menschliche Gehirn hat künstlicher Intelligenz (KI) immer noch einiges voraus. Und wenn man dem Neurowissenschaftler Dr. Henning Beck Glauben schenkt, der am Montagabend im Castanea-Forum referierte, wird das in den kommenden Generationen auch so bleiben. Eingeladen zum Impulsvortrag „Biologie des Geistesblitzes – wie wir das Unmögliche denken“ hatte die Sparkasse Lüneburg. Nach mehr als einem Jahr ohne größere Veranstaltungen des Geldinstitutes konnten die Vorstände, Torsten Schrell und Janina Rieke, zum nachträglichen Jahresauftakt rund 300 Gäste begrüßen.

Beck räumte zunächst mit allen gängigen Vorstellungen über das Gehirn auf. „Es speichert nichts ab, um es später wieder hervorzuholen“, erklärte er. Das Gehirn arbeite vielmehr mit der Aufstellung von Konzepten: Begriffe wie „Kuchen“, „Honig“ und „lecker“ würden etwa im Konzept „Süßigkeiten“ erfasst, sodass andere Begriffe wie „Schokolade“ später dazu gebucht werden könnten. „Das nennt man Kreativität“, erläuterte der 39-jährige Bestsellerautor. Das Gehirn müsse man sich wie ein Konzertorchester vorstellen: „Die Musik entsteht, wenn die Musiker ihr Instrumentenspiel synchronisieren.“

80 Milliarden Gehirnzellen

Das sei auch die Art und Weise, wie durch die Gehirnzellen Emotionen und Gedanken entstünden. Beck: „Bei 80 Milliarden Gehirnzellen kann da schon mal etwas durcheinander kommen.“ Daher bediene sich das Gehirn seiner mentalen Geheimwaffe, dem Konzept-Denken.

Ein Computer identifiziere beispielsweise nur Objekte mit vier Beinen und einer Sitzfläche als „Stuhl“. Für einen Menschen hingegen könne alles ein Stuhl sein, was eine Sitzgelegenheit biete. Die KI sei gar nicht imstande, sich derart von vorgegebenen Denkmustern zu lösen. Ein Mensch schon. Nur so entstünden „Geistesblitze“. „Die kreativsten Köpfe sammeln so viele unterschiedliche Perspektiven wie möglich und versuchen, sie zu verstehen. Diese Denkoffenheit haben Maschinen nicht.“ Maschinen könnten somit auch nichts erfinden, fantasievoll sein oder ihre Gedanken austauschen.

„Daten kann man messen, aber keine Ideen und auch kein Wissen“

„Die wichtigsten Bereiche unseres Lebens wie Liebe und Glück haben keine Kennzahlen“, sagte der Wissenschaftler. Deshalb könnten digitale Programme auch in Zukunft nur zur Prozessoptimierung dienen, nicht aber zur Erschaffung von nie Dagewesenem. Beck: „Daten kann man messen, aber keine Ideen und auch kein Wissen.“

Schrell zog bei seiner Begrüßung Parallelen zum Vortragsthema: „Die regionale und nachhaltige Ausrichtung der Sparkasse lässt sich nicht allein mit Automatisierung und Digitalisierung bewältigen“, sagte er. Jenseits von volkswirtschaftlichen Aussagen oder Verbraucherschutz punkte die Sparkasse auch mit Präsenz: „Wir sind das einzige Kreditinstitut mit Sitz im Landkreis Lüneburg. Und wir beraten aus Überzeugung unsere Kunden vor Ort, um mit ihnen gemeinsam Lösungen für ihre individuellen Anliegen zu finden.“

Von Kerstin Völling

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