Sonntag , 4. Dezember 2022
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Neuer Name, neue Gebäude, neue Arbeitskonzepte, mehr Wachstum: „Werum IT Solutions“ heißt jetzt „Körber Pharma Software“. Die Lüneburger Geschäftsführer Jens Woehlbier (v.l.) und Ulf Brodbeck mit Jörn Gossé, Chef von Körber Pharma. (Foto: t&w)
Neuer Name, neue Gebäude, neue Arbeitskonzepte, mehr Wachstum: „Werum IT Solutions“ heißt jetzt „Körber Pharma Software“. Die Lüneburger Geschäftsführer Jens Woehlbier (v.l.) und Ulf Brodbeck mit Jörn Gossé, Chef von Körber Pharma. (Foto: t&w)

Körber Pharma Software: Bekenntnis zum Standort Lüneburg

Weltweit nutzen Pharmafirmen Software, die aus Lüneburg kommt. Körber Pharma Software, die früher Werum hießen, baute in der Pandemie seiner Weltmarktführerschaft nach eigenen Angaben aus. Am Standort Lüneburg wurden nun neue Gebäude eingeweiht und neue Mitarbeiter willkommen geheißen.

Lüneburg. Verteilt eine Firma Namensschilder, wenn sich die Mitarbeiter nach zwei Jahren Pandemie erstmals wieder treffen, muss viel passiert sein. Das kann für den Weltmarktführer an der Wulf-Werum-Straße in Lüneburg-Moorfeld gelten: Zum ersten heißt die Softwareschmiede für Pharmafirmen nicht länger "Werum IT Solutions", sondern "Körber Pharma Software" – der Schritt in den Konzern ist damit vollzogen. Zum zweiten weihte die Firma gestern zwei neue Bürogebäude ein. Der Erfolg hatte für Platzmangel gesorgt. 300 neue Mitarbeiter heuerten bei Körber während der Corona-Krise an, Dutzende davon in Lüneburg. Und zum dritten erprobt "Körber Pharma Software" nun neue Arbeitsformen.

Die Erfolgsgeschichte aus Lüneburg geht weiter

Die Rückkehr auf den Campus der Firma verlief für die Mitarbeiter unter positiven Vorzeichen. Das "Container-Village" aus dreifach gestapelten Containern war schon leer geräumt. 190 der rund 450 Angestellten am Standort Lüneburg konnten neue Arbeitsplätze beziehen. Während die "Cubes 7" und "8" auf dem Firmengelände wuchsen, schrieb die Firma ihre Erfolgsgeschichte fort, wie Jörn Gossé, Chef des Körber-Mutterkonzerns, sagte: "Andere Branchen haben gelitten, wir haben unsere Weltmarktführerschaft noch ausgebaut. Die Investitionen in den Ausbau und das personelle Wachstum unterstreichen unser Bekenntnis zum Standort Lüneburg."

Der Dresscode bei der Feier war leger – wie bei einem Softwareunternehmen zu erwarten –, und dass die Firmenangehörigen ein besonderer Korpsgeist verbindet, zeigte sich an den Sneakern. Viele der Feiernden trugen weiße Sneaker mit drei Streifen, die aber zusätzlich mit dem Körber-Logo versehen waren.

Neues Arbeiten soll Meetings überflüssig machen

Nicht mal eineinhalb Jahre dauerte der Bau der neuen Gebäude. Die Baugenehmigungen wurden schneller erteilt, weil das Unternehmen die Bauanträge für ältere "Cubes" quasi kopierte. Doch baugleich sind die Gebäude nur äußerlich, im Innern beginnt eine neue Zeit. "Hier gibt es nicht mehr überwiegend 2er- und 4er-Büros", erläutert Elske Valentin vom "New-Work-Team", das die Wünsche der Mitarbeiter in Formen goss. "Wir haben mehr Treffpunkte und offene Arbeitsbereiche wie das Work-Café geschaffen." Im Idealfall solle die zunehmene informelle Kommunikation "manches Meeting überflüssig machen". Feste Arbeitsplätze und PCs sind passé. Die Mitarbeiter ordern vorher den Raum, den sie brauchen, docken sich dann mit ihrem Laptop an. Es gibt weniger Arbeitsplätze als Mitarbeiter, sagt der kaufmännische Geschäftsführer Ulf Brodbeck, weil "wir jetzt drei Arbeitsmodelle haben: Manche bleiben komplett im Homeoffice, viele arbeiten hybrid, manche sind fest auf dem Campus."

Impfstoffproduktion mit Hilfe aus Lüneburg

Die "stille Arbeit" hat sich in der Pandemie nach Hause verlagert. "Eine Kollegin sagte mir", so Elske Valentin, "wenn ich auf den Campus komme, will ich reden." Damit das im Großraumbüro, das bei Körber "Open Space" heißt, nicht stört, kann man sich zum lautstarken Austausch von Argumenten in eine schalldichte, gläserne Kabine zurückziehen. Bilder von Partnern oder Kindern sucht man auf den Schreibtischen vergeblich. Es gilt das Prinzip "clean desk", damit der Kollege jederzeit den Platz übernehmen kann.

Sauber fällt die Bilanz der Softwarschmiede für Pharmafirmen in der Pandemie aus, wie Geschäftsführer Jens Woehlbier erläutert: "Anfangs haben die Impfstoffhersteller noch auf Papierbasis organisiert, doch das ist fehleranfälliger und kaum aus der Ferne lenkbar. Inzwischen nutzen die führenden Konzerne unsere Software." Und nicht nur das. Sie verschicken die Impfdosen auch in Verpackungen, die mit Maschinen von Körber hergestellt wurden. "Wir sind ein Teil der Lösung."

Ein Selbstverständnis, das vererbbar ist. Den Reden der Chefs lauschten auch eine Mutter und ihr Sohn, die beide bei Körber arbeiten – ebenso wie der Großvater.

Von Joachim Zießler

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