Sonntag , 4. Dezember 2022
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Landrätin Dagmar Schulz unterhält sich mit dem Hauptdarsteller Ulrich Noethen.
Landrätin Dagmar Schulz unterhält sich mit dem Hauptdarsteller Ulrich Noethen. (Foto: pm)

Wendland-Krimi im ZDF

Das ZDF will seine regionale Kompetenz in Niedersachsen weiter ausbauen und startet eine neue Reihe Wendland-Krimi mit Ulrich Noethen in der Hauptrolle als Hamburger Kriminalhauptkommissar Jakob Stiller.

Hannover. Der Hamburger Kriminalhauptkommissar Jakob Stiller gilt in seinem Landeskriminalamt als Nestbeschmutzer und wird als Revierleiter ins Wendland abgeschoben. Dort bekommt er es gleich an seinem Ankunftstag mit dem mysteriösen Tod eines Bio-Bauern zu tun. Dessen vermeintlicher Suizid stellt sich schnell als Mord heraus. Bei seinen Ermittlungen gerät der Kommissar immer tiefer in dunkle Geheimnisse, die bis in die Zeit der Proteste gegen das Atommülllager Gorleben zurückreichen. Das ist in Kurzform der Plot des neuen ZDF-Krimis „Stiller und die Geister der Vergangenheit“, der am Montagabend im Restaurant des Niedersächsischen Landtags in Anwesenheit von Regisseur Josef Rusnak und Hauptdarsteller Ulrich Noethen mit viel Polit-Prominenz seine Premiere feierte.

Zur besten Sendezeit

Im Oktober soll der Streifen dann zur besten Sendezeit am Samstagabend im Zweiten laufen. Es ist der Auftakt einer ganzen Wendland-Serie mit zwei Folgen pro Jahr. Die Stiller-Ermittlungen ergänzen dann die heimischen Krimireihen Friesland und Ostfriesland. „Das sind dann jährlich sieben mal 90 Minuten Niedersachsen“, rechnete ZDF-Filmredaktionschef Frank Zervos vor. Es sei eine bewusste Entscheidung für eine erkennbare Regionalität mit ihren örtlichen Besonderheiten. „Aus Hamburg, Berlin oder Köln ist schon so viel erzählt.“ Und das war indirekt dann auch die politische Botschaft, die Ministerpräsident Stephan Weil, Landtagspräsidentin Gabriele Andretta (beide SPD) und die Medienpolitiker der vier Landtags-29fraktionen gern hörten.

Das ZDF wolle seine regionale Kompetenz in Niedersachsen weiter ausbauen, nicht nur im Nachrichten-Bereich, sondern auch im Unterhaltungssektor, kündigte die vor zwei Wochen frisch ins Amt gekommene neue ZDF-Programmdirektorin Nadine Wilke an. Dazu zähle auch ein größeres finanzielles Engagement bei der niedersächsisch-bremischen Filmfördergesellschaft Nordmedia. In Niedersachsen, so berichtete Peter Kunz, Leiter des ZDF-Studios Hannover, lägen die Zuschauerquoten für seinen Sender deutlich über dem Schnitt der anderen Bundesländer.

"Land der Vielfalt, nicht des Verbrechens"

Primetime-Unterhaltung mit gesellschaftlichem Anspruch? „Das ist eine richtig kluge Entscheidung des ZDF“, lobte Regierungschef Weil den Start der Wendland-Reihe. „Die Gegend ist der Traum einer Landschaft, die Inkarnation der Abgeschiedenheit“, schwärmte der Ministerpräsident. „Straftaten mag man sich hier nicht so richtig vorstellen. Aber das Böse lauert eben immer und überall.“ Allerdings nur im Film, ergänzte Weil schnell: „Niedersachsen ist das Land der Vielfalt, nicht des Verbrechens.“

Bei seiner Jagd nach dem Mörder (oder auch der Mörderin) bekommt es der knorrig-penible Kommissar Stiller alias Ulrich Noethen natürlich mit den Eigenheiten der Wendländer und ihrer Heimat zu tun. Der Widerstand gegen das Atom-Klo in Gorleben, an den alte Doku-Aufnahmen erinnern, ist längst Protesten gegen Windparks gewichen. Ein wortkarger Schäfer redet nicht mit der Polizei, lässt lieber seine Büchse, die eigentlich der Abwehr von Wölfen dient, sprechen. Eine Landkommune mit Beauty-Salon stellt sich vor, sogar das in den 80-er Jahren gegen Castor-Transporte erfolgreiche Rezept einer Trecker-Blockade lebt wieder auf.

Hitzacker einer der Drehorte

13 Tage wurde direkt im Wendland gedreht, vor allem in Hitzacker. Eine Hauptrolle spielt die ehemalige Dömitzer Eisenbahnbrücke – nicht nur in gewaltigen Bildern, sondern auch als gewichtiger Ereignisort. Das sei anfangs gar nicht eingeplant gewesen, bekannte Regisseur und Drehbuchautor Rusnak, der wechselweise in Berlin und Los Angeles lebt. Aber als er dann vor Ort das rostige Stahlungetüm gesehen habe, sei für ihn sofort klar gewesen, dass dieses zwingend in den Film gehöre. Er erinnere sich gut an die Bilder der Wasserwerfer in Gorleben und die Proteste im Wendland. „Es hat sich vieles geändert“, meinte Rusnak. Aber: „Auch heute gab es noch Leute, die mich hier nicht haben wollten“, berichtete er schmunzelnd über leichtes Misstrauen bei einzelnen Bewohnern gegenüber seiner Filmcrew.

Die neue Lüchow-Dannenberger Landrätin Dagmar Schulz, deren Amtszeit am 1. November begonnen hat, gehörte allerdings nicht dazu. Sie habe von dem Krimi-Dreh in ihrem Landkreis nämlich überhaupt nichts mitbekommen, gestand sie auf der Premierenfeier freimütig ein. „Bis zur Einladung hierher habe ich von dem Projekt gar nichts gewusst.“ Umso angeregter unterhielt Schulz sich auf dem Empfang mit Hauptdarsteller Noethen. Ein Wiedersehen könnte es im Oktober geben. Dann sollen die Dreharbeiten für die zweite Stiller-Folge beginnen.

Die ZDF-Filmredaktion plant derweil schon das nächste Niedersachsen-Projekt. In der Rattenfängerstadt Hameln soll es Anfang 2023 den Startschuss zum Dreh für eine sechsteilige Mystery-Serie geben.

Von Peter Mlodoch

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