Sonntag , 4. Dezember 2022
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Unter dem Motto „Die Zukunft beginnt jetzt“ haben sich innerhalb des Kirchenkreises Lüneburg die einzelnen Gemeinden fest zu sechs Zukunftsgemeinschaften zusammengeschlossen.
Unter dem Motto „Die Zukunft beginnt jetzt“ haben sich innerhalb des Kirchenkreises Lüneburg die einzelnen Gemeinden fest zu sechs Zukunftsgemeinschaften zusammengeschlossen. (Grafik: Kirchenkreis)

Kirchengemeinden: Gemeinsam die Probleme angehen

Die evangelische Kirche in und um Lüneburg hat massiv Mitglieder verloren. Damit brechen auch Einnahmen weg. Nur eines von vielen Problemfeldern, die die Gemeinden nun gemeinsam angehen wollen. Dazu haben sie sogenannte Zukunftsgemeinschaften gegründet.

Amelinghausen/Barnstedt. Die Herausforderungen für die 28 Gemeinden im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Lüneburg sind seit Jahren enorm. Im Hinblick auf anhaltenden Mitgliederschwund, bevorstehenden Fachkräftemangel bei Pastoren und Diakonen sowie zurückgehende Finanzmittel sind neue Konzepte gefragt. Unter dem Motto „Die Zukunft beginnt jetzt“ haben sich daher innerhalb des Kirchenkreises die einzelnen Gemeinden fest zu sechs Zukunftsgemeinschaften zusammengeschlossen. Die Corona-Pandemie mit den seit mehr als zwei Jahren überwiegend eingeschränkten Möglichkeiten, sich in größerer Personenanzahl zu treffen, hatte das bislang verzögert.

„Durch diese engere Zusammenarbeit soll jetzt überall ein neuer Geist entstehen“, sagt Pastor Frank Jürgens von der Hippolitkirche in Amelinghausen. Er ist Mitglied in einer zehnköpfigen Steuerungsgruppe innerhalb der neu gebildeten Zukunftsgemeinschaft Südwest und deren Sprecher. Zu der gehören neben der Hippolitkirche noch die Kirchengemeinde St. Peter-Paul Betzendorf, die Kreuzkirchengemeinde Bockelsberg in Lüneburg, die Martinus-Kirchengemeinde Deutsch Evern und die St.-Katharinen-Kirchengemeinde Embsen.

Zahl der Mitglieder ist rapide gesunken

Die Einrichtung von Zukunftsgemeinschaften wird im Kirchenkreis Lüneburg seit Mitte 2019 diskutiert – vor allem auch vor dem Hintergrund von immer mehr Austritten. So ist im Kirchenkreis Lüneburg seit Januar 2017 bis Anfang 2022 die Mitgliederzahl um knapp 8000 von 80.552 auf 72.740 gesunken. „Wir verlieren mehr Mitglieder durch Tod oder Austritt als durch Taufe oder Wiedereintritt zu unserer Gemeinde hinzukommen“, sagt Frank Jürgens. Hinzu komme auch, dass die Zahl der Hauptamtlichen wie Pastoren, Diakone oder Kirchenmusiker, die in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen, deutlich über der Zahl derer liege, die in diesen Berufsgruppen eine Ausbildung anstrebe. Beides führe dazu, dass die Arbeit in der Gemeinde erschwert werden könnte.

Gemeinschaftlich sollen als Vision für den Kirchenkreis 2035 Konzepte entwickelt werden, um den vorhandenen Schwierigkeiten gemeinsam besser begegnen zu können und „sich die eigene Arbeit nicht mehr durch den Mangel diktieren zu lassen“, sagt Frank Jürgens. Er betont: „Diese begonnene Strukturveränderung bedeutet ausdrücklich nicht, dass die Selbstständigkeit von Gemeinden und ihren Kirchenvorständen abgeschafft werden soll.“ Es gehe vor allem darum, diese Zusammenarbeit als gemeinschaftliche Chance zu sehen, ein neues Wir-Gefühl zu schaffen und so die Kirche wieder attraktiver zu machen.

Auftakt mit Gottesdienst in Barnstedt

Dazu gehören gegenseitige Einladungen zu Veranstaltungen und Gottesdiensten genauso wie eine gemeinsame Urlaubs- und Vertretungsplanung auf der Ebene der Hauptamtlichen. „Vorgesehen ist auch, ab und zu im Gottesdienst mit einem Kollegen die Kanzel zu tauschen“, sagt Jürgens. Ferner stehen zur Diskussion eine gemeinsame Personal- und Gebäudebedarfsplanung oder eine verbindende Konfirmanden- und Gemeindearbeit, etwa im Bereich bei Kindern und Jugendlichen.

Zum Himmelfahrtstag veranstalten die fünf Gemeinden der Zukunftsgemeinschaft Südwest einen ersten gemeinschaftlichen Festgottesdienst im Park an der Gutskapelle in Barnstedt. „Wir wollen den neuen Zusammenschluss der Öffentlichkeit vorstellen“, sagt Frank Jürgens. Beginn ist um 10 Uhr. Die Predigt hält Pastor Bernd Skowron von der Kreuzkirche. Für die musikalische Gestaltung sorgt der Posaunenchor Embsen-Betzendorf. Im Anschluss gibt es Kaffee und Kuchen, und mit einem Glas Sekt oder Saft soll auf die neue Gemeinschaft angestoßen werden.

Weitere Informationen zu dem Prozess Kirchenkreis 2035 gibt es bei www.gemeinsam2035.de und auf den entsprechenden Internetseiten der beteiligten Gemeinden.

Von Marcel Baukloh

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