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Ronny Kabus war von 1991 bis 2004 Direktor des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg. (Foto: Stadt Lüneburg)
Ronny Kabus war von 1991 bis 2004 Direktor des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg. (Foto: Stadt Lüneburg)

Trauer um Ronny Kabus: Einer, der Haltung zeigte

13 Jahre lang, von 1991 bis 2004, leitete er das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg. In dieser Zeit verdiente sich Ronny Kabus eine Menge Anerkennung, weil er das Haus moderner aufstellte – die Besucherzahlen stiegen. Am Ende stand ein Abgang, der in den Medien weit über die Grenzen Lüneburgs für Aufsehen sorgte. Zum Tode des Historikers wirft die LZ einen Blick zurück.

Lüneburg. Die Verbindung von Ronny Kabus und Lüneburg begann 1991. In dem Jahr wurde der 1947 in Görlitz geborene, promovierte Historiker und Museumswissenschaftler zum Direktor des Ostpreußischen Landesmuseums berufen. Kabus stand für Aufbruch, für ein neues, wissenschaftlich begründetes Selbstverständnis des Museums und für eine Professionalisierung des bis dahin von landsmannschaftlichen Interessen gesteuerten Hauses.

Kurz vor der Wende hatte der Wissenschaftler 1989 die DDR verlassen. Nachdem er 1976 die Ausweisung von Wolf Biermann kritisiert hatte und zugleich die DDR-Kulturpolitik, war er bis 1989 von der Stasi überwacht worden. Über Stationen am heutigen Lutherhaus Wittenberg (bis 1988), am Germanischen Nationalmuseum Nürnberg und dem Kreismuseum Helmstedt kam Kabus nach Lüneburg.

Politischer Hintergrund schadet dem Museum im Ausland

Neben kuratorischen und publizistischen Tätigkeiten engagierte sich Kabus für eine Neukonzeption des Hauses sowie den Austausch mit Museen und andere kulturellen Einrichtungen unter anderem in Polen, Litauen und Russland. Er hatte Erfolg durch wachsende Besucherzahlen, scheiterte aber beim Versuch, das zu hundert Prozent öffentlich geförderte Museum aus der landsmannschaftlich dominierten Trägerschaft zu lösen. Kabus betonte gegenüber der Enquete-Kommission des Bundestages "Kultur in Deutschland" auch, dass der rechte politische Hintergrund der Landsmannschaft dem Ansehen des Museums im Ausland schade.

Fristlose Kündigung wegen "Illoyalität"

Kabus wurde daraufhin 2004 von der Ostpreußischen Kulturstiftung fristlos gekündigt, wegen „Illoyalität“. Stiftungsvorsitzender war der politische Rechtsaußen Wilhelm von Gottberg, zugleich Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen. Gottberg, damals CDU, saß von 2017 bis 2021 für die AfD im Bundestag, engagiert sich auch heute in einem Förderverein des Landesmuseums. Der Fall Kabus und die inhaltlich sowie politische umstrittene Trägerschaft des Museums fanden 2004/2005 in den deutschsprachigen Medien große Aufmerksamkeit.

Kabus arbeitete nach einem 2005 geschlossenen Vergleich mit seinem Arbeitgeber als freier Publizist, lebte weiter in Deutsch Evern. Jetzt ist Ronny Kabus im Alter von 75 Jahren gestorben. Sein Verdienst für Lüneburg bleibt, wesentlich dazu beigetragen zu haben, dass sich für das Ostpreußische Landesmuseum ein Weg zu einem zeitgemäßen, sich von politischer Radikalität befreienden Haus öffnete. oc

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