Freitag , 2. Dezember 2022
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An der IGS Emsben diskutierten Jörn Schlumbohm (CDU), Michèl Pauly, Detlev Schulz-Hendel (Grüne), Amin Mirabi (Lehrer an der IGS), Anna-Lena Narewski (FDP) und Thorben Peters (Die Linke) über Waffenlieferungen an die Ukraine. (Foto: t&w)
An der IGS Emsben diskutierten Jörn Schlumbohm (CDU), Michèl Pauly, Detlev Schulz-Hendel (Grüne), Amin Mirabi (Lehrer an der IGS), Anna-Lena Narewski (FDP) und Thorben Peters (Die Linke) über Waffenlieferungen an die Ukraine. (Foto: t&w)

Können Waffen Frieden stiften?

An der IGS Embsen diskutierten Thorben Peters (Die Linke), Anna-Lena Narewski (FDP), Detlev Schulz-Hendel (Grüne), Jörn Schlumbohm (CDU) und Michèl Pauly (parteilos) auf dem Podium über Waffenlieferungen an die Ukraine. Die Frage, ob Waffen Frieden stiften können, stand dabei im Zentrum der Debatte.

Embsen. Es hätte ein Kreuzverhör für Thorben Peters (Die Linke) werden können, schließlich vertrat er als einziger auf dem Podium in der IGS Embsen die Meinung, dass Deutschland keine Waffen an die Ukraine liefern sollte. Doch Peters, Anna-Lena Narewski (FDP), Detlev Schulz-Hendel (Grüne), Jörn Schlumbohm (CDU) und Michèl Pauly (parteilos) führten keine konfrontative Diskussion, sondern tauschten sachlich ihre Argumente aus – auf der Suche nach dem besten Weg, um ihr gemeinsames Ziel zu erreichen: Frieden in Europa. Die fünf Kommunalpolitiker waren der Einladung des Politiklehrers Amin Mirabi gefolgt, Vertreter der AfD und der SPD nahmen nicht teil.

Gibt es Alternativen zur Waffenlieferung?

Können Waffen Frieden stiften? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion, die Mirabi für den 11. und 12. Jahrgang der IGS organisiert hatte. „Es fällt mir nicht leicht, das zu sagen, aber ich bin für Waffenlieferungen, weil ich glaube, dass das Frieden stiften kann“, äußerte Detlev Schulz-Hendel. „Wenn man sagt ‚Waffenlieferungen gehen gar nicht‘, sich aber gleichzeitig wünscht, dass die Ukraine diesen Krieg irgendwann abwehren kann, ergibt das keinen Sinn: Wie sollen die sich denn wehren?“

Das wollte auch ein Schüler wissen, der die Politiker fragte: „Was bleibt uns anderes übrig, als Waffen zu liefern?“ Schulz-Hendel hat bisher „keine gute Alternative“ gefunden und richtete sein Wort deshalb direkt an Peters: „Auch die Linke sagt, ‚irgendwie müssen wir eine Friedenslösung finden‘. Aber was meint Ihr mit ‚irgendwie‘?“

Sind Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine möglich?

Dieser machte seinen Standpunkt deutlich: „Ich kenne keine andere Antwort, als dass wir zu Verhandlungen kommen müssen.“ Die Waffenlieferungen würden nur zu einem jahrelangen Krieg führen, den sich niemand leisten könne. Peters wünscht sich, „dass wir eine Verhandlungsbasis finden, auf die sich beide Seiten einlassen können“, dass Deutschland „diplomatisch auffalle“, nicht aber den Krieg mit Waffen unterstütze. Auch ein Schüler befürchtete, dass Waffenlieferungen künftigen diplomatischen Gesprächen im Weg stehen könnten.

Dass Deutschland und vor allem die Ukraine mit Russland überhaupt verhandeln können, bezweifelte jedoch Jörn Schlumbohm. „Das Regime in Moskau ist ein verbrecherisches Regime, mit dem man nicht auf Augenhöhe verhandeln kann.“ Die Vorstellung, dass Putin diesen Krieg gewinnen könne, sei ein „Horrorszenario“, Schlumbohm hofft, „dass wir das verhindern können“ – unter anderem durch Aufrüstung der Ukraine.

Ähnlich deutlich äußerte sich Anna-Lena Narewski: „Feuer kann man nicht mit Feuer bekämpfen, das wissen wir alle. Aber wir brauchen diese Waffen, um die Menschen zu schützen. Deshalb sage ich Ja zu Waffen, Ja zur Aufrüstung.“

Wie konnte es zu dem Krieg kommen?

Michèl Pauly, der kurz nach Beginn des Krieges aus der Partei Die Linke wegen ihrer „kriegsrelativierenden Haltung“ ausgetreten war, betonte: „Die Ukraine kann diesen Krieg nicht beenden, da sie ihn nicht begonnen hat.“ Sein ehemaliger Partei-Kollege Peters sagte, dass der Krieg „nicht zu rechtfertigen“ sei, „aber wir müssen uns die Frage stellen, wie es dazu kommen konnte“. Seiner Ansicht nach sei die Ukraine zum Zeitpunkt des ersten Angriffs nicht neutral gewesen, da es Beitrittsverhandlungen zur Nato gegeben habe. Genau deshalb sei das Land angegriffen worden, argumentierte Peters.

Pauly schlug in eine andere Kerbe und bekam dabei Unterstützung von den anderen Politikern auf dem Podium: „Die Ukraine war neutral, sie wurde angegriffen, weil sie kein Mitglied der Nato war, weil sie keine ausreichende Verteidigung, keine Atomwaffen mehr hatte.“ Waffen würden aus Paulys Sicht zwar niemals Frieden stiften, allerdings könne Aufrüstung zu Abschreckung führen.

Von Lilly von Consbruch

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