Sonntag , 4. Dezember 2022
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Finn (l.) und Stephan Jörß schlagen Birken. (Foto: phs)
Finn (l.) und Stephan Jörß schlagen Birken. (Foto: phs)

Eine Birke vor jeder Türe

Sofern niemand in Not ist, sind die Barendorfer Feuerwehrleute am Pfingstwochenende mit Kettensägen und Traktor im Einsatz. Es ist dort ein gern gepflegter Brauch, dass jedes Haus einen frischen Birkenzweig vor die Tür gestellt bekommt.

Barendorf. Einsatz der besonderen Art für die Barendorfer Feuerwehr, nicht mit Martinshorn und Blaulicht, sondern mit betagten Treckern, Motorsägen und viel guter Laune: Die Kameraden machten sich am späten Freitagnachmittag auf zum Pfingstbaumschlagen. Ein alter Brauch, der auch in Barendorf gepflegt wird – und nur aufgrund von Corona in den vergangenen beiden Jahren abgesagt werden musste.

Jedes Haus soll einen frischen Birkenzweig vor die Tür gestellt bekommen. Das besagt die Tradition und das ist auch der Anspruch von Jugendwart Stephan Jörß, seinem Stellvertreter Sven Balley und dem stellvertretenden Ortsbrandmeister Lars Köhler, die die Truppe anführten. Unterstützt wurden die Männer von Mitgliedern aus der Einsatzabteilung und aus der Jugend- und Kinderfeuerwehr. Immerhin galt es, mehr als 700 Birken zu schlagen und sauber auf den Anhängern der sieben Traktoren zu platzieren, damit sie am Sonnabend verteilt werden können.

Woher der Brauch ursprünglich rührt, eine junge Birke am Tag vor Pfingstsonntag vor die Häuser zu stellen, diese Frage können auch die Barendorfer Feuerwehr-Kameraden nicht abschließend klären. In manchen Regionen sollen die Bäumchen nur vor die Haustür unverheirateter junger Frauen gestellt werden – doch diesen Hintergrund können die Barendorfer für sich ausschließen. Denn so viele unverheiratete junge Frauen, wie die Blauröcke verteilen, gibt es garantiert nicht in Barendorf.

Gern gesehen ist aber eine kleine Spende für die Kinder- und die Jugendwehr, wenn die Blauröcke klingeln, um das Bäumchen zu überreichen. „Und die meisten freuen sich auch und geben gerne“, berichten Köhler und Jörß übereinstimmend. Es gebe sogar Barendorfer, die ihren Pfingstbaum vorbestellen. „Andere wiederum lehnen die ‚Baumspende‘ dankend ab, geben aber trotzdem eine Spende für die Nachwuchs-Brandbekämpfer“, berichtet Balley, der sich über jeden Cent freut, der den Mädchen und Jungen in der Kinder- und Jugendfeuerwehr zugute kommt. Denn in der ersten Ferienwoche findet das lang ersehnte Kreiszeltlager der Jugendfeuerwehren statt – dieses Mal in Embsen. „Dafür wollen wir das Spendengeld nutzen“, sagt Ballay.

Und noch einen Effekt hat die kleine Pfingstbaumtour durch den Ort: So mancher junge Helfer war von der Aktion so begeistert, dass er sich spontan bei der Feuerwehr anmeldete. Einer von ihnen ist Tom (14). Da versteht es sich von selbst, dass er jetzt beim Pfingstbaumschlagen kräftig mithilft.

Von Klaus Reschke

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