Sonntag , 4. Dezember 2022
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Andreas Grölz und Jeannette Hanert haben die BI Windkraft mit Vernunft ins Leben gerufen. Jetztregen sie einen Runden Tisch mit dem Energieversorger an.

Laufen die alten Windkraftanlagen in Dahlem nun doch länger?

Die Bürgerinitiative "Windkraft mit Vernunft" setzt sich gegen 250 Meter hohe Windkraftanlagen in der Gemeinde Dahlem und damit direkt vor ihrer Haustür zur Wehr. Nun wollen der Vorstand der BI und der örtliche Energieversorger am runden Tisch miteinander ins Gespräch kommen.

Dahlem. Alle reden von der Energiewende. In Zeiten des Klimawandels und vor allem auch mit Blick auf den Ukraine-Krieg erstaunt das wenig. Denn spätestens jetzt wird deutlich, wie abhängig Deutschland von Putins Öl und Gas ist. Wer will angesichts dieser Herausforderungen da noch ernsthaft den schnellen Ausbau mit modernsten Windkraftanlagen in Frage in stellen? Jeannette Hanert und Andreas Grölz jedenfalls nicht – auch wenn ihnen das mitunter von so manchem Kritiker vorgehalten wird.

Die beiden gehören zum Vorstand der Bürgerinitiative (BI) "Windkraft – mit Vernunft", die sich zwar nicht generell gegen Windkraftanlagen, wohl aber gegen 250 Meter hohe Stahlkolosse in der Gemeinde Dahlem und damit direkt vor ihrer Haustür zur Wehr setzt. "In Zeiten wie diesen mit unseren Argumenten gehört zu werden, fällt schwer", stellen die beiden fest.

Gespräch mit Dahlenburg-Bleckede AG

Trotzdem habe die BI bereits ein wichtiges Ziel bereits erreicht: "Wir stehen im Gespräch mit dem Energieversorger Dahlenburg-Bleckede AG", berichtet Grölz. Demnächst sei zudem ein "Runder Tisch" geplant, gemeinsam mit Vertretern der BI, der Gemeinde und dem Energieversorger. Hanert sagt: "Miteinander zu reden ist allemal besser, als sich zu bekriegen."

27 Anlagen, alle jeweils 140 Meter hoch, drehen sich in der Samtgemeinde Dahlenburg, liefern zusammen 50 Megawatt Strom. "Damit gehört die Samtgemeinde zu den Vorreitern in Niedersachsen bei der Gewinnung von Windstrom an Land", skizziert Hanert.

Mit vorhandenen Anlagen arrangiert

Mit den vorhandenen Anlagen hatten sich die Anwohner in den vergangenen 20 Jahren arrangiert, "auch, weil sie so dazu beigetragen haben, in einer der ersten Gemeinden mit 100 Prozent regenerativer Energieversorgung zu leben", erklärt die BI in einem ihrer Faltblätter.

Aufgeschreckt wurden die Bürger in Köstorf und Dahlem erst durch die Pläne des Bremer Unternehmen wpd, das auf der Fläche zwischen Barskamp, Köstorf und Harmstorf fünf ältere 140 Meter hohe Windräder durch sechs rund 250 Meter hohe Anlagen austauschen will – in der Fachsprache „Repowering“ genannt. Der Energieertrag pro Anlage liegt bei 13,5 Millionen kW/h im Jahr. Die alten Anlagen sollen einschließlich der Fundamente abgebaut und verkauft werden, zum Beispiel nach Osteuropa oder nach Kasachstan, wo sie an einem anderen Standort weiter betrieben werden sollen.

Unternehmen will "repowern"

An diesem Vorhaben hält der Energieversorger im Grundsatz nach wie vor fest: "Unser Plan ist, die Vorrangfläche in Köstorf zu 'repowern'", sagt Mathias Möller von der Energieversorgung Dahlenburg-Bleckede AG: "Das Vorhaben steht!" Dennoch zeigt sich das Unternehmen gesprächsbereit, die vorhandenen Anlagen nicht zu demontieren, stattdessen die betagten Windräder noch einige Jahre länger Strom produzieren zu lassen.

"Wir haben dazu ein Betriebsgutachten in Auftrag gegeben", erläutert Möller. Überprüft werden unter anderem die Technik und vor allem auch die Stand- und Betriebssicherheit der Anlagen. Zum abschließenden Ergebnis der Untersuchungen kann Möller noch nichts sagen, aber eine erste Einschätzung geben: "Es sieht ganz gut aus."

Exorbitant gestiegene Strompreise

Warum plötzlich wieder das Interesse an einem Weiterbetrieb der alten Anlagen groß ist, erklärt Möller mit den exorbitant gestiegenen Strompreisen. Da werden auch ältere Anlagen für die Betreiber wieder interessant.

Doch Andreas Grölz und Jeannette Hanert denken schon weiter, denn: "Es gibt bislang noch kein Gesamtkonzept für die erneuerbare Energien", kritisieren beide. Den Anfang habe Samtgemeindebürgermeisterin Uta Kraacke mit dem Flächenkonzept für Fotovoltaikanlagen zwar gemacht, doch dieser erste Vorstoß reicht Grölz und Hanert bei weitem nicht.

Sie fordern ein Gesamtkonzept über die Gemeindegrenzen hinaus, das Aufschluss gibt über Fotovoltaik-, Windkraft- und auch Biogasanlagen. Nur dann wisse man, welche Kommune bei den Erneuerbaren bereits seine Hausaufgaben gemacht habe und wo vielleicht noch nachgesteuert werden müsse. Denn: "Grünen Strom will jeder", weiß Hanert und setzt nach: "Wer das ermöglicht, muss einen Ausgleich für die Nachteile erhalten, die vor Ort entstehen!"

Von Klaus Reschke

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