Montag , 5. Dezember 2022
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Tim Olrik Stöneberg war in Catweazle ein Ritter und hat im Tatort mal einen V-Mann gespielt. Bei den Rosen ist er Hauptkommissar Bernd Schmidt.
Tim Olrik Stöneberg war in Catweazle ein Ritter und hat im Tatort mal einen V-Mann gespielt. Bei den Rosen ist er Hauptkommissar Bernd Schmidt. (Foto: be)

Tim Olrik Stöneberg: “Ich war nie ein Romeo”

Mit dem Start der 20. Staffel von Rote Rosen ist auch Hauptkommissar Bernd Schmidt täglich in der ARD zu sehen. Gespielt wird er von Tim Olrik Stöneberg, der jüngst im Kino an der Seite von Otto Waalkes in Catweazle einen Ritter verkörperte. Der Polizist sei eine absolute Traumrolle für ihn, allerdings eine, die noch von einer anderen Figur getoppt werden könnte.

Lüneburg. "Tim würde alles ganz anders machen." Das sagt Tim. Über Bernd. Dabei mag der Tim den Bernd. Sehr sogar. Die Zuschauer der Roten Rosen haben Bernd gerade kennengelernt. Er ist einer der Neuen in der gerade begonnenen 20. Staffel. Ein bodenständiger Polizist. Gespielt wird er von Tim Olrik Stöneberg, der seine Rollenfigur wirklich schätzt – obwohl sie doch so anders ist als er selbst.

Stöneberg, gebürtiger Kölner und erfahrener Schauspieler, sagt über Bernd, den Hauptkommissar aus Lüneburg: "Er ist eine ehrliche Haut, sagt, was er denkt, ist sehr harmoniebedürftig. Für ihn gibt es nichts Schöneres, als dieses klassische Familienbild: Mutter, Vater, Kind und alles, was dazugehört. Aber er ist auch schon einmal gescheitert, hat eine Scheidung hinter sich, das hängt ihm nach. Dass er sich in die Beziehung seines Sohnes einmischt, mag auf manche Zuschauer nicht so sympathisch wirken. Aber will halt seine Liebsten schützen und schießt dabei leider sehr oft übers Ziel hinaus."

Es harmoniert mit Theresa Hübchen

Seit einigen Wochen dreht der 49-Jährige in den Rosen-Studios im Industriegebiet Hafen. Er lobt die Atmosphäre am Set und die Kollegen, allen voran seine Liebste, zumindest in der Serie. Theresa Hübchen, die als Sandra Reichard zugleich Kollegin und Lebensgefährtin ist, habe er beim Casting kennengelernt, "und es hat von Anfang an richtig gut funktioniert zwischen uns beiden", findet der Neu-Lüneburger, der auch schon Zeit gefunden hat, sich in der Hansestadt ein wenig umzusehen. "Die Altstadt, die Kirchen, die gesamte Architektur" gefallen ihm ausgesprochen gut, Museumsbesuche und eine Stadtführung sollen demnächst folgen, hat er sich vorgenommen. Doch schon jetzt urteilt er: "Ich bin sehr angetan und könnte hier ohne Probleme länger leben."

Die Lüneburger habe er bislang auch als sehr freundlich erlebt. Das lässt sich hingegen nicht für alle Fans unterschreiben, die dieser Tage gewohnt meinungsfreudig über die Neuzugänge der Serie in sozialen Netzwerken urteilen. Stöneberg verfolgt das durchaus: "Ich ziehe mir das voll rein und habe dabei schon schallend gelacht. Es ist eine große Mischung, teilweise sehr unterhaltsam." Dass da neben vielen freundlichen Kommentaren auch deutlich weniger nette sind, registriert er, es treffe ihn aber nicht: "Die Fans kommentieren ja die Rolle, und da dürfen sie kommentieren, wie sie lustig sind. Ich mag es nur nicht, wenn man persönlich wird. Aber selbst das muss man als Schauspieler wegstecken. Denn wer sich in die Öffentlichkeit begibt, der wird eben auch beurteilt." Grundsätzlich seien ihm aber natürlich freundliche Kommentare lieber.

Auch im Tatort und bei Helen Dorn schon mitgespielt

Lüneburg ist für ihn eine Premiere, eine Serienhauptrolle hatte er allerdings schon einmal – bei RTL stand er für "Freundinnen – Jetzt erst recht" längere Zeit vor der Kamera. Weitere Rollen hatte er zudem unter anderem bei "Heldt", im "Tatort" und bei "Helen Dorn". Zuletzt drehte er Catweazle mit Otto Waalkes. "Auch keine riesen Rolle. Ich war oft zu sehen, aber unter 50 Rittern fällt man ja nicht so auf. Allerdings war ich der wichtigste Ritter mit acht Sätzen", erzählt der leidenschaftliche Motorradfahrer ("eher der gemütliche Typ mit der Frau hinten drauf – ich spreche da gern von ,Schnellwandern'").

Noch viel häufiger als vor Kamera stand er auf Bühnen, vor den Rosen zuletzt in Luxemburg, Fürth und Trier. Bühne oder Kamera – er will da aber nicht wählen müssen. "Beides ist bei mir Leidenschaft mit reichlich Herzblut. Wenn ich drehe, vermisse ich oft das Theater, und wenn ich Theater spiele, vermisse ich das Drehen." Seine Lieblingsrolle am Theater? "Immer die nächste", sagt Stöneberg. "Ich habe schon viel spielen dürfen, an die 200 Theaterrollen. Ich war nie ein Romeo, aber ich habe zum Beispiel den Mephisto gegeben und den Moor in den Räubern." Polizisten habe er im Theater ebenfalls schon häufiger gespielt, im Fernsehen dagegen bis dato noch nicht. "Eine Traumrolle", sei das.

Erlebnisführungen für Lüneburg als Idee

Allerdings eine, die "nur" auf Platz 2 seiner absoluten Favoriten rangierte, wie er verrät. Ganz oben steht der Boxer. "Ich habe selbst mal geboxt. Nicht so, dass ich damit angeben könnte, aber ich mag diese Erfolgsgeschichte vom Underground-Boxer, der sich von ganz unten nach ganz nach oben kämpft."

Zwischen Kommissar und Boxer bleibt aber noch Raum für weitere Ideen. Der Darsteller, der in seiner Heimatstadt Trier regelmäßig Schauspielerlebnisführungen macht, könnte sich etwas Ähnliches auch für Lüneburg vorstellen. "Hier gibt es ja auch viele tolle Geschichten, wie die des Bauherrn, der sich vom Turm der Johanniskirche stürzt." Nur ein Gedankenspiel. Zumindest so lange, wie der bodenständige Bernd seinen beruflichen Alltag bestimmt.

Von Alexander Hempelmann

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