Samstag , 3. Dezember 2022
Anzeige
Hanna Biehler, Antonia Goth, Sarah Bode und Emily Uelpenich (v.l.n.r.) stemmen gemeinsam das Spendenprojekt "Gym Oedeme hilft".
Hanna Biehler, Antonia Goth, Sarah Bode und Emily Uelpenich (v.l.n.r.) stemmen gemeinsam das Spendenprojekt "Gym Oedeme hilft". (Foto: t&w)

Gymnasium Oedeme sammelt Spenden für Geflüchtete

In zwei Containern haben Schüler und Lehrkräfte des Gymnasiums Oedeme eine Art Second-Hand-Shop eingerichtet – mit dem kleinen Unterschied, dass dort niemand für die Ware bezahlen muss. Das Projekt "Gym Oedeme hilft" richtet sich an ukrainische Geflüchtete, die Spenden kommen hauptsächlich aus der Schulgemeinschaft.

Lüneburg. Es ist fast wie in einem Second-Hand-Geschäft, wenn man den hinteren der beiden Container auf dem Schulhof des Gymnasiums Oedeme betritt: Auf einer Kleiderstange hängen Jacken und Blusen, Hosen, Oberteile und Pullover sind nach Größen sortiert in Regalen und auf Tischen gestapelt, es gibt sogar eine kleine Umkleidekabine in der Ecke. "Die Menschen sollen sich hier wohlfühlen", sagt Emily Uelpenich (19). Die Zwölftklässlerin kümmert sich seit Anfang März mit rund 25 anderen Schülern und den beiden Lehrerinnen Sarah Bode sowie Hannah Biehler um die Aktion "Gym Oedeme hilft". Sie sammeln Spenden, sortieren diese in den Containern, geben sie an ukrainische Familien heraus und beliefern andere Hilfsorganisationen mit allem, was sie vor Ort entbehren können.

Geflüchtete sollen auswählen und anprobieren können

Wichtig sei dabei, dass die Spenden nicht zu abgenutzt sein sollen. "Wäsche sammeln wir getrennt, außerdem bügeln wir die Sachen vorher", erklärt Biehler. "Die Menschen sollen das Gefühl haben, in einem Laden zu sein", fügt Emily Uelpenich hinzu. So gebe es auch die Möglichkeit, verschiedene Dinge anzuprobieren, und "man darf auch 'Nein' sagen, wenn einem etwas nicht gefällt". Die Kommunikation funktioniere "mit dem Google Translator ganz gut, und wenn man mal kein Netz hat, kann man sich auch mit Händen und Füßen verständigen", beschreibt die Schülerin Antonia Goth (16).

Die Idee zu der Hilfsaktion hatte Sarah Bode, die als Politiklehrerin die Ängste und Sorgen ihrer Schüler zu Beginn des Krieges in der Ukraine hautnah mitbekam. "Ich wollte all das in positive Energie kanalisieren", erzählt sie. "Wir wollten etwas für die Familien, die nach Lüneburg kommen, tun." Sie holte sich einige Schüler und ihre Kollegin Hannah Biehler mit ins Boot und startete nach kurzer Planung einen Spendenaufruf bei Eltern, Kollegen und Schülern.

Spenden können täglich abgegeben werden

Schnell füllten sich die beiden Container, in denen nun Geflüchtete jeden Mittwoch von 13.15 bis 13.45 Uhr sowie von 15.15 bis etwa 16.15 Uhr Anziehsachen, Spielsachen, Hygieneprodukte, Nahrungsmittel, Bücher oder Sportsachen abholen können. Außerdem bekomme jedes Kind aus der Ukraine, das am Gymnasium Oedeme beschult werden soll, "einen voll ausgestatteten Schulrucksack", erklärt Bode. Spenden können montags bis freitags in der ersten großen Pause, also von 9.30 bis 9.45 Uhr, abgegeben werden, außerdem am Donnerstag vor Schulbeginn.

Damit die Spenden auch den tatsächlichen Bedarf decken, aktualisieren die Organisatoren regelmäßig eine Liste auf der Homepage der Schule. Außerdem dürfen die ukrainischen Familien Wünsche notieren, was sie zusätzlich benötigen. "Aktuell brauchen wir zum Beispiel Sommersachen, auch über Turnschuhe oder Sneaker freuen wir uns sehr", erklärt Biehler. Ebenso seien Anziehsachen für Männer, Babynahrung oder Hygieneartikel derzeit Mangelware.

Spenden werden auch an andere Organisationen weitergegeben

Wenn die Lager in Oedeme zu voll werden, oder die Lehrerinnen von anderen Organisationen einen Bedarf vernehmen, teilen sie die Spenden auf. "Das, was wir hier zu viel haben, spenden wir weiter, zum Beispiel an Hanseatic Help in Hamburg", erläutert Bode. Alle zwei bis drei Wochen bepacken die Lehrerinnen jeweils ein Auto und geben einen Teil der Spenden an andere Organisationen oder Flüchtlingsunterkünfte ab.

Biehler und Bode wollen die Spendensammelstelle auch künftig – "unabhängig vom Weltgeschehen"– weiterführen. Deshalb haben sie "Gym Oedeme hilft" als AG angemeldet: Denn sie sind sich sicher, dass es noch viele andere Menschen in Lüneburg gibt, die sich darüber freuen, einkaufen gehen zu können, ohne bezahlen zu müssen.

Mehr Informationen gibt es hier.

Von Lilly von Consbruch

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.