Mittwoch , 30. November 2022
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Archäologin Gesa Wilhelm-Kazman von der Firma Melisch Archäologie KG und Stadtarchäologe Tobias Schoo an der Fundstelle. (Foto: Stadt Lüneburg)

Ausgrabungen in der Altstadt: Senkungen schon im Mittelalter

Archäologische Ausgrabungen in der Altstadt belegen, dass es in Lüneburg schon im Mittelalter massive Senkungen gab. Stadtarchäologe Tobias Schoo spricht von "hochspannenden" Erkenntnissen.

Lüneburg. Bereits im Mittelalter kam es in Lüneburgs Altstadt zu massiven Senkungen. Diese Annahme konnte jetzt anhand einer archäologischen Untersuchung an der Neuen Sülze einmal mehr belegt werden, heißt es aus dem Rathaus. Stadtarchäologe Tobias Schoo, der die Untersuchungen im Vorfeld einer Baumaßnahme gemeinsam mit der Firma Melisch Archäologie KG betreut hat, spricht von "hochspannenden" Erkenntnissen: "Das Grundstück befindet sich direkt an der Abbruchkante des Senkungsgebiets und hat sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder um viele Meter abgesenkt."

Gelände wurde wohl immer wieder aufgeschüttet

Belege für diesen Schluss sind laut Schoo die mächtigen Aufschüttungen, die die Archäologen dort gefunden haben. "Bei diesen Aufschüttungen stammt der unterste Teil sehr wahrscheinlich aus dem späten Mittelalter. Es ist daher davon auszugehen, dass im Laufe der Jahrhunderte das Gelände immer weiter aufgeschüttet wurde und sich die Bewohner der Parzelle quasi ,hochgesiedelt' haben", erklärt der Fachmann.

Innerhalb der mittelalterlichen Aufschüttungen haben die Archäologen mehrere, vermutlich neuzeitliche Drainage-Gräben entdeckt, die mit reinem Ziegelschutt angefüllt waren. "Das ist eine clevere Methode, um das Wasser von der vorderen Bebauung der Parzelle nach hinten in den Garten zu leiten", verdeutlicht Schoo. Auch heute noch sprudelt das Grundwasser aus diesen Drainage-Gräben hervor.

Bei Ausgrabungen Backsteinkloake entdeckt

"Belohnt" worden seien die Archäologen am Ende ihrer Grabungen dann noch durch den Fund einer Backsteinkloake, von deren Existenz vorher nichts bekannt war. "Da wir aus der Baugrube der Kloake kein Fundmaterial bergen konnten, ist eine Datierung der Kloake schwierig", sagt Schoo. Es gebe in Lüneburg allerdings vereinzelt Hinweise, dass solche Anlagen bereits im 14. Jahrhundert gebaut worden sind. Verfüllt und damit aufgegeben worden sei die hygienische Anlage vermutlich im 17. oder 18. Jahrhundert.

Durch den räumlichen Bezug zur Saline und zum Rathaus war die Straße Neue Sülze ein von der städtischen Oberschicht bevorzugt bewohnter Standort. Die großen Parzellen dort haben ausgedehnte Gartenanlagen. Es sei davon auszugehen, dass in vielen der Gärten ehemals Kloaken vorhanden waren. Bis heute sind in Lüneburg rund 70 Kloaken untersucht worden. lz

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