Montag , 5. Dezember 2022
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Die Kosten für Lebensmittel, Sprit und Strom steigen. Wie wirkt sich das auf den Alltag aus? Die LZ hat nachgefragt. (Foto: Adobe Stock)

Wie macht sich die Inflation in Ihrem Alltag bemerkbar?

Preise für Lebensmittel, Strom und Sprit steigen in den vergangenen Wochen stark an, die Inflation liegt bei fast 8 Prozent. LZ-Leserredaktion "Mitgeschnackt" geben Einblicke, wie sich die Situation auf ihren Alltag auswirkt.

Julischka Wessels, 35:

"Das Thema beschäftigt uns alle. Für uns deutlich spürbar beim Wocheneinkauf für eine vierköpfige Familie, die gerade zur Hälfte nur von Elterngeld lebt, und natürlich bei den Spritpreisen. Als ich das erste Mal nach Preissteigerung volltankte, wurde mir ganz anders, als der Zähler die Hundert Euro knackte. Insgesamt kommen wir aber trotzdem gut durch.

Und natürlich ist es auch Thema unter Familie und Freunden. Da kam uns z.B. schon zu Ohren, dass Dinge, auf die lange gespart wurde, auf Eis gelegt werden mussten, weil die Stromrückzahlungsforderung so immens hoch war. Traurig vor allem dann, wenn davon Rentner betroffen sind, die beim Entlastungspaket der Bundesregierung nicht berücksichtigt werden."

Dirk Koke, 55:

Dirk Koke

"Die steigenden Preise für Lebensmittel, Kraftstoff und Energie treiben mir und meinen Freunden Sorgenfalten auf die Stirn. Dass die Preise aller Bereiche zur selben Zeit so stark ansteigen, hatte keiner vermutet. Auswirkungen hat das jetzt schon bei uns: Was kann ich mir noch in welchem Umfang leisten? Wo kann ich noch mehr Strom sparen? Bestehen doch Möglichkeiten, den ÖPNV für den Weg zur Arbeit zu nutzen?

Wir sprechen auch über die, die ein geringes Einkommen haben. Und immer taucht die Frage auf: Wie sollen die das schaffen? Einkaufen nur noch nach Sonderangeboten, mit möglicherweise fragwürdiger Herkunft/Erzeugung des Produkts, Transport und Handelsspanne? Es wird schwierig, wenn ich mich gesund und ausgewogen ernähren möchte, zudem regional einkaufen will. Dann ist, weil Geld endlich ist, die Einkaufstasche nur noch halb so schwer."

Amélie Wolf, 17:

"Die Lebensmittelpreiserhöhungen machen sich auch unter den Schülern bemerkbar. Da das Schulessen recht teuer ist, sind immer viele zu Penny oder dem Bäcker gegangen, um sich dort etwas zum Mittagessen zu holen. Bei vier Mal die Woche acht Stunden, also vier Mittagessen, macht sich das bemerkbar.

Da wir zur Schule gehen, verdienen wir wenig oder gar nichts, und auch wenn es das Geld der Eltern ist, ist es trotzdem sehr kostspielig."

Christian Scherrer, 44:

"Die hohen Spritkosten sind lästig, wir fahren aber nicht so viel, als dass das ein großes Problem ist. Wir gehen mit Lebensmitteln etwas achtsamer um. Insgesamt erwarte ich aufgrund der Inflation eine angespanntere Haushaltslage. Rücklagen werden schwieriger zu bilden sein. Das werden wir im nächsten Jahr merken. Reagieren möchte ich mit Sparsamkeit und mehr Unabhängigkeit, vielleicht Photovoltaik. Ich hoffe, dass auch politische Entscheidungen zu mehr Unabhängigkeit und Sparsamkeit führen. Nicht sinnvoll ist der Tankrabatt, eine reine FDP-Klientelpolitik."

Fabian Meyer, 26:

"Im Privaten merke ich die Preissteigerungen in jedem Bereich. Egal ob beim Einkaufen, an der Tankstelle oder für Strom, Wasser und Gas. Das alles hat dazu geführt, dass ich jetzt viel länger über einzelne Kaufentscheidungen nachdenke und mich in den meisten Fällen auf das Nötigste beschränke.

Beruflich merke ich die Auswirkungen einerseits an steigenden Einkaufspreisen für unsere Waren. Andererseits nimmt die Anzahl der Kunden über die letzten Wochen spürbar ab, und auch die Innenstadt ist leerer als sonst. Viele Kunden denken jetzt, wie auch ich privat, zweimal über einen Kauf nach und entscheiden sich auch hier eher für das Nötigste. Viele möchten lieber so viel wie möglich sparen, so geht es auch mir. Da wird dann auch schon mal ein Urlaub abgesagt, da das Geld potenziell an anderer Stelle fehlen wird."

Karla Bauszus, 23:

"Da meine Freund*innen, meine Familie und ich sehr privilegiert leben, haben die steigenden Kosten einen eher geringen Einfluss auf unser alltägliches Leben. Nichtsdestotrotz spüren wir die Preiserhöhungen sowie die fehlenden Produkte im Supermarkt. Bei Mietpreiserhöhungen hoffen wir, dass diese nicht noch weiter steigen. Positiv sehen wir vor allem die Entwicklung hin zum 9-Euro Ticket.

Mit meinen Freund*innen spreche ich oft darüber, wie es weniger privilegierten Personen geht, die noch stärker von steigenden Kosten betroffen sind. Bedingungsloses Grundeinkommen oder solidarische Landwirtschaft, Orte wie das Mosaique oder die Zwiebel, deren Wirtschaftsweisen sich auf Tausch, Spende und Solidarität beziehen und lokales Wirtschaften erlauben, sind auch Thema. Wir nehmen auch an verschiedenen Kundgebungen teil. Denn es sollen nicht nur unsere Probleme in Deutschland bekämpft werden, sondern es müssen die Ursachen angegangen werden."

Janina Lux, 46:

"Bei uns und im direkten Umfeld ist die Inflation ein großes Thema. Obwohl wir versuchen, bewusster und reduzierter einzukaufen, haben wir trotzdem beim wöchentlichen Einkauf mehr auf dem Kassenbon. Wir renovieren zudem grad ein Haus. Die Preise für Baustoffe und Handwerk steigen kontinuierlich, einige Dinge sind schwer zu beschaffen. Wir überlegen, was wir von den Plänen realisieren.

Es ist ja eher unwahrscheinlich, dass die Gehälter inflationsbereinigt werden, daher stellen wir uns auch grundsätzlich die Frage, was man eigentlich noch konsumieren und besitzen möchte und kann. Unseren Sommerurlaub haben wir aus verschiedenen Gründen storniert, und ich bin vor dem Hintergrund der Inflation auch erleichtert, dass wir das gemacht haben."

 

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