Samstag , 3. Dezember 2022
Anzeige
Ob Franz Wiechmann aus Tespe wollte oder nicht: Er musste sich beim Plattdeutsch-Openair Details aus Malwines Ehe mit ihrem Hans-Günter anhören - zur Freude der anderen Besucher. (Foto: t&w)
Ob Franz Wiechmann aus Tespe wollte oder nicht: Er musste sich beim Plattdeutsch-Openair Details aus Malwines Ehe mit ihrem Hans-Günter anhören - zur Freude der anderen Besucher. (Foto: t&w)

Plattdeutsch für die Ohren und das Zwerchfell

Das Publikum war glücklich und dankbar, bei plattdeutscher Musik und Comedy Spaß zu haben – für viele war das Brietlinger Plattdeutsch-Open-Air die erste größere Veranstaltung für die ältere Generation seit Pandemiebeginn.

Brietlingen. Reisen ist schon eine vertrackte Sache – vor allem, wenn der Ehegatte für die Buchung einer Last-Minute-Reise darauf beharrt, diese mit einem Globus von Ostfriesland zu planen. Hans-Günter heißt der gute Mann mit dieser hirnrissigen Idee. Malwine ist seine Frau – und die breitete das Eheleben mit ihrem Hans-Günter am Sonntag genüsslich vor einem großen Publikum aus. Rund 300 Frauen und Männer hatten beim Brietlinger Plattdeutsch-Open-Air jede Menge Spaß an den Anekdoten, die Dörte Spangehl alias Malwine mitgebracht hatte – selbstverständlich auf Platt.

Krude Lebensweisheiten

Das Programm war bunt, das die beiden Veranstalter Bernhard Most, Inhaber des Restaurants Grüne Stute in Brietlingen, und Plattdeutsch-Entertainer und Musiker Bubi Twesten aus Lüdershausen am Ende für das Publikum zusammengestellt hatten. Neben Malwine forderten die Komiker Manni Mennerich aus Handorf mit kruden Lebensweisheiten sowie Jürgen Müller aus Gödens­torf als Bauer Adsche das Zwerchfell der Besucher, die viel zu lachen hatten.

Musik gab es überdies: Bubi und seine Plattsingers Ines und Sarah, der Bleckeder Shantychor, die Marching Colours aus Bardowick und der Gemischte Chor aus Brietlingen sorgten neben den launischen auch für melodische Töne.

Erster Konzertbesuch seit zwei Jahren

„Eine tolle Sache, das Programm trifft genau unseren Geschmack“, schwärmten Inge und Kurt Schukat, die mit dem Fahrrad aus Neetze zur Turnierwiese hinter dem Brietlinger Schützenhaus geradelt kamen. Sie seien glücklich, dass nach so langer Entbehrung wegen der Corona-Pandemie endlich mal wieder eine Veranstaltung für die ältere Generation über die Bühne ging. „Unser erstes Konzert seit zwei Jahren. Wir waren in der Zeit vorsichtig und vernünftig, haben uns zurückgehalten“, erzählten die beiden Neetzer.

Diese Zurückhaltung haben die Künstler in den vergangenen beiden Jahren gespürt. „Die Absagen der Veranstaltungen gingen an den Rand der Existenz“, meinte Malwine. „Schön, dass es langsam wieder losgeht“, sagte Alleinunterhalter Jürgen Müller. Wäre er nicht im Hauptberuf selbstständiger Fliesenleger, hätte er sich als Künstler während der Pandemie wirtschaftlich nicht über Wasser halten können. „Dann wäre ich jetzt pleite“, räumte der plattdeutsche Komiker ein.

Landfrauen backen Toren und Kuchen

Zum Glück laufe das Geschäft wieder an, waren sich er und Dörte Spangehl einig – und sie wurden vermisst. „Ich freue mich, dass wir uns gesund wiedersehen und aufs Neue wie früher viel gemeinsam lachen können“, rief Hildegard Schwenck aus Scharnebeck Malwine zu.

Dass der Nachmittag für alle eine tolle Sache wurde, daran hatten auch der Landfrauenverein Brietlingen/Lüdershausen seinen Anteil. Die 15 Frauen mit ihrer Vorsitzenden Inge Lütgens hatten sich mächtig ins Zeug geworfen und versorgten die hungrigen Besucher mit insgesamt 30 selbst gebackenen Kuchen und Torten. „Man merkt den Leuten die Freude an, dass sie wieder zusammensitzen dürfen, dass sie klönen können. Umso schöner, dass wir dazu einen Beitrag mit Kaffe und Kuchen leisten können“, meinte Inge Lütgens.

Letzte Auflage der Veranstaltung

Bernhard Most sorgte dann aber doch noch für ein wenig Wehmut: Das diesjährige Plattdeutsch-Open-Air, das einst als Blasmusik-Festival begonnen hatte, war mit seiner 10. Auflage die letzte. „Wir wollen den Menschen zum Abschluss eine Runde Fröhlichkeit spendieren. Doch auch Bubi und ich werden älter – und die Organisation eines solchen Programms ist uns mittlerweile zu groß geworden“, erklärte Bernhard Most. Was wolle man mehr, ergänzte sein Kompagnon Bubi Twesten: „Die Leute lachen und singen kräftig mit.“

Von Stefan Bohlmann

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.