Dienstag , 29. November 2022
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Die Reste der ehemaligen Möllering-Villa. Die Politik ebnete jetzt den Weg für die Schaffung eines Gedenkortes.
Die Reste der ehemaligen Möllering-Villa. Die Politik ebnete jetzt den Weg für die Schaffung eines Gedenkortes. (Foto: t&w)

“Möllering-Villa” wird Gedenk- und Lernort

Erinnerungskultur ist in unseren Nachbarstaaten zumeist deutlich weniger umstritten als hierzulande. Wie wichtig war die "Möllering-Villa" am Ende des Zweiten Weltkriegs? Wurde dort Geschichte geschrieben? Fragen, über die in Lüneburg lange gestritten wurde. Jetzt sollen sie in einer Ausstellung am Ort des Geschehens beantwortet werden.

Lüneburg. Wichtige Schlusskapitel des Zweiten Weltkrieges wurden nahe Lüneburg geschrieben. Der Kulturausschuss des Lüneburger Rates hat nun dem Plan der Verwaltung zugestimmt, am Ort der ehemaligen "Möllering-Villa" einen Gedenk- und Lernort zu schaffen, der Lüneburgs Rolle in den letzten Kriegstagen beleuchtet. Danach soll die Museumsstiftung ein Konzept für eine Ausstellung im Eingangsbereich des geplanten Neubaus erstellen und die museale Außenstelle auch betreiben. Die Stadt wird demnach gut 68 Quadratmeter für die Ausstellung anmieten, Kostenpunkt: 14.000 Euro jährlich.

Eine Gegenstimme, eine Enthaltung

Zu üppig, fand Wolfgang Goralczyk (CDU), der auch bemängelte, dass die Stadt mit einer Patronatserklärung der Museumsstiftung zusicherte, einzuspringen, falls diese unvorhergesehene Kosten nicht stemmen könnte. Er stimmte gegen den Antrag, neben einer Enthaltung wurde er aber mit sechs Ja-Stimmen angenommen.

Britisches Hauptquartier am Kriegsende

Damit findet ein Jahre währendes Ringen um den historischen Stellenwert der und den Umgang mit der "Möllering-Villa" ein vorläufiges Ende. Aus seinem Hauptquartier in der Villa an der Stadtgrenze zwischen Häcklingen und Rettmer fuhr Feldmarschall Montgomery am 4. Mai 1945 zum nahen Timeloberg, um die Teilkapitulation der deutschen Truppen im Nordwesten Europas entgegen zu nehmen. Zugleich wurde hier auch unnötiges Blutvergießen verhindert, indem die kampflose Übergabe Hamburgs besiegelt wurde. Während Historiker sich für den Erhalt der Villa einsetzten, verfiel diese. So sehr, dass der Großteil des Gebäudeensembles inzwischen abgerissen werden musste.

Gedenktafeln auch außen?

An das Kriegsende kann demnach nicht mehr im Originalgebäude erinnert werden, aber am geschichtsträchtigen Ort. Der solle, so die bisherige Planung, nicht permanent öffentlich zugänglich sein, sondern auf Anfrage geöffnet werden. "Bauchschmerzen" äußerte Alexander Schwake (CDU) bei einem solchen Konzept, schlug stattdessen Gedenktafeln auf dem Außengelände vor, an denen sich auch Passanten informieren könnten. "Sonst gäbe es doch nur drei Mal im Jahr Führungen." Hiltrud Lotze (SPD) war nicht so pessimistisch, verwies auf das steigende Interesse auch bei Veranstaltungen auf dem Timeloberg. "Ich werbe mit Nachdruck darum, den Beschluss so umzusetzen." Sebastian Balmaceda (Grüne) zeigte sich überzeugt, dass viele Schulklassen den neuen Gedenkort aufsuchen würden. Am Ende bekam Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch das von ihr gewünschte "kräftige Signal der Stadt an die Museumsstiftung". Verwaltung und Museum können nun aushandeln, wie künftig am historischen Ort Erinnerung rekonstruiert werden kann.

Jüdischen Friedhof dem Vergessen entreißen

Sanierung der Trauerhalle

Es geht voran in Sachen Sanierung der Trauerhalle des Jüdischen Friedhofes. Die Verwaltung teilte im Kulturausschuss mit, dass es inzwischen einen Vor-Ort-Termin mit dem Landesverband Jüdischer Gemeinden Am Neuen Felde gegeben hat. Danach übernimmt die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit im Auftrag des Landesverbandes die Projektleitung für die Sanierung der Trauerhalle. Architekten schätzen die Kosten auf 195.000 Euro. Fördermittel aus dem Denkmalschutz sollen eingeworben werden. Ein Baukostenzuschuss von 25.000 Euro der Stadt soll 2022 für Sicherungsmaßnahmen verwendet werden.

Von Joachim Zießler

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