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Ein 25-Jähriger kaufte zwischen Ende April und Mitte August 2021 für insgesamt 1569,32 Euro bei Famila in Winsen ein. Doch keines der in der App hinterlegten Konten war gedeckt.(Symbolfoto). (Foto: Adobe Stock)

Winsen: Betrug beim Einkaufen im Namen der Familie

Zwischen Ende April und Mitte August 2021 kaufte ein 25-Jähriger für insgesamt 1569,32 Euro bei Famila in Winsen ein. Für die Bezahlung wählte er eine App, in der aber keines der hinterlegten Konten gedeckt war. Der junge Mann hatte die ungedeckten Konten auf seine Mutter, seinen Vater und seine Lebensgefährtin laufen lassen – ohne deren Wissen. Nun wurde der Fall vor Gericht verhandelt. 

Winsen. Der 25-Jährige ging fleißig einkaufen. Für die Bezahlung wählte er eine App. 29 Mal zeigte er sie bei Famila in Winsen vor, kaufte zwischen Ende April und Mitte August 2021 für insgesamt 1569,32 Euro ein. Doch keines der in der App hinterlegten Konten war gedeckt. Deshalb war der Mann nun wegen gewerbsmäßigen Computerbetrugs und Urkundenfälschung angeklagt. Die Famila-Geschichte entpuppte sich als Familiengeschichte, denn der junge Mann hatte die ungedeckten Konten auf seine Mutter, seinen Vater und seine Lebensgefährtin laufen lassen – ohne deren Wissen.

Probleme im Umgang mit Geld

Der Betrug flog schließlich scheibchenweise auf. Erst beschwerte sich die Mutter erbost beim Zahlungsdienstleister der App, dass sie diese Einkäufe nie getätigt habe. Später bekam dann der Vater Besuch von der Polizei. Seine Lebensgefährtin hatte der 25-Jährige immerhin irgendwann vorgewarnt. Der Angeklagte war 2019 und 2020 vom Amtsgericht Lüneburg und im August 2021 vom Amtsgericht Uelzen wegen einfachen und gewerbsmäßigen Betrugs verurteilt worden, die Bewährung läuft.

Dass er im Umgang mit Geld große Probleme habe, räumte der Angeklagte im Prozess ein. Er trage 30.000 Euro Schulden mit sich, schon mit 18, 19 habe er seinen ersten Kredit aufgenommen. Nach einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann folgten einige Jobwechsel, aber die Kosten liefen weiter aus dem Ruder. Mit dem Nepp mit der Famila App hatte er den einfachen Lebensmittelunterhalt für seine Lebensgefährtin und sich bestreiten wollen. Das Geld an seine Eltern, die seit 14 Jahren geschieden sind, habe er irgendwann zurückzahlen wollen.

Post ging ungeöffnet in die graue Kiste

Alles, was an amtlichen Briefen, Rechnungen oder Mahnungen im Briefkasten lag, sei direkt und ungeöffnet in eine graue Kiste gegangen. Irgendwann standen zwei Polizisten in Zivil vor der
Tür und warnten ihn vor, dass er verhaftet werden würde, wenn er jetzt nicht zahle. Er zahlte nicht, wurde daher in die Justizvollzugsanstalt nach Uelzen gebracht, um eine Ersatzfreiheitsstrafe anzutreten.

Zwar habe sein Vater die Geldstrafe gezahlt und ihn wieder aus der Haft geholt. Doch die zwei Stunden in der JVA hätten ihm verdeutlicht, dass er es nicht aus eigener Kraft aus der finanziellen Misere schaffe, sagte der Angeklagte. Klar habe es ordentlich Stunk mit den Eltern gegeben, aber die hätten ihn auch aufgefangen. Seine Mutter beglich ihre Famila-Rechnung, der Vater
übernahm die restlichen offenen Rechnungen. Gemeinsam mit seinem Sohn machte er sich an die graue Kiste.

Eltern unterstützen ihren Sohn

„Mein Vater hat die Kontrolle über meine Finanzen, er bekommt alle Belege, ich zahle nur noch bar“, erzählte der 25-Jährige. Zudem gehe er zur Schuldnerberatung und wirtschafte mit
dem Geld, dass seiner kleinen Familie – er hat jetzt eine kleine Tochter – zur Verfügung stehe. In Aussicht habe er einen Vollzeitjob in einem Call-Center, dann wolle er weiter Schulden
abbauen. Eine Privatinsolvenz sei wohl vermeidbar.

Die Staatsanwältin plädierte auf eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Obwohl eine positive Sozialprognose angesichts der Vorstrafen schwierig sei, wolle sie die glaubwürdige und offene Einlassung und die aufgenommenen Bemühungen würdigen. Eine Bewährung auf drei Jahre, ein Bewährungshelfer und die Leistung gemeinnütziger Arbeit
sollen weiteren Geleitschutz auf dem Weg aus der Kriminalität bieten. Der Verteidiger ging mit. Die Richterin folgte diesen Anträgen mit einer Ausnahme: Sie strich die Arbeitsstunden. „Wenn
Sie jetzt schnell einen Job finden, können Sie die Arbeitsstunden nicht leisten und müssten eine Geldstrafe zahlen. Das ist das Letzte, was Sie gebrauchen können“, sagte sie. Die Bewährung
gebe es auch nur, weil die Familie ihm Halt und Hilfe biete. Doch die nächste aktenkundige Trickserei dürfte ihn direkt in die Justizvollzugsanstalt führen.

Von Björn Hansen