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Sieht unscheinbar aus, soll aber effizient sein: Ein Roboter hilft auf einem Feld von Hof Löscher bei der Erdbeerernte. (Foto: bh)
Sieht unscheinbar aus, soll aber effizient sein: Ein Roboter hilft auf einem Feld von Hof Löscher bei der Erdbeerernte. (Foto: bh)

Ein Roboter hilft bei der Erdbeerernte

Die Obsternte im großen Stil ist ein anstrengender Job – erst recht bei den Temperaturen, wie sie gerade herrschen. Erdbeerpflücker sollen von einem sogenannten Weaver unterstützt werden. Der Roboter erntet zwar nicht selbst, könnte die Menschen auf den Feldern aber sehr entlasten.

Stelle. Das Panorama stimmt in jedem Fall für die Premiere. Auf einem Erdbeerfeld des Erdbeer- und Spargelhofes Löscher soll der Weaver in weiter Fläche und unter dramatischem Sommerhimmel zeigen, was er kann. Der Weaver ist ein Feldroboter, der die Pflücker bei der Erdbeerernte unterstützen soll. Futuristisch sieht er nicht aus, eher wie eine Tischplatte auf vier Rädern. Die allerdings beherrscht das autonome Fahren.

Dahinter steht das Team Ant Robotics aus Hamburg-Harburg. Die Firma gibt es seit einem Jahr. Seinen Ursprung hat das Projekt an der Technischen Universität Hamburg-Harburg, wo es als Studie für den Einsatz von Robotern in der Landwirtschaft diente. Die erste „Ameise“ von Ant Robotics sollte Unkraut jäten, autonom und automatisch. Dieser Start war jedoch etwas zu ambitioniert, die Programmierung letztlich noch zu komplex.

Der Weaver macht die langen Wege

Das Team Ant Robotics hat sich darauf spezialisiert, mobile robotergesteuerte Plattformen zu entwickeln. Der Weaver hat es an diesem Nachmittag vor allem mit wackeligen Holzkisten voller Erdbeeren zu tun. Der fahrende Tisch soll den Pflückern direkt auf dem Feld alle vollen Kisten abnehmen. Durch die Reihe folgt der Roboter ihnen in mindestens zwei Metern Abstand. Voll beladen soll er später allein den Weg vom Feld zur Waage finden. Es ist der Arbeitsschritt, den das Gerät den Pflückern abnimmt. Damit können die dann mehr pflücken. Der Einsatz gibt einen ersten Eindruck. Zur Sicherheit geht ein Kollege von Ant Robotics mit und behält über einen Joystick den Feldroboter unter Kontrolle.

Das sogenannte „Show Case Nord Deutschland“ von Ant Robotics weckt Interesse auch in der Fachwelt. Neben Zeitungs- und Fernsehleuten ist auch eine Abordnung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) aus Bremen vor Ort und führt intensive Fachgespräche über den Weaver. Mittendrin sind auch die Löschers, die Brüder Felix und Florian. Sie sind interessierte Beobachter. Als die Ant Robotics ein Feld für die ersten Fahrversuche suchten, stießen sie auf ein Löscher-Feld bei Harburg. Die ließen die Wissenschaftler für die Tests auf ihre Felder.

20.000 Euro soll der Roboter kosten

„Die Erkenntnisse aus dem realen Betrieb sind für uns die wertvollsten“, sagt Sandro Rabbiosi, der für den Verkauf zuständig ist. Dazu gehört die Erkenntnis, dass die Pflücker bis zu 30 Prozent ihrer Arbeitszeit für das Schleppen der Kisten benötigten. Hier soll der Weaver für eine erhöhte Arbeitseffizienz sorgen.

Ant Robotics will den Weaver bis März kommenden Jahres zur Serienreife gebracht haben. Gleichwohl stecke man aktuell wie viele andere Unternehmen im Stau der Lieferketten. „Unsere Antriebsmotoren kommen momentan leider sehr spät“, berichtet Rabbiosi. Das Chassis für den Weaver liefere ein Partner. Jetzt gehe es dann um Herstellungskosten und Stückzahlen und darum, Vorbestellungen einzusammeln. Momentan geht er von einem Endpreis bei etwa 20.000 Euro aus.

Eine Summe, die die Löschers pragmatisch einordnen. „Dann muss das funktionieren wie auf dem Rangierbahnhof“, stellt Florian Löscher klar. Sprich, es muss Bewegung drin sein in einem reibungslosen Prozess. Spannend finden aber beide Brüder die technische Entwicklung.

Von Björn Hansen

Hier kann man noch selbst pflücken

Gerade viele Familien schätzen es, wenn sie Erdbeeren auf dem Feld selbst pflücken können. Die LZ nennt Möglichkeiten, wo das in der Region noch möglich ist.

  • Hof Löscher in Winsen; Winsener Ilmer, täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet, Einlass aufs Feld bis 18.30 Uhr
  • Rittergut Melzingen in Altenmedingen: Melzingen – Ortsausgang Richtung Ebstorf, täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet sowie
  • Melbeck – Kreuzung B4, Ortsausgang Richtung Lüneburg, täglich von 9 bis 18.30 Uhr geöffnet
  • Hof Strampe in Neetze: Weg zum Feld ab Lüneburger Landstraße 1, Neetze, ausgeschildert; täglich von 9 bis 16 Uhr geöffnet

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