Anzeige
Das Haus des Wohnpark von Vorne.
Noch sieht der Wohnpark An der Alten Saline bewohnt aus. (Foto: t&w)

Wohnpark Alte Saline: Kündigung ins Ungewisse

35 Menschen müssen ihre Wohnungen im Wohnpark An der Alten Saline bis Ende September verlassen. Ihr Schicksal zeigt, wie schwer das Ende des Heims die Anwohner und Angehörigen trifft.

Lüneburg. Die Ausflüge in die Stadt waren immer das Highlight. Seit 2012 lebte die Mutter von Frau Zimmer im Wohnpark An der alten Saline. Zehn Jahre lange schlenderten Mutter und Tochter durch die Stadt. Doch dieser Sommer könnte der letzte sein. Die Betreiber der Pflegeeinrichtung, die Doreafamilie, kündigte am 28. Juni zu Ende August den Pachtvertrag und löst die Einrichtung zum 30. September endgültig auf. Frau Zimmers Mutter braucht dann eine neue Wohnung in einem anderen Heim.

Ihr Fall verdeutlicht, wie schwer die Kündigung des Wohnparks die Angehörigen und Anwohner trifft. Das zeigt sich schon an der Furcht von Frau Zimmer, dass ihre Aussagen sich negativ auf die Situation ihre Mutter auswirkt. Deswegen ist ihr Name in diesem Text geändert.

Es fehlt an Plätzen in der Pflege

Die Entwicklungen zu diesem Fall beginnen im Oktober 2020, mit der Brandverhütungsschau des Landkreises Lüneburg. In ihr stellte die Stadtverwaltung unterschiedliche Mängel im ersten und zweiten Obergeschoss des Wohnparks fest. Weil ein Jahr später diese Mängel nicht behoben wurden, mussten 62 Anwohner die Einrichtung verlassen. Die Doreafamilie unterstützte sie zwar bei der Suche nach neuen Heimplätzen, nur lagen die nicht in der Stadt. Der Herbst 2021 zeigte deutlich: In Lüneburg gibt es zu viele Menschen, die Pflege benötigen, aber zu wenig Plätze, um sie zu versorgen.

Damals hatte die Mutter von Frau Zimmer Glück. Sie wohnte im Erdgeschoss der Pflegeeinrichtung und blieb mit 34 anderen Seniorinnen und Senioren vor Ort. Doch die Mitteilung über die Kündigung wirft die Frage nach einer neuen Bleibe auf. Vor allem kommt sie überraschend. Frau Zimmer erfuhr wie alle anderen erst Anfang der Woche von der Auflösung des Pflegeheims. Genau wie im vergangenen Jahr sicherte die Doreafamilie auch wieder ihre Unterstützung bei der Suche nach anderen Heimplätzen zu.

Das Problem ist nur: Genau wie beim letzten Mal liegen die wieder außerhalb von Lüneburg. “Ich kann nicht drei Mal die Woche zu ihr fahren, wenn sie weiter weg wohnt”, sagt Frau Zimmer. Neben den Besuchen muss sie einen Alltag voller Familienstress bewältigen.

Doreafamilie sieht keine Schuld bei sich

Grund für die Kündigung des Pachtvertrags waren laut der Doreafamilie wirtschaftliche Entwicklungen. „Eine Senioreneinrichtung mit nur 35 Bewohnern lässt sich nicht wirtschaftlich führen”, schrieb Stephan Demmerle, der Geschäftsführer der Unternehmensgruppe in einer Pressemitteilung – und Frau Zimmer versteht das. "Ich kann nachvollziehen, dass Unternehmen auch auf den wirtschaftlichen Erfolg gucken müssen”, sagt sie. Was sie allerdings nicht versteht: “Warum wurden die Brandschutzmängel nicht behoben? Dann hätte man das Heim wieder besetzen können. Es gibt ja genug Leute, die einen Platz suchen.” Vielleicht wäre dann auch ein wirtschaftlicher Erfolg wieder möglich gewesen.

Die Doreafamilie sieht hier bei sich keine Schuld. Pressesprecher Steffen Ritter betonte in einem Gespräch, dass die Unternehmensgruppe nur den Geschäftsbetrieb der Pflegeeinrichtung verantworte. Für die Behebung von Mängeln und die Immobilie generell sei die TSC Reale Estate verantwortlich. Die möchte sich allerdings nicht zu dem Fall äußern. Eine LZ-Anfrage an den Geschäftsführer Herrn Berthold Becker zu dieser Situation blieb unbeantwortet.

Unbeantwortet ist auch die Frage, wo die Mutter von Frau Zimmer in Zukunft leben soll. Aktuell steht sie auf Wartelisten von Pflegeheimen in Lüneburg. Sie weiß auch noch nichts von ihrer Situation. Wegen ihrer leichten Demenz will ihre Tochter sie nicht zu sehr belasten.

Von Simon Schröder

[/lz+]

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.