Sonntag , 4. Dezember 2022
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Viele kennen Sarah Masuch als Ärztin Dr. Iris Brooks aus der Lindenstraße, bei den Roten Rosen ist sie als Speditionsunternehmerin zu sehen.
Viele kennen Sarah Masuch als Ärztin Dr. Iris Brooks aus der Lindenstraße, bei den Roten Rosen ist sie als Speditionsunternehmerin zu sehen. (Foto: be)

Rote Rosen statt Lindenstraße für Sarah Masuch

Als Ärztin Dr. Iris Brooks in der Lindenstraße kam sie über viele Jahre in deutsche Wohnzimmer, jetzt ist Sarah Masuch als Unternehmerin bei Rote Rosen zu sehen. Und die Serienfigur hat auch schon auf die Schauspielerin abgefärbt, das ist vor allem auf der Autobahn zu erleben.

Lüneburg. Das Seriengeschäft kennt sie gut. Acht Jahre lang, von 2012 bis 2020, hat Sarah Masuch bei der Lindenstraße die Ärztin Dr. Iris Brooks verkörpert. Auch jetzt ist sie wieder in einem ARD-Dauerbrenner zu sehen. Bei den Roten Rosen schlüpft sie in die Rolle der Unternehmerin Anette Roth. Trotz einiger Parallelen nennt die Neue am Rosen-Set aber gleich einen eklatanten Unterschied zwischen ihrem früheren und ihrem aktuellen Arbeitsplatz: "Bei der Lindenstraße haben wir pro Woche eine Folge gedreht, hier wird eine Folge pro Tag produziert. Entsprechend schneller muss alles funktionieren."

Doch das höhere Tempo oder – wie die Schauspielerin es selbst skizziert – "was man hier so wegschaffen muss am Tag", bereite ihr kein Kopfzerbrechen. "Anfangs war es schon stressig", räumt sie zwar ein, "alles war neu, ich habe mich in den Studios verlaufen und mich manchmal ein bisschen überfordert gefühlt.“ Doch inzwischen, nach mehr als drei Monaten Dreh in den Studios an der Lilienthalstraße, habe sie sich gut eingelebt. "Und ich muss sagen: Ich habe durchaus Spaß am schnellen, effektiven Arbeiten, dass wir ohne viel Blabla gleich zur Sache kommen gefällt mir."

Eigentlich sollte sie Tatjana Petrenko spielen

Eigentlich hatten die Macher der Serie die 44-Jährige schon länger auf dem Zettel. Für die 18. Staffel hatte sie bereits vorgesprochen, damals für die Rolle der Tatjana Petrenko, die schließlich Judith Sehrbrock übernahm. Sarah Masuch konnte beim Casting zwar ebenfalls überzeugen, machte dann aber einen Rückzieher: "Für mich passte das damals noch nicht", begründet sie. "Ich habe zwei Kinder, kam gerade aus einer Serie und dachte zu dem Zeitpunkt, es wäre gut, einfach mal zu Hause verortet zu sein." Die Absage nahmen ihr die Rosen-Macher aber nicht übel, sie fragten nun erneut an – diesmal passte es für beide Seiten.

"Ich hatte Lust, mal wieder eine richtige Spielfamilie zu haben, ein professionelles Zuhause", begründet die Hamburgerin ihre aktuelle Entscheidung. Natürlich habe sie sich auch Arne Rudolf, dem ehemaligen Lindenstraßen-Kollegen, der bei den Rosen bis vor kurzem als David Wagner zu sehen war, erkundigt, wie denn die Atmosphäre am Set so ist. Negatives hörte sie von ihm nicht. Darüber hinaus kannte sich Maria Fuchs, mit deren Vater sie zusammen am Schauspielhaus gespielt habe.

Sie war Hospizleiterin und lesbische Fitnesstrainerin

Zwischen Lindenstraße und Rosen war sie ebenfalls nicht untätig, hatte einige Auftritte in Filmen und Serien. Und die waren durchaus facettenreich: "Sängerin, Hospizleiterin, lesbische Fitnesstrainerin, es war wirklich alles dabei", sagt sie.

Nun ist sie bei den Rosen als Erbin und Inhaberin einer Spedition zu sehen. Ihre Serienfigur charakterisiert sie als "spontan, impulsiv, zupackend und geschäftstüchtig, manchmal aber auch ein bisschen jähzornig, und zwar so, dass sie hinterher die Scherben auffegen muss. Annette liebt ihre Firma und ist verliebt ihn die Liebe. Sie war ja nicht ohne Grund viermal verheiratet." Sie selbst sei da stetiger, versichert die Darstellerin augenzwinkernd, zudem sei sie deutlich zurückhaltender als Annette.

Doch ein bisschen habe die Rolle schon auf die Darstellerin abgefärbt. "Annette hat Benzin im Blut. Das war erstmal weit weg von mir, weil ich spät den Führerschein gemacht habe und keine Autonärrin. Inzwischen fahre ich aber gern und viel Auto, pendle von Hamburg nach Lüneburg. Hin fahre ich als Sarah meinen üblichen Stiefel, zurück fahre ich als Annette fast doppelt so schnell."

Beeindruckt von der Lüneburger Altstadt

Viel Zeit, um Lüneburg näher kennenzulernen, hatte sie bisher aber nicht. "Gerade gestern war ich aber mit Theresa und ihrem Hund im Liebesgrund spazieren, das geht mal. Oder abends mit den Kollegen in der Stadt einen Flammkuchen essen." Doch kleine Abstecher reichten immerhin für neue Eindrücke: "Wie schön und unberührt der Altstadtkern ist, ist mir jetzt erst bewusst geworden. Ich liebe Geschichte, und dass sie hier lebendig und bewohnt ist, finde ich einfach toll", schwärmt Sarah Masuch. "Lüneburg hat für mich das Zeug zum Weltkulturerbe."

Mindestens für die laufende Staffel bleibt ihr Arbeitsplatz nun in Lüneburg. Und danach? "Es wird so sein wie immer: Man wartet auf das nächste Angebot. Das gehört zum Job." Wünsche hätte sie da durchaus noch: "Ich spiele meistens nette und sympatische Figuren. Natürlich habe ich auch mal Lust, böse zu sein."

Von Alexander Hempelmann

Karrieredaten und Privates

Von Stromberg bis Tatort

Die gebürtige Hamburgerin Sarah Masuch hat ihre Schauspielausbildung an der Bayerischen Theaterakademie in München absolviert. Seit Ende der Neunziger hat sie in zahlreichen bekannten TV-Produktionen mitgewirkt. Bei "Stromberg" war sie ebenso zu sehen wie beim "Großstadtrevier", im "Tatort", bei "Der Alte", "Heiter bis tödlich", "Polizeiruf 110", "Stubbe – von Fall zu Fall" und natürlich "Lindenstraße", um nur einige zu nennen. Auch bei der Verfilmung des Heinz-Strunk-Erfolges "Fleisch ist mein Gemüse" wirkte sie mit.

Auf Theaterbühnen stand sie in München und Hamburg – hier am Schauspielhaus, bei den Hamburger Kammerspielen und zuletzt auch am St.-Pauli-Theater in "Monsieur Claude und seine Töchter 2", wo sie auch im Oktober wieder bei einigen Vorstellungen dabei sein wird.

Mit ihrem Ehemann, ein ehemaliger Klassenkamerad, der heute als Anwalt für Marken- und Wettbewerbsrecht tätig ist und den beiden gemeinsamen Kindern (18 und 13) lebt sie in Hamburg-Eimsbüttel.

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