Sonntag , 4. Dezember 2022
Anzeige
Manfred Hinz, Vorsitzender des Lüneburger Köche-Clubs: Die Tomaten auf dem Balkon gedeihen wunderbar. Anders sieht es mit dem Verein selbst aus. Für dessen Zukunft wünscht er sich Rat und Unterstützung.
Manfred Hinz, Vorsitzender des Lüneburger Köche-Clubs: Die Tomaten auf dem Balkon gedeihen wunderbar. Anders sieht es mit dem Verein selbst aus. Für dessen Zukunft wünscht er sich Rat und Unterstützung. (Foto: t&w)

Schickimicki schmeckt ihm nicht: Köche-Club Vorsitzender will Verein retten

Die Jungen kommen nicht mehr, die Alten träumen von den früheren Zeiten. Eigentlich steht sein Verein vor dem Aus. Doch Manfred Hinz, seit 1986 Vorsitzender des Lüneburger Köche-Clubs, will und kann den Verein noch nicht aufgeben. Er unternimmt einen letzten Rettungsversuch.

Lüneburg. Es läuft nicht mehr gut beim Lüneburger Köche-Club. Manfred Hinz weiß das. Seit 1986 ist er der Vorsitzende des Köche-Clubs. In seiner schicken weißen Koch-Jacke sitzt er in seiner Wohnung, das Logo des Vereins auf der Brust, und schaut den Boden an. Er hat die Vereinsbiografie aufgelistet. Der Köche-Club, gegründet Ende der 70er Jahre, hat bereits bei der Generalversammlung im Jahr 2000 keinen Jugendwart mehr gefunden. Auch der Festausschuss wurde dort aufgelöst. 2011 stand der Club kurz vor dem Ende – und heute steht er wieder da. Oder immer noch. Doch Manfred Hinz möchte nicht aufgeben. Seit 35 Jahren hat er im Verein den Hut auf – mit einer Unterbrechung, als er krank war. "Ich bin auch schon von anderen angesprochen worden, ob wir nicht Schluss machen wollen. Aber ich finde den Absprung nicht."

Ausbildung für 20 Mark im Monat

Gekocht hat Manfred Hinz quasi schon immer. Etwa bei Müller im Imbiss in der Grapengießerstraße oder in der Krone. Als 15-Jähriger begann er seine Ausbildung zum Koch in einer Gaststätte am Dümmer See. "Damals haben wir 20 Mark im Monat bekommen und mussten auch mal den Hundezwinger sauber machen oder eine Toilette reparieren. Aber wir wurden auch unterstützt. Da habe ich eigentlich fürs Leben gelernt. Das war etwas anderes. Heute hat der Auszubildende ja mehr Rechte als Pflichten."

Nouvelle Cuisine ist nicht seine Schiene

Manfred Hinz ist der Ansicht, Kochen muss nicht "schickimicki" sein, ein guter Gurkensalat tut es auch. Es kommt darauf an, dass es schmeckt und dass man sich bei Essen gehen wohl fühlt. "Mit diese Nouvelle Cuisine, wo man hinterher noch was essen muss, weil man nicht satt geworden ist, habe ich nichts am Hut." Mit dieser Schiene habe er auch neue Mitglieder im Köche-Club angezogen. Aber das ist lange her. Warum er heute nicht den Absprung schafft? Weil es noch immer viel Spaß macht. Früher, da war was los. Früher, als einer aus den eigenen Reihen mit der Deutschen Köche-Nationalmannschaft in Chicago Weltmeister wurde. Früher, als der Köcheball groß im Schweizer Hof in Scharnebeck gefeiert wurde. Früher, als die Auszubildenden ihre Fahrt nach Paris unternommen haben. "Wenn ich heute noch Leute treffe, die da in Frankreich mit dabei waren, sagen die immer noch, Mensch, das war so ein tolles Ding. Und das sind eben Sachen, die man behält. Und da kann man nicht einfach sagen: jetzt ist Schluss." Die Feste, die Treffen, die Ausfahrten, das war Gemeinschaft, sagt Manfred Hinz. "Ach wir haben auch gekegelt vom Köche-Club. Das alles hat irgendwie zusammengehalten."

Bitte um Unterstützung in der Branchen-Zeitung

Mittlerweile ist der eine über 70, die andere ist schon über 80, der lebt nicht mehr, der ist krank. "Im Grunde sind wir nur noch drei Leute im Vorstand."

Die Pandemie hat auch nicht zur Wiederbelebung des Vereins beigetragen. Doch sie hat immerhin das endgültige Aus verhindert. Denn: "Ich kann das ja nicht alleine entscheiden. Da müssen sich alle zusammensetzen und zwei Drittel der Mitglieder müssen darüber abstimmen, ob wir den Verein auflösen oder nicht. Aber während Corona habe ich die Leute nicht zusammenbekommen." Mitglieder gebe es derzeit noch rund ein Dutzend.

Stattdessen hat Manfred Hinz versucht, sich Rat und Unterstützung zu holen. Beim Dachverband, dem Verband der Köche Deutschland (VKD) und in einem Artikel in der "Küche", deren Branchen-Zeitung. "Diese Zeitung wird in ganz Deutschland vertrieben. Da hat sich nur einer gemeldet, der meinte, er kennt das Problem. Ohne Jugend kannst du heute nichts mehr machen."

Wer hat Tipps für die Zukunft des Vereins?

Manfred Hinz hätte gerne Tipps von anderen Zweigvereinen oder vom Verband, was er noch versuchen könnte. "Ich war ja auch auf der Landesverbandstagung und habe da erzählt, wie es aussieht. Die haben alle zugehört, aber gesagt hat keiner was." Das fand er nicht okay. "Uns lässt man letztendlich im Regen stehen."

Daher versucht er es jetzt noch einmal in der LZ. Und lädt alle Köchinnen und Köche aus der Region – und alle Interessierten aus der Gastro-Branche – dazu ein, entweder bei einem Treffen des Köche-Clubs vorbeizuschauen oder Tipps zu geben, wie der Verein in die Zukunft gehen könnte. Und das müsse auch nicht mit ihm an der Spitze sein.

Wer sich bei Manfred Hinz melden möchte, kann das per Mail unter manfred.hinz@gmx.de tun oder per Telefon unter (04131) 49208.

Von Laura Treffenfeld

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.