Sonntag , 4. Dezember 2022
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Eine Straßenlaterne vor einem Abendhimmel.
Symbolfoto: Die Stadt stellt im Hafen ab sofort nachts die Lichter aus - bis auf wenige Notfalllampen. Es ist eine von mehreren Maßnahmen zur Energieeinsparung. (Foto: Adobe Stock)

Steigende Energiekosten: Das planen Genossenschaft, Stadt und Landkreis

Weil die Energiekosten stark angestiegen sind, prüft die Wohnungsgenossenschaft Lüneburg, Wasser und Heiztemperaturen abzusenken. Auch Stadt und Landkreis drehen an unterschiedlichen Stellschrauben, um Kosten einzusparen – so bleiben etwa seit Beginn dieser Woche die Lichter im Hafen nachts aus.

Lüneburg. Energie kostet aktuell deutlich mehr Geld. Um Kosten zu sparen, prüfen Wohnungsbaugenossenschaften bereits, wie sie den Energieverbrauch senken können. Die Wohnungsgenossenschaft Lüneburg plant nach eigenen Angaben, nachts eine Absenkung der Wassertemperatur in ihren Objekten. "Es ist eine Zwangsläufigkeit", sagt Vorstandschef Ulf Reinhardt.

Wohnungsgenossenschaft Lüneburg

Er ärgert sich jedoch über das Bild des bösen Vermieters, der allen das warme Wasser abdrehen will. "Unser Ziel ist es doch, für die Mieter Energiekosten zu sparen. Dazu fordert uns auch die Bundesregierung auf." Ganz klar werde im Bereich Wasser und Heizung geprüft, Temperaturen abzusenken. Bei den Raumtemperaturen sollen dabei aber auch nachts 17 Grad nicht unterschritten werden. "Für das Warmwasser können wir keine genauen Grad-Zahlen definieren. So etwas würde sich in einer Erdgeschosswohnung auch anders auswirken als in einer Dachgeschosswohnung."

Abgesenkte Nachttemperaturen bedeuteten aber eben nicht, dass Mieter kalt duschen müssten. "Unser Ziel ist, dass alle Mieter, die an der Bereitstellung von Warmwasser über die Grundkosten mit 30 Prozent beteiligt sind, Kosten sparen, ohne dass es wirklich nennenswerte Komforteinschränkungen gibt", sagt Reinhardt. Alle Maßnahmen sollen bis spätestens Ende September umgesetzt worden sein.

Beim Warmwasser könne grundsätzlich mehr eingespart werden als bei der Heizung. Denn: Wenn Räume zu sehr auskühlen, braucht es auch wieder viel Energie, um diese aufzuwärmen. Dass warmes Wasser für Mieter vorhanden sein muss, ist gesetzlich vorgeschrieben. "Doch die Rechtslage ist dahingehend unklar, wie warm es auch nachts tatsächlich sein muss." Für Reinhardt ist das Sparen ein gemeinsames Thema. "Bei uns melden sich seit Monaten täglich Mieter, die ihren Abschlag erhöhen wollen, damit später nicht das dicke Ende kommt. Das ist natürlich sofort umsetzbar." Zudem verweist er auf langfristige Sparmaßnahmen, wie sechs neue Wärmepumpenanlagen und 120 Fotovoltaikanlagen in bzw. auf den eigenen Gebäuden.

Zum Thema der abgesenkten Temperaturen läuft derzeit auch eine Anfrage an die LüWoBau.

Hansestadt Lüneburg

Auch die Hansestadt Lüneburg hat die Energiekosten im Blick. Zu Beginn dieser Woche ist daher die Beleuchtungssteuerung im Hafen neu programmiert worden. Zwischen 18 Uhr und 5.45 Uhr gehen Im Hafen künftig die meisten Lichter aus. Nur die Notbeleuchtung an den Leiteraufstiegen bleibt. Die ist wichtig, falls jemand in eine Notlage gerät und im Dunkeln die Leiter sucht.

Auch ein Teil des Hafens (Zufahrt Tor 1 an der Elso-Klöver-Straße) und der Schiffsliegeplatz 3 bleiben permanent beleuchtet, falls ein havariertes Schiff vom Kanal in den Hafen einfahren muss. Ansonsten bleibt der Hafen nachts dunkel. "Wir müssen jetzt anfangen zu sparen", sagt Hafen-Geschäftsführer Lars Strehse zu den reduzierten Lichtern.

Auch im Rathaus gibt es Überlegungen über mögliche Sparmaßnahmen. Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch möchte sich vom Verwaltungsausschuss bzw. dem Rat der Stadt das Okay einholen, dass die Verwaltung kurzfristig Energiesparmaßnahmen in Zusammenhang mit einer Gasmangellage im Winter prüft und das Mögliche umsetzen kann – bei Bedarf, auch ohne weitere Gremiensitzungen in der Sommerpause dafür anzuberaumen. Geprüft wird zum Beispiel, ob die Warmwasseraufbereitung in ausgewählten öffentlichen Gebäuden abgeschaltet werden kann. Und ob die Raumtemperatur in Verwaltungsgebäuden reduziert sowie Heizungen optimiert werden können, etwa durch kürzere Betriebszeiten und angepasste Lüftungen.

Landkreis Lüneburg

Auch der Landkreis will sparen. Der habe bereits im Rahmen der Haushaltsaufstellung 2022 Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs eingeplant. Kleinere Anpassungen würden situativ ergriffen werden. "So rüsten wir zum Beispiel grundsätzlich im Zuge der Bauunterhaltung an allen Liegenschaften – das sind vielfach Schulen – defekte Leuchtmittel möglichst auf LED um und installieren energiesparende Fenster", sagt Pressesprecherin Katrin Holzmann. "In der Kreisverwaltung wurden und werden in diesem Jahr zudem kurzfristig genutzte Räume wie Archive, WC-Anlagen, Kopierräume oder Teeküchen auf Präsenz- bzw. Bewegungsmelder umgerüstet."

Zusätzlich nutze der Landkreis Bauarbeiten und Sanierungen, um Energiesparmaßnahmen umzusetzen. Ein Beispiel sei der Sturmschaden im Januar 2022 an der Georg-Sonnin-Schule. "Die notwendigen Reparaturarbeiten verbinden wir mit der Flachdachsanierung inklusive der Verbesserung der Wärmedämmung und damit einer Reduzierung des Wärmebedarfs." Man behalte zudem "die aktuelle, angespannte Lage" im Blick.

Was kann jeder zu Hause tun? 3 Tipps der Verbraucherzentrale

Auch wenn draußen die Sonne scheint: Wer sich jetzt mit dem Verbrauch seiner Heizung auseinandersetzt, spart im Winter eine Menge Energie und Kosten. Für sinnvolle Tipps hat die LZ mit Florian Lörincz gesprochen. Er ist Energieberater der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

▶ Tipp 1: Kenne die Temperaturen der Heizung und stelle sie richtig ein

„Den Thermostat nicht voll aufdrehen“, ist Lörincz erster Tipp, also nicht Stufe 5, sondern auf Stufe 3 drehen. Warum? Ein Thermostat regelt nur die Temperatur, nicht wie schnell ein Raum wärmer wird. Aber: Je nach Hersteller unterscheiden sich die Temperaturangaben auf den Thermostaten. Es ist sinnvoll, sich darüber zu informieren.

▶ Tipp 2: Heizkörper nicht verstecken

Auch wenn sie zusätzliche Ablagefläche bieten, sie sind es nicht. “Ein Heizkörper muss sichtbar sein, sonst ist der Energieverbrauch höher”, sagt Lörincz. Denn Gegenstände auf und um den Heizkörper stoppen die Wärmestrahlung und beeinträchtigen die Lufterwärmung. Selbst wenn es nur Küchenhandtücher oder ein paar Bücher sind.

▶ Tipp 3: Wassertemperatur an der Heizungsanlage einstellen

Moderne Heizungen erwärmen das Heizwasser abhängig von der jeweiligen Außentemperatur mit der in der Anlage eingestellten Heizkurve. Zu steile Heizkurven erzeugen ein deutlich wärmeres Heizungswasser als nötig. Nutzer merken das nicht, da die Heizkörperthermostate die Raumtemperatur auf 20 Grad „deckeln“. Der Rest des Heizwassers läuft dann als viel zu warmes Wasser unbemerkt zum Heizkessel zurück. Es kommt zu einem unnötigen Wärmeverlust und Energieverbrauch.

Lörincz rät aus diesem Grund dazu, die Vorlauftemperatur an einer Heizungsanlage häufig um zehn bis zwölf Grad zu verringern. Wer sich hier unsicher ist, kann sich laut dem Energieberater an die Verbraucherzentrale wenden. Sein Tipp: Immer ein Foto machen, um zur Not zum Ausgangspunkt zurück zu kommen. Das gleiche Vorgehen gilt auch für die Wassertemperatur im Bad. Hier reicht eine maximale Temperatur von 40 Grad Celsius aus.

Und keine Angst vor Keimen: Bei Anlagen der letzten 20 Jahre ist laut dem Energieberater ein automatischer Legionellenschutz gegeben. Ältere Anlagen muss man nur einmal die Woche auf mindestens 60 Grad Celsius erhitzen.

Von Laura Treffenfeld und Simon Schröder

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