Sonntag , 4. Dezember 2022
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In der Innenstadt sollte es mehr undd nicht weniger Parkplätze geben, fordern einige Senioren.
In der Innenstadt sollte es mehr undd nicht weniger Parkplätze geben, fordern einige Senioren. (Foto: phs)

Senioren beklagen den Mangel an Parkplätzen

Einige Senioren sind sauer: "Wir müssen doch auch zu Ärzten und Behörden kommen können", sagen sie und prangern den Mangel an Parkplätzen in der Innenstadt an. Auch mit dem ÖPNV sind sie nicht so ganz zufrieden.

Adendorf/Lüneburg. Werden Senioren durch den Klimaschutz ausgegrenzt? So sonderbar diese Frage für einige auch klingen mag, so unmissverständlich stand sie doch im Raum. Und zwar im Veranstaltungsraum der Ratsdiele. Dorthin hatte die „Arbeitsgemeinschaft (AG) 60plus“ alle Interessierten zum Thema „Verkehrswende in Lüneburg – komme/will ich noch in die Stadt?“ eingeladen. Die SPD-Senioren im Landkreis wollten mit ihrer Veranstaltung den Bürgern die Gelegenheit geben, einmal „Dampf“ abzulassen. Dazu hatten sie Gesprächspartner wie Elke Ermler (Seniorenbeirat Lüneburg), Uwe Hinners (SPD-Kreistagsfraktion), Jürgen Krumböhmer (Erster Kreisrat), Daniela Laudan (Vorsitzende des Behindertenbeirats Lüneburg) und Heiko Meyer (Vorsitzender des Lüneburger City-Managements) eingeladen.

Krumböhmer stellte fest: „Durch den Klimawandel ist die Verkehrswende ganz oben auf die To-Do-Liste in den Kommunen gelangt, so auch in Lüneburg.“ Und es dauerte nicht lange, bis die knapp 30 Senioren ihre Probleme damit äußerten. So kritisierten sie den Vorschlag, die Bus-Linie 5008 um die Haltestellen „Am Markt“ und „Bürgeramt“ zu kürzen und den Kreideberg von der 15-Minuten-Taktung auf eine 30-Minuten-Taktung umzustellen (die LZ berichtete). Was die Entscheidungsträger nicht beachteten, seien die mobilen Möglichkeiten älterer Leute. Heiko Meyer fasste zusammen:„ Nicht alle können gesund und munter mit Rad oder zu Fuß in die Innenstadt gelangen.“ Oft, so die Senioren, sei die Busfahrt schon eine Tortur. Erst recht mit Rollstuhl oder Rollator: „Entweder fährt der Busfahrer nicht an den Bordstein oder der Bus kann nicht abgesenkt werden oder es fehlt eine Klimaanlage“, zählte ein Gast auf. Außerdem könnten ältere Menschen nicht so weit und schnell laufen und hätten daher Probleme beim Umsteigen – gerade auch am Zentralen Omnibus-Bahnhof. Hinners: „ Die Querungen dort sind selbst für mich als Gesunder schon eine Zumutung!“

Das Problem in der Innenstadt

Nicht verwunderlich also, dass sich die meisten Gäste als Autofahrer outeten. Da lauerte schon das nächste Problem: „Es gibt viel zu wenige Parkplätze in Innenstadtnähe. Wir müssen dort zu den Ärzten und Behörden gelangen können“, lautete der Tenor. Darüber hinaus seien nur sehr schwer behinderte Menschen berechtigt, die Behindertenparkplätze zu benutzen. Laudan bestätigte: „Es gibt in der Tat strikt eingegrenzte Kriterien, etwa, dass man nicht in der Lage ist, sich 50 Meter ohne Schmerzen fortzubewegen“. Deshalb erhielten wenige Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte oder auch Krebskranke einen Ausweis, mit dem sie diese Parkplätze nutzen könnten.

Ermler und Laudan konnten die frohe Botschaft verkünden, dass durch ihre Intervention die Buslinienführung nun wieder über „Am Sande“ verlaufen soll. „Obwohl der Behindertenbeirat nicht primär dafür zuständig ist. Das Klientel, das wir vertreten, kann den Öffentlichen Nahverkehr aufgrund fehlender Barrierefreiheit zurzeit gar nicht nutzen und ist darüber hinaus weder körperlich noch seelisch noch finanziell in der Lage, Autos zu führen“, betonte Laudan.

Meyer machte dem Stadtrat schwere Vorwürfe: „Lüneburg ist ein Oberzentrum. Das vergessen unsere Politiker derzeit. Unser Einzelhandel- und Gastromnomiezentrum ist auch für Senioren aus dem Umland wie Winsen und Uelzen bestimmt.“ Diese grenze man durch den weiteren Abbau von Parkplätzen in Innenstadtnähe immer mehr aus. Solange es noch keine alternativen Lösungen gebe, müsse der „Sande“ weiter befahrbar bleiben.

Ans Umsteigen besser gewöhnen

Allerdings ist Meyer wie Krumböhmer der Meinung, dass sich Senioren in der Stadt der Zukunft ans Umsteigen gewöhnen müssten. Krumböhmer: „Wie schön wäre der Sande ohne Autoverkehr – ein Publikumsmagnet! Wir müssen nur lukrative, ernst zu nehmende Alternativen finden, mit denen wir Senioren so komfortabel wie möglich in die Innenstadt befördern.“ Man denke auf Kreisebene zurzeit über die Verbesserung der barrierefreien Rufbusse nach sowie über eine Fahrzeugflotte, die Rufbusse, die KVG, Anruf-Sammel-Mobile (ASM) sowie Taxen und den freigestellten Schülerverkehr in einem Fuhrpark mit nur einer Disposition zusammenfasse.

Von Kerstin Völling

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