Samstag , 3. Dezember 2022
Anzeige
Um Waldbrände schnell zu entdecken, patroulliert der Feuerwehr Flugdienst den Landkreis. (Foto: phs)

Waldbrandgefahr steigt: Landkreis sieht rot

Flugzeuge, Tankwagen und die Hoffnung auf Regen: Die Waldbrandgefahr im Landkreis steigt auf die höchste Stufe. Wie sich die Feuerwehr auf die Extremsituation vorbereitet.

Landkreis Lüneburg. Der Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes (DWD) taucht den Osten Niedersachsens in ein dunkles Rot: Deren Station in Wendisch-Evern prognostiziert für Dienstag und Mittwoch die höchste Warnstufe. Am Montag und in den kommenden Tagen kontrolliert der Flugdienst der Feuerwehr Lüneburg mit zwei Maschinen den Landkreis, um Entstehungsbrände zu entdecken und schnell reagieren zu können.

Die Cessna Typ 206 steigt in die Luft. Für die nächsten sechs Stunden schwebt das Team des Feuerwehr Flugdienstes über dem Landkreis, hält Ausschau nach möglichen Entstehungsbränden. Denn die heißen Temperaturen sowie die trockenen Böden bergen derzeit eine besondere Gefahr für brandgefährdete Vegetation, macht Kreisbrandmeister Torsten Hensel deutlich. Am Mittwoch sollen die Temperaturen auf 39 Grad Celsius klettern, der geringe Niederschlag dieses Jahr verschärfe die Situation zusätzlich.

Schnelligkeit ist das oberste Gebot

Zwei Flugzeuge sind deshalb täglich zwischen 12 und 19 Uhr im Einsatz, überfliegen die Wald-, Heide-, Moor- und Ödflächen des Landkreises. Sie sollen Brände frühzeitig erkennen und Bodeneinsatzkräfte möglichst schnell zu den oft unübersichtlichen Brandherden leiten. "Da wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Dann schicken wir auch sofort mehrere Feuerwehren raus, um die Brände sofort einzudämmen oder bestenfalls gar nicht erst entstehen zu lassen", sagt Hensel. Schnelligkeit sei das oberste Gebot, gerade die großflächigen Kiefernbestände wie in der Raubkammer (bei Munster) oder der Göhrde seien anfällig. "Wenn es da anfängt zu brennen, haben wir ein Problem", prophezeit Hensel.

Um das zu verhindern, kontrolliert zusätzlich die Waldbrandüberwachungszentrale Lüneburg mit 24 optischen Sensormasten die Lüneburger Heide. "Unsere Sensoren sind extrem leistungsfähig und können die Heide, anders als die Flugzeuge, jederzeit ganzflächig abdecken", sagt Leiter Helmut Beuke von den Niedersächsischen Landesforsten, ergänzt aber besorgt: "Die Lage ist dieses Jahr extrem gefährlich." Schon 438 Brände hat das Kontrollorgan der Feuerwehr bis dato gemeldet. Im Jahr 2021 waren es im Messzeitraum von März bis Oktober nur 160. Die Zahl der Einsatztage stieg für die Zentrale dieses Jahr schon auf 83. 2021 waren es bis Oktober 54.

Feuerwehren sind ausreichend ausgerüstet

Für die kommenden Tage setzt Kreisbrandmeister Torsten Hensel auf eine schnelle Reaktionskette und die gute Ausrüstung seiner Feuerwehren: "Die Kommunen haben da in den vergangenen Jahren viel investiert," lobt er. Neben Löschrucksäcken, die etwa 20 Liter fassen, und Waldbrandrechen würden bei Waldbränden nur noch D-Schläuche verwendet, die weniger Wasser verbrauchen und überall vorhanden seien.

Die Feuerwehr Amelinghausen könne außerdem auf einen geliehenen Tankwagen zurückgreifen, der sonst Gärsubstrat transportiert und im Notfall 28.000 Liter Wasser aufnehmen könnte. "Wir haben ja kein Wasser in den Wäldern, und unsere Fahrzeuge können höchsten 4000 Liter Wasser mitnehmen. Da kann so ein Tankwagen einen enormen Unterschied machen", beschreibt Hensel. Innerhalb von vier Minuten könnte der Laster betankt werden und wäre einsatzbereit.

Hoffnung auf Regen 

Damit aber ein Brand gar nicht erst entsteht, appelliert Hensel an die Lüneburger: "Bitte halten Sie sich an das Rauchverbot in Wäldern und entsorgen keine Zigaretten in der Natur." Feuerstellen sollten nicht genutzt und Autos mit erhitztem Katalysator nicht auf Wiesen abgestellt werden. Wer einen Brand bemerkt, bringe sich in Sicherheit und alarmiere umgehend die Feuerwehr. Genaue Beschreibungen, wo das Feuer gesichtet wurde, seien dabei besonders hilfreich, meint der Kreisbrandmeister und hofft auf Niederschläge am Mittwochabend. Laut Prognose des DWD fällt der Waldbrandgefahrenindex dann vorerst wieder auf die niedrigste Stufe.

Von Clara Dembinski

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.