Sonntag , 4. Dezember 2022
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Die aktuelle Situation beim Metronom wirft die Frage auf, wie wir in Deutschland die Verkehrswende schaffen wollen, kommentiert LZ-Redakteurin Lilly von Consbruch.
Die aktuelle Situation beim Metronom wirft die Frage auf, wie wir in Deutschland die Verkehrswende schaffen wollen, kommentiert LZ-Redakteurin Lilly von Consbruch.

Kommentar zum Metronom-Chaos: Die Situation entgleist

Dass einigen Pendlern momentan der Geduldsfaden reißt, kann LZ-Redakteurin Lilly von Consbruch nur zu gut verstehen. Sie kann sich an keinen Tag in den vergangenen Wochen erinnern, an dem die Züge pünktlich waren und wirft in ihrem Kommentar die Frage auf: Wie will Deutschland so die Verkehrswende schaffen?

Verspätung aus vorheriger Fahrt, verspätete Bereitstellung des Zuges, Vorfahrt eines anderen Zuges, Bauarbeiten, Oberleitungsstörungen oder Warten auf Anschlussreisende: Wenn ich am Hamburger oder Lüneburger Bahnhof stehe und auf den Metronom warte, spiele ich mittlerweile ein Ratespiel. Dabei geht es nicht um die Frage, ob der Zug pünktlich kommt, sondern ob er überhaupt kommt, und wenn ja mit wie viel Verspätung. Vermutlich ist das meine Bewältigungsstrategie, damit ich beim Pendeln nicht völlig die Nerven verliere: Ich kann mich an keinen Tag in den vergangenen Wochen erinnern, an dem meine Züge pünktlich abgefahren oder angekommen sind.

Wie will Deutschland die Verkehrswende schaffen?

Dass ausgerechnet ein Unternehmen mit dem Namen Metronom momentan so dermaßen aus dem Takt gerät, ist vielleicht Ironie des Schicksals. Vor allem ist es aber eines: beschämend. Die aktuelle Situation wirft nicht nur ein schlechtes Licht auf das Unternehmen, die Landesnahverkehrsgesellschaft in Hannover, die diesem die Pannenzüge vermietet, und die Bahninfrastruktur hier im Norden. Sie wirft vor allem die Frage auf, wie wir in Deutschland die Verkehrswende schaffen wollen.

Züge sind überfüllt, Verspätungen werden nicht angekündigt

Das 9-Euro-Ticket sollte Pendler vom Auto in die Bahn bekommen. Ganz ehrlich? Hätte ich die Möglichkeit, würde ich momentan lieber von der Bahn aufs Auto umsteigen. Nicht nur raubt die Unzuverlässigkeit Zeit und Nerven, denn angekündigt werden die Verspätungen und Ausfälle in der App oft nur kurz vorher. Die verbleibenden, völlig überfüllten Züge sind inmitten einer neuen Corona-Welle zudem kaum zumutbar. Und die Ausrede, dass die Situation aufgrund der Gleisbauarbeiten und des 9-Euro-Tickets derzeit so entgleist, ist schlichtweg nicht haltbar: Pendler müssen seit Jahren starke Nerven und ein gutes Durchhaltevermögen haben.

Die Zuständigen müssen handeln, um Zugfahren attraktiv zu machen

Wenn ich dann im Metronom die Stellenanzeige mit dem Spruch „Mach pendeln zu deinem Job“ lese, muss ich schon wieder lachen. Wenn es so weiter geht, verbringe ich bald ohnehin mehr Zeit beim Pendeln als in meinem Job. Vielleicht wäre es vielmehr an der Zeit, dass die Zuständigen aller beteiligten Unternehmen ihren Job richtig machen, damit die Pendler ihren behalten können. Und vielleicht doch irgendwann noch die Chance besteht, dass der ein oder andere Autofahrer umsteigt.

Von Lilly von Consbruch

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