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Auch in den 1980er und 1990er Jahren steppte am Stintmarkt regelmäßig der Bär - besonders zum traditionellen Stintfest, so wie hier 1992. (Foto: t&w)
Auch in den 1980er und 1990er Jahren steppte am Stintmarkt regelmäßig der Bär - besonders zum traditionellen Stintfest, so wie hier 1992. (Foto: t&w)

Mit Bildergalerie: „Im Sommer war jeden Tag Stintfest“

Schon lange wird am Stintmarkt gefeiert. Seit diesem Sommer soll nun das nächtliche Musikverbot den Lärmpegel eindämmen. Warum machen die Partys am Stint aktuell so viel Ärger, aber damals nicht? Lüneburger erinnern sich, wie es früher war.

Lüneburg. Das Musikverbot nach 22 Uhr am Stintmarkt und an anderen Plätzen der Innenstadt beschäftigt die Lüneburger. So auch Antje Henkys aus der LZ-Leserredaktion "Mitgeschnackt". Sie zog 1988 nach Lüneburg und feierte auch damals schon - na klar - am Stint. "Man stand dicht gedrängt, denn Sitzplätze gab es noch nicht. Und das die ganze Nacht", berichtet die heutige Rullstorferin.

Zahlreiche Partys auch unter der Woche

Auch in der LZ-Redaktion erinnern sich noch einige Mitarbeiter an diese Zeit. "Damals, Anfang der 1980er Jahre, war in den Sommermonaten eigentlich an jedem Tag Stint-Fest. Ich rede hier nicht von 100 oder 200 Leuten, sondern eher von 1000 bis 2000. Mindestens. Völlig überfüllt, jeden Abend", erzählt Chef vom Dienst Werner Kolbe. Manchmal hätte man eine Viertelstunde gebraucht, um von einer Seite des Stints zur anderen zu gelangen.

Auch LZ-Sportredakteur Andreas Safft kann vom Feiern im Wasserviertel Anfang der 1990er Jahre berichten: "Fast jeder Sonntagsdienst endete damals in einer der Kneipen am Stint, vorzugsweise im Pesel, oder auf der Treppe Richtung Ilmenau. Nur zum Quartalsende machten wir lieber einen großen Bogen um den Stint, da dort unzählige Soldaten das Ende ihrer Dienstzeit mit einem großen Besäufnis feierten."

Soldaten aus drei Lüneburger Bundeswehr-Kasernen sowie Mitarbeiter des Bundesgrenzschutzes waren damals noch in der Hansesetadt stationiert und trugen dazu bei, dass es auch wochentags um den alten Kran voll wurde. "Am frühen Morgen war das Kopfsteinpflaster dann schon mal übersät mit Plastikbechern, die Kehrseite der Feierfreuden", weiß heute noch LZ-Redaktionsleiter Malte Lühr.

Was hat sich geändert?

Alte Fotos aus dem LZ-Archiv von Alltagsszenen und den traditionellen Stintfesten zeigen ähnliche Szenen. Henkys fragt sich deshalb, ob es für die Feiernden damals mehr Toleranz gab: "Oder war die Problematik ähnlich und nur wir haben das vergessen oder nicht mitbekommen?"

Hinweise auf Beschwerden der Anwohner finden sich in der Berichterstattung erstmals 2012, als auch das traditionelle Stintfest verkürzt wurde und nur noch bis 24 Uhr gefeiert werden durfte. "Es kann keine Ganznachtsfete geben, weil es auch Schutzbedürfnisse der Anwohner gibt.", erklärte damals der stellvertretende Ordnungsamt-Leiter Harald Domanske im Vorfeld des Festes. In den Folgejahren wurde das Fest immer kleiner und fand 2015 zum letzten Mal statt.

 

Abseits der Stintfest-Tage wurde Musik jedoch nur drinnen abgespielt, Smartphones und Bluetooth-Boxen gab es noch nicht. "Laut war nur dieser riesige Wortschwall, der über dem gesamten Stint hing. Und ein paar Biker, die auf der Stintbrücke noch mal auf sich aufmerksam machen mussten, bevor sie ihren Hobel rund um den alten Kran abstellten", so Kolbe.

Welche Erinnerungen haben Sie an das abendliche Treiben am Stintmarkt - als Besucher oder als Anwohner? Wir freuen uns über Zuschriften an dialog@landeszeitung.de .

von Katja Hansen