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Wie wirkt sich das 9-Euro-Ticket auf den Alltag der Pendler aus? – 5 Menschen erzählen

Lüneburg. Menschenmassen auf dem Bahnsteig, überfüllte Züge, Verspätungen, Zugausfälle –  das 9-Euro-Ticket belastet die Infrastruktur der Bahn zunehmend. Gleichzeitig scheinen viele Menschen das Angebot zu nutzen. Der Andrang sendet das deutliche Signal: Viele Menschen würden ein günstiges Ticket nutzen. Vor allem in den Ferien und am Wochenende.   

Doch wie geht es den Menschen, die die Bahn regelmäßig nutzen oder täglich damit zur Arbeit pendeln? Was sagen die Menschen, die die Belastungen durch das 9-Euro-Tickets täglich zu spüren bekommen? Um diese Fragen zu beantworten, veröffentlichte die LZ einen Aufruf über Facebook und Instagram.

Schon die vielen Kommentare unter diesem Beitrag zeigen: Das 9-Euro-Ticket polarisiert. Es meldeten sich allerdings auch Menschen persönlich bei uns. Hier kommen ihre Beiträge und Meinungen über das 9-Euro-Ticket: 

Caroline Stobbe

„Ich bin Studentin an der Universität Hamburg, lebe jedoch seit acht Jahren in der Hansestadt Lüneburg. Im Semester pendle ich drei bis fünf Tage die Woche nach Hamburg. Bis Juni war das für mich überhaupt kein Problem, ich fahre sehr gerne Bahn. Natürlich gab es ständig Verspätung, die hielten sich jedoch im Rahmen.

Die aktuelle Kombination jedoch aus 9-Euro-Ticket, Baustelle und Sommerferien stellt eine absolute Zumutung dar. Ich kann einfach nicht verstehen, warum das Ticket, das ja an sich eine schöne Idee ist, nicht zeitlich begrenzt wird, sodass Tourist:innen das Ticket beispielsweise lediglich zwischen zehn und 15 Uhr nutzen können.

Ich hätte nie gedacht, dass ich mir einmal wünschen würde, dass weniger Menschen Zug fahren, aber nun ist es soweit. Sollte zukünftig geplant sein, den öffentlichen Nahverkehr günstiger zu machen, dann begrüße ich das sehr, aber für Pendler:innen, die gezwungenermaßen pünktlich zur Arbeit kommen müssen, hoffe ich, dass die Parameter geändert werden.“

Christine Kühlkamp

„Generell finde ich das 9-EuroTicket super und würde mich auch über einen Nachfolger freuen. Allerdings ist die Bahn derzeit nicht bereit dafür. Denn wenn sie mehr Menschen von der Straße auf die Schiene bekommen möchte, müsste das Schienennetz erst einmal ausgebaut werden.

Es kann nicht sein, dass Züge total überfüllt sind, dass Fahrgäste den Zug verlassen müssen, weil er zu voll ist, dass es in den Zügen viel zu warm ist und man keine Luft mehr bekommt. Dass Verspätungen der Normalzustand sind und keine Ausnahme.

Dass Pendler pro Woche zwischen drei bis fünf Stunden mehr Fahrzeit als normal haben. Dass regelmäßige Züge ausfallen wegen Personalmangels oder defekter Züge, dass keine Fahrräder mitgenommen werden können. So lange nicht erst einmal die Infrastruktur da ist, braucht die Bahn über einen Nachfolger gar nicht nachzudenken.“

Linus Vogel

„Ich pendle alle zwei Wochen von Büsum nach Lüneburg aufgrund von Arztterminen. Das macht für mich das 9-Euro-Ticket erst möglich. Es ist jedes Mal sehr stressig und ich weiß schon im Vorhinein, dass ich die geplante Verbindung nicht erreichen werde.

Spontan alles neu zu planen, gehört also mit dazu… trotzdem nehme ich das in Kauf, da eine Hin- und Rückfahrt mit meinem Auto circa 110 Euro entsprechen. Das kann man sich als Student nicht unbedingt leisten…Trotz aller Strapazen profitiere ich also vom 9-Euro-Ticket.“

Lara Runge

„Ich pendle beruflich zwischen Lüneburg und Hamburg, arbeite in Vollzeit und bin schwanger. Da ich kein Auto habe, bin ich darauf angewiesen auch weiterhin mit dem Zug zu fahren. Die Erfahrungen der letzten Monate waren allerdings so katastrophal, dass ich mich zeitweise habe krankschreiben lassen – nicht aufgrund der Arbeit, sondern aufgrund der Zustände beim Pendeln.

Die Züge hatten regelmäßig eine Verspätung zwischen fünf und 50 Minuten, manchmal sind sie ganz ausgefallen und die wenigen die dann gefahren sind waren maßlos überfüllt. Unterm Strich ist die Idee des 9-Euro-Tickets gut – die Zustände bei der Bahn und dem Metronom waren aber bereits vorher so katastrophal, dass das Chaos eigentlich absehbar war.

Ich bin absolut für eine Fortführung und für erschwinglichen öffentlichen Nahverkehr, aber da sind vorher einige Baustellen zu beseitigen. Wortwörtlich und im übertragenen Sinne.“

Thomas Weigelt

„Ich habe es etwa zehn Mal versucht, aber durch die Unzuverlässigkeit der Bahn wäre meine Fahrtzeit für 45 Kilometer des Öfteren von 45 auf 100 Minuten angewachsen. Pro Tour! Da habe ich es wieder aufgegeben.“

Weitere Stimmen

Top

„Coole Sache, kann man aber noch im Detail verbessern.“

„Ich habe den ÖPNV gerne von Vögelsen nach Lüneburg benutzt statt des Autos.“

„Ich fand es sehr gut, so günstig zur Arbeit zu kommen.“

„Das 9-Euro-Ticket ist preislich angemessen im Verhältnis zur Zuverlässigkeit und dem Fahrkomfort. Es ist so günstig, dass man Ausfälle, Verspätungen, überfüllte Züge etc. als verschmerzbar akzeptieren kann.“

„Das Ticket ist echt eine Preisersparnis. Wir können jetzt überall hin.“

„Definitiv vom Auto in die Bahn. Sollte man mal in Zukunft bei einem ähnlichen Tarif stehen lassen. Selbst bei dem 9-Euro-Ticket konnte die angestiegene Nachfrage immer noch abgefangen werden.“

Flop

„Bin nur froh, wenn es ein Ende hat.“

„Ich habe mich noch nie so sehr auf den 1. September gefreut!“

„Freue mich über jeden Tag, an dem ich mit dem Auto fahren kann!“

„Mir persönlich ist ein verlässlicher, pünktlicher Metronom wichtiger als ein 9-Euro-Ticket. Wenn 9-Euro-Ticket, dann außerhalb der Rush Hour.“

„An sich eine tolle Sache, aber die Praxis beweist leider wieder mal das Gegenteil...“

„Ich werde immer weiterhin Auto fahren. Dieses 9-Euro-Ticket hat alles nur noch verschlimmert.“

Kommentare

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