Sonntag , 4. Dezember 2022
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Bei drei Sportangeboten für Kinder packt Bashar Almariri beim TuS Reppenstedt mit an. Ein Ehrenamt, auf das er lange hingefiebert hat. (Foto: be)

Serie über Ehrenamt: Bashar packt beim Tus Reppenstedt an

In einer Serie stellt die LZ Menschen vor, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich engagieren. Dieses Mal: Bashar Almariri. Der Fußballer konnte seinen 14. Geburtstag kaum abwarten – dann nämlich durfte er endlich beim Kindersport des TuS Reppenstedt mit anpacken.

Reppenstedt. Bevor Bashar Almariri und seine Schwester Shahed montags gemeinsam die Turnhalle in Reppenstedt betreten, vergisst er eines nie: „Ich erinnere sie daran, dass ich für eine Stunde ihr Trainer bin und nicht ihr Bruder. Manchmal will sie einen Sonderstatus haben“, verrät der 14-Jährige schmunzelnd. Bashar aber möchte beim "Turnen – Sport und Spaß" des TuS Reppenstedt allen Kids gleichermaßen gerecht werden. Seit Kurzem unterstützt er die Übungsleiterinnen, hilft beim Auf- und Abbau, passt an den Geräten auf und leitet bereits Übungen und Spiele an. "Ich mache immer das, was mir selbst Spaß macht. Ich glaube, das kommt gut an."

Es ist ein Ehrenamt, auf das Bashar lange hingefiebert hat: "Am liebsten hätte ich schon vor zwei Jahren angefangen, aber leider muss man mindestens 14 Jahre alt sein", gibt er zu Bedenken. Damals brachte er seine kleine Schwester öfter zum Training und blieb jedes Mal ein bisschen länger, weil ihm die Atmosphäre so gefiel. "Man fühlt sich wieder wie ein kleines Kind und erinnert sich an seine eigene frühe Kindheit zurück."

Seit 14. Geburtstag fester Bestandteil des Übungsleiterteams

Deshalb stand er auch direkt nach seinem 14. Geburtstag wieder auf der Matte und wurde schließlich fester Bestandteil des Übungsleiterteams. Für dreieinhalb Stunden kommt Bashar montags für den TuS Reppenstedt in die Halle, betreut inzwischen sogar zwei Turngruppen sowie die Jungs beim Trakour, dem Indoor-Einstieg fürs Parkour. "Danach gehe ich gerne erstmal schlafen", erzählt er lachend.

Der Lärmpegel, die vielen Kinder, daran muss er sich gewöhnen. Ebenso daran, sich trotzdem Gehör zu verschaffen. „Manchmal muss ich lauter durchgreifen, aber ich bekomme viel positives Feedback.“

Auf die Stunden jedenfalls freut er sich jede Woche aufs Neue. "Es ist toll, wenn die Kinder Spaß haben oder ich sie zum Beispiel zu etwas motivieren kann, vor dem sie bisher Angst hatten", berichtet er und zeigt auf ein Mädchen am Trampolin. "So wie Mariam dahinten, die durch meinen Ansporn doch noch einen Salto geschafft hat."

Bashar floh mit Familie aus Syrien

Einen Fanclub hat er auch: "Es gibt einige Kinder, die wie ich arabische Wurzeln haben, die wenden sich gerne an mich, manchmal sprechen wir dann auch arabisch." Bashar weiß zu gut, wie es ist, in einem fremden Land aufzuwachsen. Er selbst flüchtete 2015 mit seiner Familie aus seiner Heimat Syrien. „Zuerst nach Jordanien, drei Jahre später sind wir nach Deutschland gekommen und wohnten zuerst in einer Flüchtlingsunterkunft in Deutsch Evern.“

Dort hatte Bashar alles andere als einen einfachen Start: „Ich fühlte mich in der Grundschule sehr ausgegrenzt, vor allem wegen der Sprachschwierigkeiten." Schließlich lernte er in einem zweimonatigen Crashkurs Deutsch: "Ich wollte mich endlich verständigen und verbal verteidigen können.“ Umso stolzer ist er, es auf das Oedemer Gymnasium geschafft zu haben, wo er nach den Sommerferien die 9. Klasse besucht.

Vor allem der Sport baute ihm eine Brücke. Bashar ist Fußballer mit Leib und Seele. Er spielte zwei Jahre für den SV Ilmenau, danach drei Jahre für den TuS Reppenstedt, bevor er zur SV Eintracht wechselte. Zurzeit aber muss Bashar pausieren: Nach Bänderriss und Kniescheibenbruch ist fraglich, wann er wieder gegen den Ball treten kann.

Möchte Assistenzschein im Kinderturnen machen

Viel Zeit also, sich zum Beispiel um Fortbildungen zu kümmern. Der 14-Jährige möchte unbedingt den Assistenzschein im Kinderturnen machen. „Ich warte nur darauf, dass in der Nähe ein Termin angeboten wird.“

Das hört Thomas Bleckwenn, 2. Vorsitzender und verantwortlich für die Übungsleiter beim TuS Reppenstedt, gerne. "Trainer zu finden, wird immer schwieriger, deshalb sind wir glücklich, dass wir Bashar gewinnen konnten und werden ihn in seinem Werdegang natürlich unterstützen. Es ist toll, wenn sich schon junge Menschen für den Verein engagieren." Für Bashar ist klar: "Ich möchte dem Sport auch auf Dauer als Trainer treu bleiben."

Initiativen kennenlernen

Treff.Ehrenamt

Jeden zweiten Samstag im Monat stellen sich verschiedene Vereine und Initiativen aus Lüneburg und Umgebung auf dem Marktplatz vor. Beim "Treff.Ehrenamt" können sich Interessierte von 11 bis 13 Uhr über die Arbeit und Aufgabengebiete der anwesenden Organisationen informieren. Am heutigen Sonnabend warten vor dem Rathaus Mitglieder des DRK Ortsverbands Lüneburg-Stadt e.V. und von terre des hommes Lüneburg.

Von Kathrin Bensemann

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