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So soll der IHK-Komplex von der Heiligengeiststraße aus aussehen. (Visualisierung: Studio Andreas Heller Architects & Designers)
So soll der IHK-Komplex von der Heiligengeiststraße aus aussehen. (Visualisierung: Studio Andreas Heller Architects & Designers)

IHK rückt von Neubauplänen ab

Die IHK plant nun doch keinen Teilabriss und Neubau. Stattdessen sollen der bestehende Gebäudekomplex umgestaltet und erweitert werden. Die geänderten Baupläne sollen die Bauzeit, Immissionen und Kosten reduzieren.

Lüneburg. Die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) ändert die Pläne zur Generalsanierung und Erweiterung des Hauptsitzes am Platz Am Sande in Lüneburg. Die Vollversammlung beschloss in einer Sitzung am Donnerstag, 15. September, eine neue Architekturstrategie, mit der anstelle eines Abrisses von drei Gebäudeteilen aus dem 20. Jahrhundert deren Umgestaltung und Erweiterung realisiert werden soll. Das teilte die Kammer in einer Pressemitteilung mit.

Damit reagiert die IHKLW auf Kritik aus der Nachbarschaft, die bei Umsetzung der ursprünglichen Pläne eine starke Beeinträchtigung ihrer Geschäfte während der Bauphase befürchtet hatte. Im Rahmen der Vorplanung waren zudem bautechnische und archäologische Risiken wegen der für einen Neubau notwendigen tiefen Baugrube entdeckt worden.

Das mit der Planung beauftragte Hamburger Büro Andreas Heller Architects & Designers (AHAD) entwickelte in den vergangenen vier Monaten eine Alternativplanung, die über die Vermeidung von Risiken hinaus eine Reihe von Zusatznutzen enthält. So können durch den Erhalt von Bausubstanz über 9.000 Tonnen CO2-Immissionen eingespart werden. Durch den weit geringeren Rückbau sinkt zugleich die Belastung der Anrainer. Auch die Bauzeit liegt um sieben Monate unter der der Neubauvariante. Mit den eingesparten Kosten der Alternativplanung können die erheblichen Baukostensteigerungen der vergangenen zwölf Monate ausgeglichen werden, so dass die IHKLW an dem bisherigen Kostenrahmen von 25 Millionen Euro festhalten kann.

So soll der IHK-Komplex von der Grapengießerstraße aus aussehen. (Visualisierung: Studio Andreas Heller Architects & Designers)
So soll der IHK-Komplex von der Grapengießerstraße aus aussehen. (Visualisierung: Studio Andreas Heller Architects & Designers)

IHKLW-Präsident Andreas Kirschenmann erinnert an die vielen Gespräche mit Nachbarn in den zurückliegenden Monaten. „Wir haben zugehört. Uns mit den Sorgen und Wünschen aus der Nachbarschaft auseinandergesetzt und geschaut, was geht, ohne von unseren eigenen Zielen eines multifunktionalen Dienstleistungs- und Veranstaltungsbaus abzurücken.“ Die Auswirkungen der Baustelle auf die Anrainer würden geringer sein und die Bauzeit um ein halbes Jahr kürzer. Auch Kosten- und Technikrisiken würden reduziert, so Kirschenmann: „Die IHK Lüneburg-Wolfsburg hat sich in Zeiten von Energieknappheit und Klimawandel entscheiden, verantwortungsvoll mit dem Bestand umzugehen und setzt trotzdem ein Zeichen von Innovation im Bau.“

Kirschenmann betont, dass der im Februar getroffene Baubeschluss nie grundsätzlich in Frage gestanden habe. „Wir wollen die Zukunftsfähigkeit unserer IHKLW aktiv gestalten. Und wir wollen dies an unserem historischen Sitz machen, wo die IHKLW eine hohe Sichtbarkeit genießt und zugleich ein Zeichen für den Standort Innenstadt setzen kann.“

IHKLW-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert freut sich, dass mit der Alternativplanung auch die Ziele der Neugestaltung des IHK-Gebäude erreicht werden. Demnach wird die Gesamtfläche um rund ein Drittel wachsen, es werden zusätzliche Veranstaltungs- und Sitzungsräume entstehen und moderne Arbeits- und Kommunikationsformen ermöglicht.

Architekt Andreas Heller sagt: „Planung von Architektur ist für uns neben einem umfassenden Gestaltungsanspruch auch ein dialogischer Prozess.“ Die Entscheidung der IHKLW für einen umfassenden Umbau und eine Neugestaltung des Bestandes bezeichnet Heller als „Weiterbau“. Damit würden die historischen Elemente des IHK-Baus aus dem 16. und 20. Jahrhundert betont und in die Zukunft entwickelt. Konkret umsetzen will das AHAD-Team den Weiterbau mit auf den Bestand aufgesetzten Baukörpern, die sich in das historische Backsteinumfeld einfügen, aber einen eigenständigen Akzent setzen. „Damit wird im historischen Stadtkern Lüneburgs eine Gebäudekomposition geschaffen, welche in ihrer Ausstrahlung modern, positiv und zukunftsbejahend das Stadtbild prägen wird“, erklärte Heller. lz