Montag , 5. Dezember 2022
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Klaus Niclas gehört zu den erfahrenen Stadtführern, die Touristen Lüneburgs schönste Seiten präsentieren - drinnen wie draußen. (Foto: A/t&w)
Klaus Niclas gehört zu den erfahrenen Stadtführern, die Touristen Lüneburgs schönste Seiten präsentieren - drinnen wie draußen. (Foto: A/t&w)

Tourismus in Lüneburg floriert

Nach zwei mauen Jahren infolge von Corona verzeichnen Stadt und Landkreis wieder steigende Tourismuszahlen. Manchmal ist die Nachfrage sogar größer als das Angebot. Besonders Stadtführungen sind stark gefragt.

Lüneburg. Der Tourismus boomt nach der Corona-Flaute in Stadt und Landkreis Lüneburg. Die Übernachtungszahlen haben wieder kräftig angezogen, davon profitieren unter anderem Handel und Gastronomie. Allerdings hat das Hotel- und Gaststättengewerbe auch ein großes Problem: Der Fachkräftemangel trifft diese Branche besonders.

"Die Nachfrage war größer als das Angebot"

Laut niedersächsischem Landesamt für Statistik kam Lüneburg schon bis Ende Juni an die Zahlen von 2019 heran. Mit 153.997 Übernachtungen (Vergleich zum Vorjahr +181,6 Prozent, da galt allerdings noch zum Teil Beherbergungsverbot bei Privatreisen) fehlen im Vergleich zu 2019 „nur“ 4,8 Prozent. „Wir hätten noch mehr Gäste unterbringen können, die Nachfrage war viel größer als das zur Verfügung stehende Angebot“, berichtet Judith Peters, Leiterin der Lüneburger Tourist-Info. „Die Gäste entscheiden sich immer kurzfristiger und kommen einfach ohne Buchung zu uns. Leider müssen wir sie dann oft vertrösten, aber eine Stadtführung und Souvenirs werden auf jeden Fall gekauft.“ Als heimliche „Hauptstadt der Stadtführung“ hatte der Verein Lüneburger Stadtführer alle Hände voll zu tun und es gab viele Tage, die komplett ausgebucht waren.

Vor der Tourist-Info lange Schlangen

Die Tourist-Info im Rathaus ist von April bis Dezember sieben Tage die Woche geöffnet. Trotz vier besetzter Servicestellen bildeten sich oft lange Schlangen vor dem Rathaus. Auch die Telefonleitungen liefen heiß; besonders die Heideblüte und das schöne Wetter lockten die Besucher. Dabei sind auch zunehmend neue Zielgruppen wie Rad-Touristen und Familien in der Hauptstadt der Heide anzutreffen. „Wir bauen unser Angebot daraufhin in den nächsten Jahren weiter aus“, erklärt Melanie-Gitte Lansmann, Geschäftsführerin der Lüneburg Marketing GmbH (LMG). Sie will mit dem Team die touristische Strategie weiterentwickeln.

Veranstaltungen stark besucht

Auch die Veranstaltungen der Lüneburg Marketing GmbH im ersten Halbjahr waren wieder ein Gewinn für die Stadt: Die Frühjahrsedition der „Nacht der Clubs“ kam sehr gut an. Mitte Juni erfreuten sich mehr als 100.000 Menschen an der Neuauflage des Stadtfestes unter dem Motto „Lüneburg feiert“. Genauso belegen die Zahlen auch den Erfolg der beiden Erlebnis-Sonntage im März und Juli mit je rund 35.000 Besuchern. In der zweiten Jahreshälfte locken weitere Veranstaltungen: Am ersten Oktoberwochenende laden der „Tag der Straßenmusik“ und die Schaustellermeile am Sande zum Shoppingerlebnis ein. Am 6. November folgt der „Blaulichttag“.

Auch im Landkreis boomen die Übernachtungen

Auch der Landkreis Lüneburg verzeichnete im ersten Halbjahr des Jahres rund 291.000 Übernachtungen von Gästen aus dem In- und Ausland – gut dreimal so viele wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres (plus 205 Prozent). Darauf macht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aufmerksam, die sich auf Angaben des Statistischen Landesamtes beruft. „Dass wieder viel mehr Urlauber und Geschäftsreisende in den Kreis kommen, ist für das Hotel- und Gaststättengewerbe eine gute Nachricht – vor allem auch für die Beschäftigten. Nach zweieinhalb Jahren Pandemie kehrt die Branche Stück für Stück auf das alte Niveau zurück“, sagt Steffen Lübbert, Geschäftsführer der NGG-Region Lüneburg. Von der „Normalität“ seien viele Hotels und Pensionen aber noch weit entfernt. Der Grund: Den Unternehmen gelingt es laut Gewerkschaft kaum, genug Personal für die wachsende Arbeit zu finden.

Problem ist der Fachkräftemangel

Zwar hätten derzeit viele Branchen mit dem Mangel an Fachleuten zu kämpfen, doch im Gastgewerbe falle die Suche nach qualifizierten Kräften besonders schwer. Das liege vor allem an den Arbeitsbedingungen, urteilt Lübbert: So klagten im letzten DGB-Ausbildungsreport 59 Prozent der angehenden Hotelfachleute und 54 Prozent der Azubis in der Küche, regelmäßig Überstunden machen zu müssen – ein Spitzenwert. „Wer im Gastgewerbe arbeitet, ist nicht nur spätabends oder am Wochenende im Einsatz. Die Beschäftigten erfahren oft auch erst am Vortag vom Chef, dass sie einspringen sollen.“ Zum Beispiel, weil sich die Wettervorhersage geändert hat und einen Run auf den Biergarten erwarten lässt. „So kann niemand seinen Alltag planen – schon gar nicht, wer Kinder hat“, sagt Lübbert. Nach Einschätzung des Gewerkschafters ist ein erheblicher Teil der rund 3330 Menschen, die das Gastgewerbe im Kreis Lüneburg beschäftigt, von dieser „Arbeit auf Abruf“ betroffen. lz/as

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