Samstag , 3. Dezember 2022
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Alexander Graf Lambsdorff, Jakob Blankenburg, Claudia Kalisch, Prof. Karsten Brüggemann, Elisabeth Motschmann, Thomas von Lüpke und Merit Kopli (von links) liegt viel an einer starken Beziehung zwischen Deutschland und dem Baltikum.
Alexander Graf Lambsdorff, Jakob Blankenburg, Claudia Kalisch, Prof. Karsten Brüggemann, Elisabeth Motschmann, Thomas von Lüpke und Merit Kopli (von links) liegt viel an einer starken Beziehung zwischen Deutschland und dem Baltikum. (Foto: t&w)

Deutsch-Baltische Kulturtage: Appell für das Miteinander

Der Krieg in der Ukraine beschäftigt die Gäste der diesjährigen Deutsch-Baltischen Kulturtage: Für Estland, Lettland und Litauen gehe es jetzt darum, international sichtbar zu werden, betonte Alexander Graf Lambsdorff (FDP), Vorsitzender der Deutsch-Bal­tischen Parla­mentariergruppe. „Es müssen alle NATO-Verbündeten verstehen, was für eine wichtig Region das ist – wie stark die Spannung, wie hoch das Risiko dieser jungen Länder ist.“

Lüneburg. Lüneburg und das Baltikum pflegen eine enge Beziehung – und zwar nicht nur auf dem Papier. „Lüneburg ist eine Stadt, die sich mit ganzem Herzen und voller Kraft für die Partnerschaft mit Estland und besonders mit der Hansestadt Tartu engagiert“, betont Merit Kopli, Vertreterin der Estnischen Botschaft in Berlin, am Sonntag beim Festakt der diesjährigen Deutsch-Baltischen Kulturtage in Lüneburg. Ausdruck dieser Verbindung ist neben einer seit 1993 bestehenden Städtefreundschaft auch das Engagement der Carl-Schirren-Gesellschaft mit Sitz in Lüneburg, die in diesem Jahr zum 73. Mal an der Ilmenau getagt hat.

Als kulturelle Vereinigung hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, das deutsch-baltische Kulturerbe zu pflegen, zu erforschen und lebendig zu halten. In ihrem Archiv sammelt und bearbeitet die Gesellschaft Nachlässe, Manuskripte, Dokumente, Urkunden und vieles mehr. Das von ihr gegründete Deutsch-Baltische Zukunftsforum ist der kulturellen und wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit Estland, Lettland und Litauen im Sinne der Völkerverständigung verpflichtet, vergibt Stipendien an Studenten und fördert die Erforschung und Aufbereitung der Geschichte.

Schmerzhafte Erinnerungen

Ein Einsatz für Dialog und Miteinander, lobt Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch. „Das ist so wichtig in diesen Zeiten.“ Denn der Krieg in der Ukraine treffe die baltischen Staaten besonders hart. „Nirgendwo sonst kommen sich NATO und Russland so gefährlich nah. Baltische Länder haben die Unabhängigkeit von der Sowjetunion gewonnen – und die Bedrohung ist jetzt real, jetzt haben sie Angst vor dem Krieg.“

Das untermauert auch „der letzte verbliebene Deutschbalte im Bundestag“, wie er sich selbst vorstellt: Alexander Graf Lambsdorff (FDP), Vorsitzender der Deutsch-Bal­tischen Parla­mentariergruppe. „Estland, Lettland und auch Litauen teilen sich ja eine gemeinsame Geschichte über viele Jahre mit Russland, die geprägt ist von schmerzhaften Erinnerungen, von Terror und von Deportation“, erinnert er. Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit sei der Angriff Russlands auf die Ukraine für das Baltikum deshalb ein „umso erschütternderer Einbruch“. Für diese Staaten gehe es jetzt darum, international sichtbar zu werden. „Es müssen alle NATO-Verbündeten verstehen, was für eine wichtig Region das ist – wie stark die Spannung, wie hoch das Risiko dieser jungen Länder ist.“

Ein Online-Portal für baltische Archivalien

Die baltische Kultur und Geschichte sichtbar machen: Einen Teil dazu trägt auch die Carl-Schirren-Gesellschaft bei, die gerade zusammen mit dem Herder-Institut daran arbeitet, ein Online-Portal für baltische Archivalien zu erstellen, das „aller Welt Zugang bietet zu den Schätzen, die sich in Marburg, Lüneburg und Darmstadt befinden“, wie Vorsitzender Thomas von Lüpke berichtet. Auch das sei ganz im Sinne des Austauschs, lobt Kalisch. „Eine Brücke zwischen Deutschland und dem Baltikum, zwischen Vergangenheit und Zukunft.“

Von Anna Petersen

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