Samstag , 3. Dezember 2022
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Lena Nzume und Pascal Mennen (Grüne).
Lena Nzume und Pascal Mennen (Grüne) möchten Ideen für eine bessere Migration im Schulalltag mit nach Hannover nehmen. (Foto: t&w)

Den Schulalltag verbessern

Pascal Mennen und Lena Nzume von den Grünen sprechen mit Lüneburgern über das Schulsystem und die Frage, wie Diskriminierung abgebaut und Migration verbessert werden kann.

Lüneburg. Wie können Schulen den Unterrichtsalltag für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund verbessern und Chancenungleichheiten beheben? Diese Frage hat Pascal Mennen am Montagabend im Kaffeehaus Kaltenmoor mit interessierten Lüneburgerinnen und Lüneburgern sowie mit und Lena Nzume diskutiert, die er dafür eingeladen hatte. Die zwei Landtagskandidaten der Grünen (Pascal Mennen in Lüneburg, Lena Nzume in Oldenburg) haben beim Thema Diskriminierung in der Schule eigene Erfahrungen gemacht. Pascal Mennen ist Lehrer geworden und hat Lehrkräfte zu queeren Themen geschult. Lena Nzume, von Haus aus Soziologin, ist Dozentin an der Uni Oldenburg und gibt Kurse für angehende Lehrkräfte. Für beide ist klar: Das System Schule muss sich verbessern.

"Lehrkräfte müssen sensibler sein für Vielfalt"

Für Lena Nzume sei eines der großen Probleme, dass in der Schule eine bestimmte Lebensweise als die normale angesehen wird – und alles andere das nicht Normale ist. "2015 sind viele Kinder aus dem Ausland an deutsche Schulen gekommen, und man hat gesagt: Oh, auf einmal sind die Kinder so heterogen, anstatt zu sagen, alle Kinder sind eh heterogen." Man habe dann gemeint, diese Kinder seien die anderen und man brauche Strategien, um mit ihnen umzugehen. "Aber Schule sollte so agieren, dass alle Kinder in einer Klasse gut lernen können."

Vorurteile würden zum Beispiel durch Lehrmaterialien verstärkt werden, wenn eine klassische Familie immer nur mit Mutter, Vater und zwei Kindern abgebildet werde. "Diskriminierung ist oft latent und nicht absichtlich", sagte Lena Nzume. Etwa die Frage: "Lena, du kommst doch aus Kamerun, erzähle doch mal etwas über Afrika", könne Kinder in die Bredouille bringen, die sicher keine Experten ihres Heimatlandes oder gar des Heimatlandes ihrer Eltern oder Großeltern seien.

Auch Pascal Mennen findet: "Lehrkräfte müssen sensibler sein für Vielfalt." Aus- und Fortbildungen für Lehrkräfte zu diesem Thema müssten ausgebaut werden. "An meiner Schule war ich zum Beispiel gut mit einer Schülerin befreundet, die einen türkischen Vater hat. Ihr wurden von Lehrkräften oft irgendwelche Hilfen angeboten, dabei hatte sie vielmehr mir geholfen."

Schriftsprache als große Hürde für Nicht-Muttersprachler

Das Thema Migration und Schule bewegte auch die Besucher der Veranstaltung: "Es ist furchtbar mit anzusehen, wie viele Hindernisse im System angelegt sind. Weil alles an einer perfekten Sprache hängt, vor allem einer perfekten Schriftsprache", sagte eine Oberschullehrerin. Kinder, die neu nach Deutschland kämen, würden nach zwei Jahren Sprachschule so benotet werden wie alle Muttersprachler. "Und das ist nicht zu bewältigen für diese Kinder. Sie haben so viele Ressourcen, so viel Energie, sie wollen jetzt ins Leben starten, und dann erleben sie in der Schule nur 'ich scheitere'." Hier müsse die Politik handeln, befand sie.

Darüberhinaus diskutierten die Besucher unter anderem noch über die Frage, wie sinnvoll zweisprachiger Unterricht sei und warum oft zu wenig Eltern mit Migrationsgeschichte in den Elternvertretungen sitzen würden bzw. wie dies zu ändern wäre.

"Wir haben beide aussichtsreiche Listenplätze", sagte Pascal Mennen über sich und Lena Nzume. "Wir möchten daher hier Themen und Anregungen mit in den Landtag nehmen und schauen, an welchen politischen Stellschrauben wir drehen können." Punkte auf der Liste seien beispielsweise andere Maßstäbe für Nicht-Muttersprachler anzusetzen, die Klassengrößen zu verringern und mit multiprofessionellen Teams auszustatten sowie Fort- und Weiterbildungen zu Diskriminierungsverhältnissen auszubauen.

Von Laura Treffenfeld

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