Mittwoch , 30. November 2022
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In einigen Teilen des Landkreises kann die LZ aktuell nur mit der Post zugestellt werden. Der Grund ist ein hoher Krankenstand bei den Zustellern. (Foto: t&w)
In einigen Teilen des Landkreises kann die LZ aktuell nur mit der Post zugestellt werden. Der Grund ist ein hoher Krankenstand bei den Zustellern. (Foto: t&w)

Neue Strukturen sollen Beruf des Austrägers attraktiver machen

Von 236 Zustellern des Heid Löpers, die die Landeszeitung austragen, sind derzeit 17 Prozent erkrankt. Das alleine wäre kein Problem, gibt es doch für diese Fälle Ersatz. Doch auch von diesen Springern fällt derzeit die Hälfte aus. Deshalb kommt die LZ in einigen Gebieten verspätet mit der Post. Das Unternehmen weiß: Es braucht einen Strukturwandel, um den Beruf des Austrägers wieder attraktiv zu machen. Und der ist schon in vollem Gange.

Lüneburg. Personelle Ausfälle gibt es immer wieder, damit muss ein Unternehmen rechnen, sagt der Geschäftsführer der Heid Löper GmbH, Thomas Gräble. So sollte auch die Krankheitsquote unter den Mitarbeitern von derzeit 17 Prozent auf das Unternehmen, das unter anderem die Landeszeitung zustellt, eigentlich keine großen Auswirkungen haben. Doch wenn dann auch noch der Plan B wegfällt, wird es brenzlig: "Bei unseren Springern, also den Ersatzkräften, haben wir aktuell eine Ausfallquote von 50 Prozent", sagt Gräble. Deshalb kommt es momentan in einigen Bereichen des Landkreises zu verspäteten Zustellungen der LZ.

Gräble betont: "Für die Mitarbeiter ist es natürlich auch frustrierend, wenn die Zustellung nicht funktioniert. Die sind nur noch am Rödeln, aber können nicht alles auffangen." Nicht nur Corona sei Schuld an der derzeitigen Problematik, auch andere Erkrankungen hätten um sich gegriffen.

Strukturen ändern, um Beruf attraktiv zu machen

Die aktuelle Situation legt aber auch noch andere Probleme offen. Gräble erklärt: "Die Struktur, die mehr als 50 Jahre lang funktioniert hat, reicht nicht mehr aus." Bei der Zustellung der Zeitung könne nicht mehr nur zu einem großen Teil auf Menschen gesetzt werden, die sich etwas dazu verdienen wollen. "Wir haben große Probleme, Menschen zu finden, die nachts arbeiten wollen", erzählt Gräble. Um darauf zu reagieren, stellt der Heid Löper schon seit einiger Zeit sukzessive seine Struktur um: Weg von Minijobs, hin zu Vollzeitbeschäftigten. "Vor Corona hatten wir zum Beispiel nur zwei Springer, die vollzeitbeschäftigt sind, nun sind es zwölf. Perspektivisch werden wir das auf 20 bis 30 aufstocken" Und auch in anderen Bereichen wird es Veränderungen geben, Gräble betont aber: "Wir werden niemandem kündigen, sondern die Stellen, die frei werden zusammenfassen und somit auf Vollzeit umstellen."

Dadurch werden unter anderem die Arbeitszeitmodelle neu gedacht, es muss nicht wie historisch gewachsen eine sechs-Tage-Wochen bleiben. Im Fokus stehe dabei das Ziel, den Beruf des Austrägers wieder für deutlich mehr Menschen attraktiv zu machen, "denn wir sind uns sicher, für jeden Interessenten das passende Jobangebot angelehnt an die privaten Bedürfnisse anbieten zu können".

Umdenken in der Gesellschaft erforderlich

Aber auch innerhalb der Gesellschaft müsse sich etwas verändern, findet Gräble. "Gerade in der Logistik wird alles als selbstverständlich hingenommen: Die Lieferung muss schnell, kostenlos und pünktlich sein. Dass das normalerweise bei über 99 Prozent funktioniert, nimmt jedoch niemand wirklich wahr." Wenn es mal nicht rund läuft, werde das allerdings direkt moniert werden. "Ich denke, dieses Umdenken, dass nicht alles selbstverständlich ist, ist ein Prozess, der hier in Lüneburg vielleicht sogar gelingen kann – in ganz Deutschland aber sicher nicht."

Von Lilly von Consbruch

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