Samstag , 3. Dezember 2022
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In der Samtgemeinde Ilmenau könnte der große Saal des Rathauses relativ schnell als Wärmeraum vorbereitet werden, sagt Samtgemeindebürgermeister Peter Rowohlt. (Foto: phs)
In der Samtgemeinde Ilmenau könnte der große Saal des Rathauses relativ schnell als Wärmeraum vorbereitet werden, sagt Samtgemeindebürgermeister Peter Rowohlt. (Foto: phs)

„Wir wollen niemanden frieren lassen“

Vor dem Hintergrund der Energiekrise und damit verbundenen Preissteigerungen prüft die Gemeinde Bienenbüttel momentan die Einrichtung eines Wärmeraums. Auch im Landkreis Lüneburg macht man sich Gedanken in diese Richtung.

Bienenbüttel/Reppenstedt/Amelinghausen/Lüneburg/Melbeck. Was, wenn das Geld nicht mehr ausreicht, um die Energierechnungen zu bezahlen? Als Reaktion auf Sorgen angesichts der Energiekrise und damit verbundenen Preissteigerungen, prüft die Gemeinde Bienenbüttel derzeit, einen Wärmeraum anzubieten, der zumindest tagsüber von Bürgern genutzt werden kann. „Wir wollen niemanden frieren lassen“, begründet Bürgermeister Merlin Franke. Als Räumlichkeit komme möglicherweise das Mühlenbachzentrum im Rathaus infrage.

Die Idee ist nicht ganz neu. Für den Fall einer Energie-Notlage in der kalten Jahreszeit hatte zuletzt zum Beispiel Mecklenburg-Vorpommern seine Kommunen angewiesen, Aufenthaltsräume bereitzustellen, in denen sich Menschen aufwärmen können. Und auch im Landkreis Lüneburg macht man sich darüber Gedanken.

Eine mobile „Netz-Ersatzanlage“ ist bestellt

In der Samtgemeinde Gellersen hat die Verwaltung inzwischen eine Liste an Gebäuden erstellt, die nicht von der Öl- oder Gasversorgung abhängig sind und damit als Wärmeräume geeignet wären. Welche das sind, möchte Rathauschef Steffen Gärtner aktuell noch nicht verraten, „das hängt schließlich auch davon ab, von wie vielen Menschen wir am Ende reden“. Gibt es Bedarf einzelner Personen, die aus finanziellen Gründen frieren müssen? Oder womöglich ein breiteres Krisenszenario, bei dem größere Gruppen von der Wärmeversorgung abgeschnitten sind? Gärtner will sicherheitshalber auf beide Situationen vorbereitet sein.

Nach Rücksprache mit einem regionalen Energieanbieter vertraue er darauf, dass sich ein Versorgungsengpass mit mehrwöchigem Vorlauf abzeichnen werde, sofern es dazu denn überhaupt kommen sollte. In den kommenden Wochen soll eine mobile „Netz-Ersatzanlage“ in Reppenstedt eintreffen. Die wurde laut Gärtner bereits im vergangenen Jahr bestellt, um im Worst-Case-Fall die Stromversorgung öffentlicher Gebäude und kritischer Infrastruktur – zum Beispiel der Feuerwehr – sicherstellen zu können.

Ein Wärmeraum im Rathaussaal

Ganz so konkret sind die Überlegungen im Amelinghausener Rathaus noch nicht, „aber natürlich haben wir Räumlichkeiten, die wir den Menschen im Zweifel anbieten können“, sagt Samtgemeindebürgermeister Christoph Palesch. Infrage kämen zum Beispiel die Lopautalhalle, ein Raum im Markthus oder zur Not auch der Kultursaal der Samtgemeinde. Was Palesch beruhigt: Viele Gebäude und Einrichtungen der Kommune sind an die Versorgung einer Biogasanlage angeschlossen. „Stand heute glaube ich allerdings nicht, dass im ländlichen Bereich ein Angebot des reinen Aufwärmens reißende Nachfrage findet“, prognostiziert der Rathauschef.

„Ich glaube nicht, dass den Privathaushalten das Gas abgestellt wird, weil sie es nicht mehr bezahlen können“, sagt Peter Rowohlt, Bürgermeister der Samtgemeinde Ilmenau. Auch einen „Blackout“ hält er für unwahrscheinlich. Dennoch: „Wenn diese Lage doch mal eintreten sollte, könnten wir den großen Saal im Rathaus relativ schnell vorbereiten.“ Der nämlich ließe sich an einen externen Stromgenerator anschließen.

Arbeitsgruppen haben Krisenszenerien beleuchtet

Und in der Stadt Lüneburg? „Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass die Wärme- und Stromversorgung für alle Lüneburger verfügbar bleibt, da sie als Endkunden geschützt sind“, teilt Pressesprecherin Suzanne Moenck mit. Ein Problem werde aber darin liegen, dass Wärme und Strom für alle bezahlbar bleiben – eine bundesweite Aufgabe. Unabhängig davon habe sich die Stadtverwaltung in verschiedenen Arbeitsgruppen intensiv mit den möglichen Krisenszenerien beschäftigt. „Hier haben wir bereits angekündigt, dass wir unter anderem in den Stadtteilhäusern Räume offen halten wollen, in denen es Möglichkeiten zum Aufwärmen geben wird“, macht Moenck deutlich. Dazu sei die Stadt bereits mit anderen Einrichtungen im Gespräch.

Von Anna Petersen

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