Sonntag , 4. Dezember 2022
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Steffi Fehse (l.) und Ingrid Ott-Müller verabschieden Heinz Bensemann schweren Herzens in den Sportabzeichen-Ruhestand.
Steffi Fehse (l.) und Ingrid Ott-Müller verabschieden Heinz Bensemann schweren Herzens in den Sportabzeichen-Ruhestand. (Foto: t&w)

Serie über Ehrenamt: Ihr Heinz hat einfach die Ruhe weg

In einer Serie stellt die LZ Menschen vor, die sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich engagieren. Dieses Mal: Heinz Bensemann vom MTV Amelinghausen. Nach 42 Jahren nimmt er keine Sportabzeichen mehr ab, doch bei Volksläufen will er weiterhelfen.

Amelinghausen. Als es ans Abschied nehmen ging, da muss die eine oder andere doch eine Träne verdrücken. "Natürlich kommt etwas Wehmut auf", sagte Heinz Bensemann trocken. Seine langjährigen Mitstreiterinnen Ingrid Ott-Müller und Stephanie Fehse drückten ihren Heinz zum Abschied und wirkten sichtlich angefasst. Bensemann verabschiedete sich nach 42 langen Jahren aus dem Sportabzeichenteam des MTV Amelinghausen, hat an vergangenen Montag Zeiten der letzten Läufe gestoppt und die letzten Würfe ausgemessen. Doch ganz wird er den Verein nicht verlassen.

"Wenn jemand anruft und fragt, ,kommst du mal?', werde ich schon kommen", meint Bensemann mit verschmitztem Lächeln. Der 86-Jährige wirkt drahtig in seinem rot-schwarzen Trainingsanzug. Wie ein Mann eben, für den der Sport schon immer zu seinem Leben dazugehört hat. Vor allem bei den Volksläufen war er zu Hause, sehr schnell nicht nur als Aktiver.

"Er hatte einfach die Ruhe weg"

Von 1981 an organisierte er selbst zehn Jahre lang den Heideblüten-Landschaftslauf – Vorläufer des Volkslaufs um den Heideköniginnenpokal, auch "HeiPo" genannt. Bis zu seinem 82. Lebensjahr drehte er selbst regelmäßig seine Runden am Lopausee, nach einer schweren Erkältung beendete Bensemann aber seine aktive Laufbahn.

Als Helfer schlug beim diesjährigen HeiPo aber wieder seine große Stunde. Die elektronische Zeitmessung funktionierte nicht, alle Leute in der Organisation wurden zunehmend nervös. Nur nicht Bensemann, der die Stoppuhren rausholte und die Zeiten ganz altmodisch per Hand stoppte. "Er hatte einfach die Ruhe weg", freute sich Steffi Fehse.

An Bensemanns letztem Arbeitstag schaute auch Amelinghausens Vereinschef Dr. Rüdiger Carlberg auf dem Sportplatz vorbei, um dem MTV-Ehrenmitglied einen großen Präsentkorb zu überreichen. "Auch für deine Frau. Die muss ja seit 42 Jahren immer auf dich verzichten", betonte Carlberg.

Ehrung im kleinen Kreis

Mit der Anlernzeit unter Gustav Matthees waren es sogar 45 Jahre, rechnete Bensemann vor. Wie kam er überhaupt zu seinem Ehrenamt? "Als Banker steht man ja in der Öffentlichkeit. Da muss man sich engagieren", erinnerte sich der langjährige Vorstand und Filialleiter der Volksbank im Heideort. "Und Sportabzeichen war das Harmloseste." Er selbst hatte alle möglichen Höhen und Tiefen der Prüfungen miterlebt. Mal kamen regelmäßig komplette Fußballmannschaften, um die Prüfung abzulegen, mal ebbte das Interesse vor allem bei den Jüngeren wieder ab.

"Jetzt hatten wir wieder Jahre mit bis zu 200 Abzeichen", sagte Steffi Fehse, die sehr engagiert in der Kinder-Leichtathletik tätig ist. Das Schwimmen wird dank einer Kooperation im benachbarten Waldbad vom dortigen Personal abgenommen. Zu Bensemanns Abschluss, der auch letzter Abnahmetermin des MTV in diesem Jahr war, tauchte bei Wind und Regen nur noch die Familie Ludolph auf. Pünktlich hatte er Feierabend – und er hatte den Braten schon gerochen, bevor die als Überraschung gemeinte Ehrung im kleinen Kreis für ihn losging.

"Wir haben uns in unserem kleinen Team immer gut verstanden und hatten viel Spaß miteinander." Für Bensemann stellte sich niemals die Frage nach der Motivation. Nun müssen sich die beiden Frauen nach einem neuen Mitstreiter umschauen. Aber einen wie ihren Heinz werden sie sicher kein zweites Mal finden.

Von Andreas Safft

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