Samstag , 3. Dezember 2022
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Viktor Linsel.
„Das Geld der Eltern darf nicht darüber entscheiden, ob und wie viel Ausbildung man bekommt“, sagt Viktor Linsel. (Foto: rg)

Die Kandidaten im Landtagswahlkreis Elbe: Viktor Linsel

Viktor Linsel aus Hitzacker tritt bei der niedersächsischen Landtagswahl für die Linke als Direktkandidat im Wahlkreis 48 Elbe an.  Zwar quasi chancenlos, was das Direktmandat anbelangt, und auf der Landesliste der Partei gar nicht vertreten, aber dennoch mit Elan und Sendungsbewusstsein.

Hitzacker. Den Moment, in dem er sich politisierte, hat Victor Linsel noch gut vor Augen. Als es 2015 im Zuge des Zustroms Hunderttausender Flüchtlinge nach Deutschland erst zu einer riesigen Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft, dann aber auch schnell zur Aktionen und Demonstration des rechten, rechtspopulistischen und rechtsextremistischen Lagers kam, gab es „eine Nazi-Demo in Lüneburg – und eine Gegendemo“, erinnert sich Linsel.

Da ging er hin, weil er es „unerträglich fand, das People of Color (Menschen und Gruppen, die Rassismus ausgesetzt sind, Anm. d. Red.) Angst haben mussten, in meiner Heimatstadt in bestimmten Gegenden auf die Straße zu gehen“.

Mit viel Elan und Sendungsbewusstsein

Dass „manche Gestalten da Unterschiede machten zwischen Menschen, nur weil sie anderer Herkunft waren, konnte ich nicht aushalten, und kann ich bis heute nicht“, sagt der selbstständig Zimmerer, der heute in Hitzacker lebt. Und bei der niedersächsischen Landtagswahl für die Linke als Direktkandidat im Wahlkreis 48 Elbe antritt.

Zwar quasi chancenlos, was das Direktmandat anbelangt, und auf der Landesliste der Partei gar nicht vertreten, aber dennoch mit Elan und Sendungsbewusstsein.

Bildung, Klima, Krankenhaus

Linsel ist einer der jüngsten Kandidaten bei dieser Landtagswahl, 24 Jahre alt und gebürtig aus Lüneburg. Er ist in der Linksjugend solid Wendland aktiv, einer Linken-Nachwuchsorganisation mit strikter feministischer, sozialistischer, basisdemokratischer und antifaschistischer Ausrichtung. Auch in der IG BAU und natürlich in der Linke Lüchow-Dannenberg ist er aktiv, bei Letztgenannter als klimapolitischer Sprecher.

Er war bei der Besetzung des Hambacher Forsts dabei, bei „Ende Gelände“ und natürlich bei „Fridays for Future“, und will nun in den Landtag – um sich politisch gegen eine von ihm so empfundene „systemische Ungerechtigkeit“ zu engagieren. Oder positiv formuliert: für Gerechtigkeit. Und das auf mehreren Ebenen.

Kostenlose Bildung für alle

Ihm geht es um Bildung, die für alle kostenlos sein müsse, von der Kita bis zur Berufsausbildung und der Universität. „Das Geld der Eltern darf nicht darüber entscheiden, ob und wie viel Ausbildung man bekommt“, sagt Linsel. Bildung sei „der Schlüssel für die Zukunft“, die persönliche, aber auch die gesellschaftliche. Auch der Klimawandel und dessen Folgen seien Themen, bei denen es um Gerechtigkeit gehe: Man dürfe „nicht so tun, als existiere die Klimakrise unabhängig von anderen Krisen“, die Themen Klima und Soziales hingen „unmittelbar miteinander zusammen.

"Wenn man den Superreichen ein bisschen Geld wegnimmt, und es den Armen gibt, damit die nicht mehr ihr Essen mit Kohle kochen müssen, ist schon viel gewonnen“, meint Linsel. Dafür brauche es „einen politischen Rahmen weltweit, persönlicher Aktionismus sei nett, aber wenig zielführend“. In Niedersachsen und Lüchow-Dannenberg trete er an für einen funktionierenden ÖPNV, eine auskömmliche Nahversorgung und den Erhalt des Dannenberger Krankenhauses. „Medizinische Versorgung ist ein Menschenrecht“, betont Linsel, „keine Kapitalanlage“.

Von Rouven Groß

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