Montag , 5. Dezember 2022
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Derzeit nutzen etwa zehn Vereine und vor allem die Kinder der Igel-Schule die Schlieffen-Hallen für Sport. (Foto: Hansestadt Lüneburg)
Derzeit nutzen etwa zehn Vereine und vor allem die Kinder der Igel-Schule die Schlieffen-Hallen für Sport. (Foto: Hansestadt Lüneburg)

Weitere Notunterkunft im Hanseviertel

Der Strom von Flüchtlingen aus der Ukraine ebbt nicht ab. Die Stadt muss reagieren: Um übergangsweise Wohnraum zu schaffen, werden weitere Sporthallen zur Unterkunft umfunktioniert. Auch Container werden aufgebaut.

Lüneburg. Bis März kommenden Jahres muss die Stadt Lüneburg rund 1000 weitere Geflüchtete aus der Ukraine aufnehmen – das neue Gesamtverteilkontingent des Landes schriebt das vor. „Damit ist die dezentrale Unterbringung kaum noch möglich, weshalb nun weitere Sporthallen als Notunterkünfte eingerichtet werden müssen“, erklärt Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch. „Lüneburg steht wie andere Oberzentren auch vor der besonderen Herausforderung, dass Wohnraum und Flächen für Container-Wohnanlagen knapp sind.“

Im gesamten Landkreis Lüneburg müssen in den kommenden sechs Monaten nach aktuellem Stand 1739 Geflüchtete aufgenommen werden. Hinzu kommen noch die 59, die in den vergangenen Monaten nicht aufgenommen werden konnten. „Insgesamt sind es also 2330 Menschen in Stadt und Landkreis“, sagt Marion Junker, Pressesprecherin des Landkreises, gegenüber der LZ.

In anderen Städten ähnliche Situation

Eine Abfrage des Niedersächsischen Städtetages ergab, dass die Situation derzeit in vielen anderen Städten ähnlich ist wie in Lüneburg. In der Hansestadt arbeitet die Verwaltung jetzt daran, die schon bestehenden Gemeinschaftsunterkünfte zu verdichten und auszuweiten. Am Bargenturm/Ecke Am Weißen Turm wird aktuell zusätzlich eine Fläche für Wohn-Container vorbereitet. Zusätzlich werden nach der Sporthalle im Grimm nun auch die Sporthallen der ehemaligen Schlieffenkaserne, im Hanseviertel gelegen, in Kürze als Notunterkunft für Geflüchtete hergerichtet.

Über diesen Schritt informierte Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch jetzt die Vertreter des Kreissportbundes, anwesend bei dem Gespräch im Rathaus waren auch der Sportbeirat Lüneburg und der städtische Sportausschuss. Die Vereine und die Leitungen der Schulen, die dort Sport treiben, wurden durch die Verwaltung informiert.

Das ehemalige Kasernen-Gebäude im Hanseviertel umfasst zwei Zweifeld-Hallen. Die erste Halle wird ab voraussichtlich Mitte Oktober eingerichtet und etwa vier Wochen später bezogen. Die Vorbereitungen in der zweiten Halle starten etwas später. So müssen sich die Vereine erst mit Beginn der Wintersaison umstellen.

Wohl ab Mitte November könnten die ersten Geflüchteten, vor allem aus der Ukraine, dort eine vorübergehendes Zuhause finden. Insgesamt sind 300 Plätze geplant. „Ich bedaure die Folgen dieser Entscheidung für den Schul- und Vereinssport“, sagt Oberbürgermeisterin Kalisch. „Leider haben wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine anderen Optionen.“ Und in Richtung Land gewandt betont sie: „Die angekündigte Schaffung von zusätzlich 1400 Plätzen in der Landesaufnahmeeinrichtung des Innenministeriums begrüße ich als ersten Schritt ausdrücklich. Dies wird aber nicht reichen, um Städte wie Lüneburg signifikant zu entlasten. Hier erwarte ich vom Land deutlich mehr Unterstützung.“

Verständigung über Ausweichmöglichkeiten

Aktuell nutzen etwa zehn Vereine und vor allem die Kinder der Igelschule die Schlieffen-Hallen für Sport. Über mögliche Ausweichmöglichkeiten verständigen sich Sport- beziehungsweise Schulverwaltung aktuell direkt mit den Schulen und Vereinen. Die Stadt Lüneburg will erneut eine Infoveranstaltung anbieten, die sich vor allen an Anwohner und Nutzer der Halle richtet. Den Termin macht die Verwaltung noch bekannt.

Jens Burmester, Pressewart des Lüneburger SV, erklärt mit Blick auf die andere Nutzung der Sporthallen: „Schön ist das Ganze nicht, aber wir haben Verständnis dafür und können es nun mal auch nicht ändern. Die Stadt steht ja selbst unter Zugzwang. Wir arbeiten aber schon an Ausweichmöglichkeiten. Man darf aber auch nicht vergessen, dass wir in den städtischen Hallen zu Gast sind, und wir sind froh darüber, dass die Hansestadt keine Nutzungsgebühren erhebt. In anderen Städten sieht das anders aus. Jetzt müssen wir sehen, ob einzelne Mitglieder kündigen, weil sie ihren Sport nicht mehr wie gewohnt ausüben können. Aber bei allem dürfen wir auch nicht vergessen, dass es sich um eine Übergangslösung handelt.“

Und wie sieht es im Landkreis aus? Ein Blick in die Samtgemeinde Gellersen. Dort setzt man auf Container statt auf die Nutzung von Sporthallen. In Reppenstedt wird beispielsweise eine Containeranlage für rund 60 Personen entstehen. Samtgemeindebürgermeister Steffen Gärtner hatte in dem Zusammenhang betont: „Wir wollen unbedingt vermeiden, Turnhallen für die Unterbringung von Geflüchteten schließen zu müssen. Das ist für niemanden eine gute Lösung.“ lz/tl/wko

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