Samstag , 3. Dezember 2022
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Die Kreisverwaltung lud ein zum Austausch (v.l.): Sebastian Heilmann und Marina Schweikert vom Fachdienst Mobilität, Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer, Lisbeth Schumann (F.D. Mobilität), Prof. Dr. Peter Pez von der Leuphana, Kreis-Radverkehrsbeauftragter Olaf Pahl und Landrat Jens Böther. (Foto: phs)
Die Kreisverwaltung lud ein zum Austausch (v.l.): Sebastian Heilmann und Marina Schweikert vom Fachdienst Mobilität, Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer, Lisbeth Schumann (F.D. Mobilität), Prof. Dr. Peter Pez von der Leuphana, Kreis-Radverkehrsbeauftragter Olaf Pahl und Landrat Jens Böther. (Foto: phs)

Erste Radverkehrskonferenz des Landkreises Lüneburg

Eine doppelte Premiere: Die "1. Radverkehrskonferenz des Landkreises Lüneburg" - und tatsächlich auch die erste solche Konferenz in einer niedersächsischen Kommune. Ziel war die Vernetzung unterschiedlicher Akteure und Interessengruppen untereinander. Neben optimistischen Zukunftsausblicken und dem Wunsch der Fortführung gab es aber zum Abschluss auch mahnende Worte vom Ersten Kreisrat Jürgen Krumböhmer.

Lüneburg. Es war eine doppelte Premiere: Die „1. Radverkehrskonferenz des Landkreises Lüneburg“ am Mittwoch war tatsächlich auch die erste akteursübergreifende Ideenwerkstatt zum Thema in einer niedersächsischen Kommune. Das hervorstechende Engagement der Kreisverwaltung, die zu dem Treffen in der „LKH Arena“ geladen hatte, lobte denn auch in seinem Grußwort Eike Lengemann, Ansprechpartner für Radverkehr im Landesverkehrsministerium. Er ließ aber ebenfalls durchscheinen, dass in anderen, jüngst als fahrradfreundlich ausgezeichneten Kommunen teils 30 Euro pro Jahr und Kopf in Fahrradwege und Co. investiert würden – es also noch Luft nach oben gebe. Die Ziele der „1. Radverkehrskonferenz“ steckte in seiner Ansprache Landrat Jens Böther ab: „Wir geben ein klares Bekenntnis ab für mehr Radverkehr. Dafür brauchen wir ein gutes Miteinander aller Beteiligten, denn Radwege dürfen nicht einfach an kommunalen Grenzen aufhören.“ Entsprechend diskutierten die 90 Vertreter aus verschiedenen Ebenen der Verwaltung und Politik, von Interessengruppen und Fachverbänden einen ganzen Tag lang, von 9 bis 17.30 Uhr, über die Zukunft der Radwege im Landkreis Lüneburg.

Den inhaltlichen Teil der Veranstaltung eröffnete eine Reihe von Impulsvorträgen. Verkehrs- und Klimaforscher Prof. Dr. Peter Pez von der Leuphana sprach über das Thema „Verkehrswende und Klimawandel“, Vertreter aus Kreis und Stadt stellten ihre jeweiligen Radverkehrskonzepte und deren Schnittstellen vor. Verkehrsexperte Dankmar Alrutz, eigentlich als zweiter Hauptredner eingeplant, hatte aufgrund einer Zugverspätung die Ehre, mit seinem Vortrag zu aktuellen Entwicklungen und Möglichkeiten in der Radverkehrsplanung den ersten Themenblock abzurunden. Als gemeinsamer Nenner kristallisierte sich schon jetzt die Empfindung heraus, dass kommunale Verkehrsplanung vom Gesetzgeber mehr Gestaltungsraum brauche. So erntete etwa Sebastian Heilmann vom Fachdienst Mobilität beim Landkreis mit seinem Appell, jeder möge an ihn bekannte Abgeordnete mit diesem Hinweis herantreten, viel Applaus. Pez und Alrutz betonten demgegenüber, man solle ruhig mutig Ermessensspielräume nutzen und Leuchtturmprojekte wagen, die sich nachträglich in neuen StVO-Regelungen niederschlagen könnten.

Rund 90 Personen informierten sich und diskutierten bei der "1. Radverkehrskonferenz des Landkreises Lüneburg". (Foto phs)
Rund 90 Personen informierten sich und diskutierten bei der "1. Radverkehrskonferenz des Landkreises Lüneburg". (Foto phs)

Weitere Themenblöcke widmeten sich konkreten Fragestellungen aus der Praxis, etwa der Gestaltung von Ortsdurchfahrten und dem Bereich Radverkehrsförderung inklusive Schulweg-Unfallprävention. Das Kernstück des Austauschs bei der „1. Radverkehrskonferenz des Landkreises Lüneburg“ bildeten Diskussionsrunden an insgesamt acht Thementischen, in denen sich die Beteiligten, je nach Interesse bunt zusammengewürfelt, nacheinander zu mehreren Schwerpunkten austauschen konnten. Eindrücklich hier vor allem das Modell „Die sichere ADFC Kreuzung“ nach niederländischem Vorbild. In Originalgröße und mit bereitgestellten Fahrrädern probeweise zu befahren, nutzte dieses den Platz in der Arena voll aus.

Als Impulse für die zukünftige Arbeit nahmen die Teilnehmer vor allem mit, wie wichtig und nützlich eine solche Vernetzung ist. Idealerweise möchte man dies künftig mit zwei jährlichen Treffen fortführen. Man habe teilweise sehr konkrete Handlungsbedarfe identifizieren können, fasste Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer in seinem Schlusswort zusammen, mahnte aber vor allem an: „Die Hauptlösung wird darin liegen, ein Gesprächsforum zu finden, wo es gelingt, sachlich über Konflikte zu diskutieren. Das ist aktuell noch nicht vorhanden“, wie etwa bei der Debatte um 125 wegfallende Parkplätze deutlich zutage getreten sei. Zusätzlich brauche es eine gemeinsame Kommunikationskultur und eine gewisse Bereitschaft aller, Kompromisse einzugehen. „Denn, das was wir im Moment noch haben, dass wir gewisse Aussagen treffen, die niemandem wehtun, das ist nicht die Herausforderung. Die wird nachher sein, zu ganz konkreten Lösungen zu kommen.“

Von Katharina Hartwig

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