Dienstag , 29. November 2022
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Die Sporthalle Im Grimm ist bereits umgerüstet für die Aufnahme von Geflüchteten, zwei weitere Hallen sollen folgen. (Foto: be)

Kritik an Plänen, Geflüchtete in Sporthallen unterzubringen

Der Kreissportbund und die FDP kritisieren die Ankündigung der Stadt, weitere Geflüchtete in Hallen unterzubringen. Es gelte einen "Sport-Lockdown" zu verhindern.

Lüneburg. Die Ankündigung der Stadt, weitere Sporthallen für die Unterbringung von Geflüchteten umzurüsten, hat Kritik ausgelöst. „Die Schließung der Turnhallen ist für den Schul- und Vereinssport sehr bitter. Zu viele Kinder leiden bereits heute an Bewegungsgarmut und brauchen erwiesenermaßen mehr attraktive sportliche Angebote. Eine weitere Reduzierung ist daher mit dramatischen Folgen für die Gesellschaft verbunden“, teilte Susanne Pöös, Geschäftsführerin des Kreissportbundes Lüneburg, gegenüber der LZ mit.

Keine geeigneten Räume, um Menschen unterzubringen

Turnhallen seien zudem keine geeigneten Räumlichkeiten, um Menschen unterzubringen. Sie müssten die „allerletzte Option“ darstellen. So verlaufe die Suche nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten seitens der Stadt ergebnislos, während gleichzeitig in Samtgemeinden wie Gellersen Container aufgestellt werden, betonte Pöss.

Und weiter: „Die Frustration der Vereine, die uns erreicht, ist riesig.“ In der nächsten Sitzung des Sportausschusses am 10. Oktober gelte es, „Lösungen zu beschließen, um einen Sport-Lockdown zu verhindern“. In Lüneburg sei eine grundsätzliche Debatte zu führen, welche Bedeutung die Stadtgesellschaft dem Sport beimesse.

Antrag der FDP: Mindestanforderungen müssen erfüllt werden

Die FDP-Fraktion im Stadtrat hat unterdessen einen Dringlichkeitsantrag gestellt. Darin heißt es unter anderem: „Die an die Hansestadt verteilten Geflüchteten müssen eine menschenwürdige Unterkunft, die zumindest den Mindestanforderungen entspricht, erhalten. Die Notunterkünfte in den Sporthallen entsprechen diesen Mindestanforderungen nicht.“

Angesichts weiter steigender Flüchtlingszahlen „können wir uns nicht darauf verlassen, dass die Landesregierung nach der Landtagswahl neue Verteilungskriterien erlässt“.

Neue Gemeinschaftsunterkünfte sollen bereitgestellt werden

Auch die Einwerbung von zusätzlichen Privatwohnungen für Geflüchtete sei keine Lösung, mit der geplant werden könne. Die FPD fordert, dass „schnellstens neue Gemeinschaftsunterkünfte bereitgestellt werden“. Dafür müssten Wohncontainer schnell und unbürokratisch beschafft werden. Genauso müssten dafür Standorte benannt und Personal/Betreiber für die Gemeinschaftsunterkünfte gefunden werden.

Die FPD will mit dem Antrag erreichen, dass die Verwaltung „nicht zu jeder Neubeschaffung von Wohncontainern für Gemeinschaftsunterkünfte für Geflüchtete erst die Zustimmung des Verwaltungsausschusses beziehungsweise des Rates der Hansestadt einholen muss, sondern schnell tätig werden kann“.

Auch Wohn-Container sollen aufgebaut werden

Die Stadtverwaltung hatte am Vortag mitgeteilt, dass „weitere Sporthallen als Notunterkünfte eingerichtet werden müssen“. Genannt wurden die Sporthallen der ehemaligen Schlieffen-Kaserne. Über diesen Schritt seien Vertreter vom Kreissportbund Lüneburg, Sportbeirat Lüneburg und städtischem Sport-Ausschuss bei einem Gespräch im Rathaus informiert worden.

Zugleich hatte die Stadt betont, dass die Verwaltung mit Hochdruck daran arbeite, die „bestehenden Gemeinschaftsunterkünfte zu verdichten und auszuweiten“. Die Stadt setzt aber auch noch auf andere Lösungen: Zusätzlich werde „aktuell eine Fläche für Wohn-Container Am Bargenturm/Ecke Am Weißen Turm vorbereitet“.

Auch im Landkreis wird auf Container statt auf die Nutzung von Sporthallen gesetzt. In Reppenstedt wird beispielsweise eine Containeranlage für rund 60 Personen entstehen. Allerdings gibt es nach wie vor große Probleme bei der Verfügbarkeit von Containern. Teilweise müssen Kommunen bis zu sechs Monate auf georderte Container warten. lz

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